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170 Tonnen schweres Brückenteils abgesenkt
Passt, wackelt und hat Luft

Mit der Kraft der Hydraulik ist das große Brückenbauteil passgenau um 1,70 Meter abgesenkt worden. Die Planer mussten ein (theoretisches) 25-Jahr-Hochwasser berücksichtigen. Es ist glücklicherweise während der bisherigen Bauzeit nicht eingetreten.  Foto: goeb
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  • Mit der Kraft der Hydraulik ist das große Brückenbauteil passgenau um 1,70 Meter abgesenkt worden. Die Planer mussten ein (theoretisches) 25-Jahr-Hochwasser berücksichtigen. Es ist glücklicherweise während der bisherigen Bauzeit nicht eingetreten. Foto: goeb
  • hochgeladen von Dr. Andreas Goebel (Redakteur)

goeb Wissen. Er habe der Brücke beim Spaziergang mit dem Hund zweimal am Tag, morgens und abends, einen Besuch abgestattet, erzählt ein Rentner aus der Brückhöfe. „Manchmal konnte man was sehen, manchmal nicht.“ Der Mann meint damit die Absenkung der Fahrbahnplatte – eine technische Meisterleistung, denn es handelt sich um die kritischste Phase an der Großbaustelle Siegbrücke in Wissen, derzeit das teuerste Infrastrukturprojekt im nördlichen Rheinland-Pfalz. Langsamkeit kann Trumpf sein: Klar, dass man ein 170 Tonnen schweres Bauteil nicht einfach 1,70 Meter tief auf die Widerlager plumpsen lassen kann. Mit schweren hydraulischen Stempeln haben die Ingenieure über etliche Tage hinweg eine technische Glanzleistung vollbracht – und zwar in Super-Super-Zeitlupe.

goeb Wissen. Er habe der Brücke beim Spaziergang mit dem Hund zweimal am Tag, morgens und abends, einen Besuch abgestattet, erzählt ein Rentner aus der Brückhöfe. „Manchmal konnte man was sehen, manchmal nicht.“ Der Mann meint damit die Absenkung der Fahrbahnplatte – eine technische Meisterleistung, denn es handelt sich um die kritischste Phase an der Großbaustelle Siegbrücke in Wissen, derzeit das teuerste Infrastrukturprojekt im nördlichen Rheinland-Pfalz. Langsamkeit kann Trumpf sein: Klar, dass man ein 170 Tonnen schweres Bauteil nicht einfach 1,70 Meter tief auf die Widerlager plumpsen lassen kann. Mit schweren hydraulischen Stempeln haben die Ingenieure über etliche Tage hinweg eine technische Glanzleistung vollbracht – und zwar in Super-Super-Zeitlupe.

Hochzufrieden mit bisherigem Ablauf

Federführend ist der Landesbetrieb Mobilität Diez (LBM). Projektbearbeiter Andreas Scheuer ist jedenfalls hochzufrieden mit dem bisherigen Ablauf. Zum einen erlaubt das ruhige und trockene Herbstwetter kontinuierliches Arbeiten auf, an und in der Brücke, sodass die 3-Millionen-Investition voll im Zeitplan liegt. Bürgermeister Neuhoff kann also wie versprochen anlässlich der geplanten Eröffnung im Frühjahr 2021 den Bauarbeitern mit einer Blaskapelle ein Ständchen bringen lassen. Das haben sie sich redlich verdient. In der „Arge L 278“ arbeiten, wie Andreas Scheuer berichtet, die heimischen Unternehmen Gebrüder Schmidt (Freusburg) und Meyer Bauunternehmung (Altenkirchen) Hand in Hand zusammen.

Eine Woche dauerte die Absenkung der Fahrbahnplatte. „Es sind ja ganz routinierte Unternehmen mit viel Erfahrung“, sagt Scheuer im Telefonat. Trotzdem: „Wenn man sich mal vor Augen führt, welche Abmessungen das Bauteil hat und welches Gewicht. Das sind sehr komplexe Hebe- und Ablasswege, gesteuert über Hydraulik. Wenn da mal eine Presse versagt, ist das Malheur da. Deshalb ist eine gewisse Anspannung in dieser sensiblen Phase natürlich immer da.“ Mit einem System aus hydraulischen Pressen und Plattenstapeln wurde millimeterweise um 1,70 Meter abgesenkt. Warum solch ein Aufwand? Die Planer müssen ein „Worst-Case-Szenarium“ einkalkulieren, in diesem Fall ein 25-jähriges Hochwasserereignis. Das Hochwasser müsste durch den verbliebenen Abflussquerschnitt abgeleitet werden können. Bedingt durch die seit September 2019 ausgebliebenen Niederschläge waren die Arbeiten jedoch zu keiner Zeit gefährdet, teilt der LBM mit.

Brücke soll bis zu 8800 Kfz pro Tag aufnehmen

Ziemlich ambitioniert, diese Ingenieursleistung an einem der wichtigsten Knotenpunkte der Stadt. 14 Monate haben die Diezer für den Abriss der alten Siegbrücke und den Bau der neuen einkalkuliert. Sie muss mehr leisten als die alte. Bisher nutzten 7000 Autos pro Tag den Hauptzubringer zur A 4, darunter viele Brummis. Auch wichtige Ortschaften des Wisserlandes hängen an der Landesstraße 278. Die neue Brücke soll bis zu 8800 Fahrzeuge pro Tag aufnehmen.

Zwischenzeitlich installierten die Stadtwerke Wissen eine Gasleitung, mit der eine Ringversorgung geschlossen werden kann. Bei den vorangegangenen Betonierarbeiten hatte man dafür schon die Schienen auf den Längsträgern und Öffnungen in den Querträgern und Widerlagerwänden passgenau berücksichtigt. Andreas Scheuer ist auch froh darüber, dass die Übergangskonstruktion auf der Seite Brückhöfe montiert und die stark witterungsabhängige Abdichtung vorgenommen werden konnte. „Die witterungssensiblen Arbeiten sind größtenteils erledigt.“

Als nächstes will man auf beiden Seiten die Gehwegkappen betonieren. Erst wenn alle Gehwegflächen fertiggestellt worden sind, kann das Stahlgeländer aufgemessen werden. Das gibt es begreiflicherweise nicht von der Stange, denn die Brückenoberfläche ist in verschiedene Richtungen geneigt. Laut LBM will man auch versuchen, die witterungsabhängigen Straßenbauarbeiten zwischen Kreisel und Brücke sowie auf der Seite stadtauswärts zeitnah zu erledigen.

Mit der Kraft der Hydraulik ist das große Brückenbauteil passgenau um 1,70 Meter abgesenkt worden. Die Planer mussten ein (theoretisches) 25-Jahr-Hochwasser berücksichtigen. Es ist glücklicherweise während der bisherigen Bauzeit nicht eingetreten.  Foto: goeb
Der Blick aus dem begehbaren Widerlager auf der Seite Brückhöfe. Man erkennt den Träger- und Pressenstapel. Zwischen den Trägern ist auch Platz für die neue Gasleitung.  Foto: LBM
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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