Mobilheimpark Mittelhof: Dicke Luft im Naturidyll

Pächterverein kontra Hatzfeldt’sche Verwaltung/Hauptwohnsitz und Blockhäuser – ein Leben im rechtsfreien Raum?

thor Mittelhof. Wer hier lebt, der hat nur drei Dinge im Sinn: Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe. Mitten im Wald, weit genug entfernt von jeder ausgebauten Straße, reihen sich schmucke Blockhäuser und Mobilheime aneinander. Alles ist sauber und gepflegt, die Vorgärten lassen bei jedem Gartenzwerg das Herz höher schlagen. Naturidyll pur – so präsentiert sich auf rund 5 Hektar der Mobilheimpark Blickhauserhöhe bei Mittelhof. Nichts, aber auch gar nichts deutet hier auf Ärger hin. Und doch: Im Erholungsparadies herrscht seit geraumer Zeit dicke Luft. Böse Briefe wurden geschrieben und Anwälte konsultiert. Auf der einen Seite: der Pächterverein, auf der anderen: die Hatzfeldt-Wildenburg’sche Forstverwaltung als Betreiberin des Parks.

Auch wenn rein optisch das Grün dominiert, ist Hans Geiermann der Meinung: »Wir leben hier in einer rechtlichen Grauzone.« Der Vorsitzende der Pächtervereins wollte hier eigentlich ungestört den Sommer verbringen (im Winter soll es nach Spanien gehen). Doch statt leichter Urlaubslektüre beschäftigt sich der angehende Pensionär mittlerweile mit einem zentimeterdicken Schriftverkehr, resultierend aus dem Streit mit dem Haus Hatzfeldt. Auslöser war eine im vergangenen Jahr angekündigte Pachterhöhung von rund 46 Prozent, von der etliche Pächter nach dem Auslaufen eines Zehn-Jahres-Vertrags betroffen waren. So sollten künftig statt 6,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr 9,50 Euro gezahlt werden. Das allein empfinden Hans Geiermann und andere Bewohner schon als Grenze zum Wucher, doch viel mehr stört sie, dass sie in Mittelhof eventuell als »Illegale« leben. Gemeint sind die etwa 60 Pächter, die im Mobilheimpark ihren dauerhaften Wohnsitz haben.

»Falsche Versprechungen«

Für die Mitglieder des Vereins wirft Geiermann der Verwaltung vor, die Menschen mit »falschen Versprechungen« in den Park für eine möglichst optimale Auslastung gelockt zu haben. In der Tat: Schriftlich wurde einst dafür geworben, dass hier der erste Wohnsitz möglich ist. Der Pächterverein aber ist der Überzeugung, dass der gültige Bebauungsplan dies überhaupt nicht zulässt. Der Vorsitzende kann ein Schreiben aus dem Bauamt der Verbandsgemeinde Wissen vorweisen, wonach die Fläche des Mobilheimparks als »Sondergebiet für Sport, Freizeit und Erholung« ausgewiesen ist. Pächter Hasso Hogrefe: »Ich bin 1993 vom Ordnungsamt in Wissen zum Schloss Schönstein geschickt worden. Schon damals hätte man mich darauf hinweisen müssen.«

Nur 40 Quadratmeter gestattet

Zweiter Punkt: Die baurechtlichen Vorschriften der Kreisverwaltung Altenkirchen aus dem Jahr 1980 besagen, dass die Holzmobilheime eine Grundfläche von 40 Quadratmetern nicht überschreiten dürfen. Nun hatte aber die Hatzfeldtsche Verwaltung Anfang der 90er Jahre erneut die Werbetrommel gerührt und darauf verwiesen, dass in dem Park auch deutlich größere Blockhäuser aufgestellt werden könnten. Begründet wurde dies mit einer Änderung im Bebauungsplan.

»Die hat es aber nie gegeben«, betont Geiermann, dessen Aussage sogar behördlich bestätigt wird. Der Wissener Bauamtsleiter Karl-Heinz Henn erklärte gestern auf Anfrage der SZ, dass es hier nie zu einer Änderung des Plans gekommen ist. Folglich müssten also nach wie vor die Bestimmungen der Kreisverwaltung gelten. Aber: »60 Quadratmeter sind hier eigentlich normal, 80 Prozent der Häuser dürften zu groß sein«, meint Geiermanns Gattin Anni. Der Pächterverein wirft der Hatzfeldtschen Verwaltung vor, ab 1990 absichtlich den Pachtverträgen keine Auszüge des Bebauungsplans beigefügt zu haben, um die fehlende rechtliche Grundlage für die Blockhäuser zu vertuschen.

Dem Ehepaar könnte die Sache egal sein, wenn nicht der Gesetzgeber ein Bußgeld von bis zu 50000 Euro für einen »falschen« Hauptwohnsitz festgesetzt hätte. Dieses Risiko war nach Darstellung des Vorsitzenden Mitte der 90er Jahre durch eine Vertragsänderung auf den Pächter übergegangen. »Bis zum heutigen Tag wird bei einem Besitzwechsel dem neuen Besitzer mündlich die Möglichkeit des Hauptwohnsitzes zugesagt, trotz anders lautendem Vertragstext«, empört sich Geiermann. Er selbst hatte sich noch im vergangenen Jahr auf die Zusage verlassen, nachdem er im Internet auf den Park bei Mittelhof aufmerksam wurde. Nach anfänglicher Freude über das neue Domizil dominiert nun die Unsicherheit: »Wenn man bedenkt, dass bereits ein Park in Oberlahr aus diesen Gründen geschlossen wurde, dann bekommt man schon Magengeschwüre.«

Keine Eintragung im Grundbuch

Zu allem Überfluss hat Geiermann eine böse Überraschung beim Amtsgericht Betzdorf erlebt, als er die Grundbucheintragungen des Mobilheimparks überprüfen wollte. Der 57-Jährige musste nach eigenen Angaben feststellen, dass die Häuser gar nicht auf den Pachtgrundstücken eingetragen sind. In einem – rein theoretischen – Insolvenzfall der Hatzfeldtschen Verwaltung würde das bedeuten, dass die Häuser der Konkursmasse zugeschlagen werden, weil sie im Grundbuch nicht als Fremdeigentum vermerkt sind. »Dann wären wir auf kaltem Weg enteignet«, so Geiermann.

Und als eine Art I-Tüpfelchen empfinden nun viele Pächter die neuen Vertragsbedingungen. Bereits 1995 seien die unbefristeten Verträge aufgehoben und eine Preis-Anpassungsklausel angefügt worden. Die Entwürfe von 2005 hätten die Konditionen nochmals verschlechtert.

Neue Pacht viel zu hoch?

Im Vergleich mit anderen Einrichtungen und auch angesichts sinkender Immobilienpreise in der Region hält der Verein eine jährliche Einheits-Pacht von 6,50 Euro pro Quadratmeter für angemessen. Im Raum stehen aber, wie eingangs erwähnt, 9,50 Euro, die einen so genannten Investitionsanteil von 1,37 Euro beinhalten. Hier sind die von Geiermann vertretenen Pächter der Meinung, dass sich das Haus Hatzfeldt auf ihre Kosten bereichert. Wenn die Verwaltung den Wert ihres eigenen Grund und Bodens steigere, etwa durch neue Entwässerungsmaßnahmen, so könnten hierfür nicht die Pächter herangezogen werden, argumentiert der Verein. Zum Verständnis: Neben der Pacht müssen die Bewohner ganz normale Nebenkosten für Gas, Wasser etc. aufbringen.

»Aus dem Verein ist inzwischen eine Art Rechtsberatungsunternehmen geworden«, bilanziert Geiermann. Vor allem die vielen älteren Menschen im Park müsse man vor einer gewissen Willkür schützen. Nachdem bislang alle Verhandlungen gescheitert sind und beide Seiten Rechtsanwälte eingeschaltet haben, soll nun heute Morgen der Sachverhalt nochmals in einer Pächterversammlung erörtert werden. Dabei will Geiermann erneut die zentralen Forderungen darlegen, u.a.: Legalisierung des Hauptwohnsitzes, Legalisierung der Bebauung mit Blockhäusern und Absicherung der Häuser im Grundbuch. Trotz allem Ärger sei man an einer einvernehmlichen Regelung interessiert, so der Vorsitzende, schließlich habe auch jeder Pächter mehrere zehntausend Euro investiert.

Zu den Vorwürfen befragt, wollte Nikolaus Graf Hatzfeldt als einer der Geschäftsführer der Verwaltung gegenüber der SZ keine inhaltliche Bewertung abgeben. Er verwies auf die heutige Versammlung: »Da wird informiert und die Sache geklärt. Nach unserer Meinung gibt es dann kein Problem mehr.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen