Großeinsatz an der Nister: „Das hätte tödlich enden können“
Mit Schlauchboot im Hochwasser gekentert

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damo Wissen. Diese Bootstour wird teuer: Vier junge Männer, die am Freitagabend von der Feuerwehr aus der Nister gerettet werden mussten, werden mutmaßlich den gesamten Einsatz bezahlen müssen. Aber selbst das ist noch günstig: Mit ein bisschen Pech hätten sie einen weitaus höheren Preis für ihren Leichtsinn zahlen müssen. „Das hätte für alle vier tödlich ausgehen können“, meint David Musall von der Wissener Feuerwehr.

Noch am Morgen danach ist im Gespräch mit dem Einsatzleiter dessen Fassungslosigkeit kaum zu überhören. Denn als die Feuerwehr gegen Mitternacht zu einer Wasserrettung an die Nister gerufen wurde, hatten Musall und seine Kameraden eigentlich nur zwei Szenarien im Kopf: „Da rechnet man erstmal mit einem Suizid, vielleicht noch mit einem Unfall.“ Dass aber jemand freiwillig mit einem Schlauchboot auf der Nister unterwegs ist, „ist eigentlich unfassbar.“

Aber genau dieses Szenario war es, das die Feuerwehr, die Polizei, die DLRG und der Rettungsdienst an der Nistertalstraße zu sehen bekamen. Ein Anwohner hatte um 23.54 Uhr den Notruf abgesetzt, nachdem er laute Hilferufe gehört hatte. Als die Rettungskräfte am Einsatzort eintrafen, fanden sie vier Männer zwischen 20 und 30 Jahren vor – alle standen durchweicht, unterkühlt und mehr oder weniger entkräftet am Ufer der Nister.

Der Fluss ist dort eigentlich kaum mehr als ein Bach, vielleicht sechs, sieben Meter breit. Aber der Regen und das Tauwetter der vergangenen Tage hatten die Nister auf 20 Meter Breite anschwellen lassen. „Das war kein Bach mehr: Das Wasser war reißend und voller Treibgut“, berichtet Wehrleiter Stefan Deipenbrock.

Was genau die jungen Männer dazu gebracht hatte, im Ortsteil Bruchertseifen ein Schlauchboot zu Wasser zu lassen, konnte gestern niemand sagen – Fakt ist aber, dass die Rafting-Tour ein jähes Ende nahm. Zwar konnten sich die vier jungen Männer selbst ans Ufer retten. Aber nur einer von ihnen konnte sich auf die mit Wegen erschlossene Seite der Nister retten, drei von ihnen standen auf der Hangseite im Wald; sie mussten von der Feuerwehr aus ihrer misslichen Lage befreit werden. Einer der drei Männer musste durch das unwegsame Gelände getragen werden, sagt Deipenbrock.

Noch kennt er die Personalien der Männer nicht – aber die wird er sich besorgen: „Die werden wir uns holen, weil das sicher ein kostenpflichtiger Einsatz wird.“ Und der dürfte ins Geld gehen: Neben den gut 50 Feuerwehrleuten waren nach Angaben von David Musall auch jeweils 15 Helfer von der DLRG und vom Rettungsdienst vor Ort. Zwei Polizeistreifen komplettierten das Großaufgebot der Helfer.

Die haben naturgemäß wenig Verständnis für diesen Einsatz. Während sich die Polizei auf Anfrage der SZ noch bedeckt hielt, ließ Musall durchaus erkennen, was er von der nächtlichen Schlauchboottour hält: „So viel Leichtsinn kann man nicht fassen. Die haben nicht nur sich selbst in Gefahr gebracht, sondern auch meine Männer.“ Und Deipenbrock ergänzt: „Die hätten alle vier im Wasser bleiben können. Und dann hätten wir hier eine vierfache Leichenbergung gehabt.“

Glücklicherweise ist es dazu nicht gekommen – lediglich das Schlauchboot ist ein für alle Mal in den strömenden Wassern der Nister verschollen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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