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Botschafter der Mongolei
Mit Wissener Hilfe nach Berlin

In der Landestracht erhielt Mandakhbileg Birvaa dieser Tage sein Beglaubigungsschreiben durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
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  • In der Landestracht erhielt Mandakhbileg Birvaa dieser Tage sein Beglaubigungsschreiben durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
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thor/sz Wissen/Berlin. Er war schon ein Netzwerker, als dieser Begriff noch gar nicht erfunden war: Ulrich Schmalz, viele Jahre lang Bundestagsabgeordneter für die Union, wusste schon immer, wie wichtig Kontakte sind. Der Wissener kennt Gott und die Welt – was sich mehr als deutlich bei den Forumsveranstaltungen in Marienthal zeigt, wo immer wieder Hochkaräter zu hören sind. Und manchmal sorgt das große Netzwerk auch dafür, dass zwischenmenschlich schöne Geschichten erzählt werden können. Wie im Fall des neuen Botschafters der Mongolei in Berlin, Mandakhbileg Birvaa, den Schmalz – natürlich – bestens kennt. Wobei die erste Begegnung vor fast 30 Jahren höchst abenteuerlich war.

thor/sz Wissen/Berlin. Er war schon ein Netzwerker, als dieser Begriff noch gar nicht erfunden war: Ulrich Schmalz, viele Jahre lang Bundestagsabgeordneter für die Union, wusste schon immer, wie wichtig Kontakte sind. Der Wissener kennt Gott und die Welt – was sich mehr als deutlich bei den Forumsveranstaltungen in Marienthal zeigt, wo immer wieder Hochkaräter zu hören sind. Und manchmal sorgt das große Netzwerk auch dafür, dass zwischenmenschlich schöne Geschichten erzählt werden können. Wie im Fall des neuen Botschafters der Mongolei in Berlin, Mandakhbileg Birvaa, den Schmalz – natürlich – bestens kennt. Wobei die erste Begegnung vor fast 30 Jahren höchst abenteuerlich war.

Projekte von der DDR übernommen

Der Wissener gehörte dem Bundestag seit zwei Jahren an, als er im Juli 1992 als Mitglied des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit nach China und in die Mongolei reiste. Zuvor hatte er Tahmen der deutschen Entwicklungshilfe schon Fidel Castro einen Besuch abgestattet. Es ging seinerzeit um die Evaluation von Hilfsprogrammen. Die DDR hatte einige Projekte in der Mongolei initiiert, die nach der Wiedervereinigung von der Bundesrepublik übernommen wurden.

Ulrich Schmalz hatte die Kontakte zu dem Diplomaten aus der Mongolei nie abreißen lassen.
  • Ulrich Schmalz hatte die Kontakte zu dem Diplomaten aus der Mongolei nie abreißen lassen.
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„Den Flug von Peking nach Ulan Bator, der mongolischen Hauptstadt, werde ich nie vergessen“, so Schmalz. „Es war unglaublich abenteuerlich.“ In dem Flieger hätten sich Hühner und Enten getummelt, einfach alles, was sich in China einkaufen ließ. „Auch mitreisenden Kollegen, die schon längere Erfahrungen mit Flügen in Entwicklungsländer hatten, sah man den Schweiß auf der Stirn stehen.“ Der Termin für den Rückflug habe zudem noch gar nicht genau festgestanden, weil Kerosin Mangelware gewesen sei, erzählt Schmalz.

Gast aus der Mongolei erhielt Stipendium

Der deutschen Delegation wurde jedenfalls ein junger Mann namens Mandakhbileg, der in Leipzig studiert hatte, als Dolmetscher an die Seite gestellt. Dieser, so Schmalz, sehr kluge und äußerst hilfsbereite Mongole sei stark an den deutschen Verhältnissen interessiert gewesen. Schon sein Vater war deutschsprachig und hatte als Professor gewirkt. Und so interessierte sich Mandakhbileg auch für den Parlamentsaustausch und fragte den deutschen CDU-Politiker, ob er nicht ein gutes Wort für ihn einlegen könne. Gesagt getan. „Und so kam er nach einiger Zeit für einige Monate nach Bonn und hospitierte dabei auch in meinem Bundestagsbüro“, berichte Schmalz weiter. Gemeinsam mit einem Kollegen habe er ihm allerdings nahegelegt, seine akademische Laufbahn zu vervollständigen, da die juristische Ausbildung der DDR nicht ausreichend gewesen sei. Der Gast aus der Mongolei erhielt auf Vermittlung der Abgeordneten ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung. In Heidelberg schloss er schließlich das Studium mit einer Promotion ab.

,,Wir sind ganz schön deutsch geworden''

Einige Zeit später kam auch seine Frau zum Studium nach Deutschland, er selbst wechselte in den diplomatischen Dienst seines Landes. Dieser führte ihn in der Folge mehrfach für einige Jahre an die mongolische Botschaft nach Berlin, seine Kinder gingen dort zur Schule, ein Sohn wurde Klassensprecher. „Manchmal meinte er, wir sind familiär ganz schön deutsch geworden“, erzählt Schmalz. „Ich habe seine diplomatische Karriere immer beobachtet und war mir sicher, dass er eines Tages auch Botschafter wird. Ich wusste nur nicht, ob das noch zu meinen Lebzeiten passiert.“

Den Flug von Peking
nach Ulan Bator, der mongolischen Hauptstadt, werde ich nie vergessen.
Ulrich Schmalz
Bundestagsabgeordneter a. D.

Einladung nach Berlin nicht als Botschafter

Es ist typisch für den Wissener, dass er den Kontakt auch nach seiner aktiven Zeit nie abreißen ließ. Im Fall von Mandakhbileg beruhte das aber auf Gegenseitigkeit. Kein Wunder also, dass er vor einigen Jahren zu Gast in Mariental war, um dort über seine Heimat zu referieren. Ein Land, das zwar unendlich reich an Bodenschätzen ist, aber nach wie vor mit Korruption zu kämpfen hat.

Nun ist der Wunsch von Schmalz in Erfüllung gegangen: Seit dem 7. Dezember ist Mandakhbileg Birvaa der Botschafter seines Landes in Deutschland. Der frühere Politiker hat bereits eine Einladung nach Berlin erhalten – nicht unbedingt als Abgeordneter a. D., sondern vielmehr als Freund, denn: „Ich muss ihn nicht mit ,Exzellenz’ ansprechen, das hat er mir erlassen.“

In der Landestracht erhielt Mandakhbileg Birvaa dieser Tage sein Beglaubigungsschreiben durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Ulrich Schmalz hatte die Kontakte zu dem Diplomaten aus der Mongolei nie abreißen lassen.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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