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Früherer Bergmann legt Schalter um
Schaubergwerk "Vereinigung" im neuen Licht

Eine Auswahl der Projektbeteiligten stellte am Barbaratag, dem Gedenktag der Bergleute, die sanierte Anlage in Katzwinkel der Öffentlichkeit vor.
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  • Eine Auswahl der Projektbeteiligten stellte am Barbaratag, dem Gedenktag der Bergleute, die sanierte Anlage in Katzwinkel der Öffentlichkeit vor.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

rai Katzwinkel. Der einzige noch lebende Bergmann der Grube Vereinigung, Friedhelm Leicher, hatte am Barbaratag (Freitag, 4. Dezember) die Ehre, die Beleuchtung für den neuen Schaustollen einzuschalten: Imposant ist es, was in einem Jahr Neues in dem ehemaligen Bergmannsdorf Katzwinkel entstanden ist.
1956 war Leicher als Bergbaulehrling (seit 1954) erstmals in die „Vereinigung“ eingefahren; dann wieder von 1961 bis zur Stilllegung des Bergwerks 1963. Leicher, der als Hauer mit zwei Bergleuten unter Tage arbeitete, hatte an dem alten Schaustollen an gleicher Stelle mitgewirkt. Der heute 80-Jährige hatte auch die Bohlen gezimmert.Grubenbahn, Loren und Seilscheibe ergänzen das Motiv, mit dem an die Tradition des Bergbaus erinnert wird.

rai Katzwinkel. Der einzige noch lebende Bergmann der Grube Vereinigung, Friedhelm Leicher, hatte am Barbaratag (Freitag, 4. Dezember) die Ehre, die Beleuchtung für den neuen Schaustollen einzuschalten: Imposant ist es, was in einem Jahr Neues in dem ehemaligen Bergmannsdorf Katzwinkel entstanden ist.
1956 war Leicher als Bergbaulehrling (seit 1954) erstmals in die „Vereinigung“ eingefahren; dann wieder von 1961 bis zur Stilllegung des Bergwerks 1963. Leicher, der als Hauer mit zwei Bergleuten unter Tage arbeitete, hatte an dem alten Schaustollen an gleicher Stelle mitgewirkt. Der heute 80-Jährige hatte auch die Bohlen gezimmert.Grubenbahn, Loren und Seilscheibe ergänzen das Motiv, mit dem an die Tradition des Bergbaus erinnert wird. „Der Bergbau ist Tradition, die verpflichtet, aber Tradition ist auch mit Zukunftsideen verbunden“: Das sagte Ortsbürgermeister Hubert Becher mit Verweis auf die Endlichkeit der Ressourcen bei einem Pressetermin in der Glück-auf-Halle.
Gemeindevorstand, Fraktionsvertreter, Kerstin Roßbach, Sachbearbeiterin beim Bauamt Wissen, und Architekt und Planer Tarek Oliver Petri sowie die Eheleute Ulrike und Friedhelm Leicher waren mit von der Partie.

Eine Kerze für Barbara

In der Pandemie sei eine „volle Hütte“ leider nicht möglich. Vorstellen wollte man das Geschaffene dennoch – und zwar an diesem Tag, an dem Bergleute der Hl. Barbara gedenken. Becher zündete eine Kerze an – neben einer Bergmannsfigur. Der Vergangenheit wolle man verbunden bleiben, „in der Gegenwart haben wir unsere Aufgaben“.
Er skizzierte die wichtigsten Eckdaten der Grube „Vereinigung“, z. B. 1926 eine Jahresförderung von 192.000 Tonnen Eisenerz bei 800 Beschäftigten. 1914 kam der zweite Schacht. Dessen Schlussstein mit Jahreszahl hatte die Familie Jürgen Ortsbürgermeister Becher geschenkt – er ist in den neuen Schaustollen eingearbeitet worden.

Schließung ein gewaltiger Einschnitt

1960 sei die Grubenbahn nach Wissen stillgelegt worden. „Man hat sich leicht davon getrennt“, sagte Becher, der u. a. die Schließung der Grubenbahn nach Wissen anführte und den Bogen zum Tourismus spannte: „Heute träumt man davon, mit der Bahn durchs Mühltal zu fahren.“
Die Schließung der Grube mit zuletzt 182 Beschäftigten sei ein gewaltiger Einschnitt gewesen. Die Bergleute gingen u. a. zu Hoesch nach Wissen und zu Landruf in Freudenberg. Alles sei abgebaut worden, die meisten Exponate stammen jedoch nicht von der „Vereinigung“. Die neu aufgestellte Werkbank komme allerdings aus der Unter-Tage-Schmiede.

Bergbauliche Geschichte

Bergkapelle, Knappenstraße und Barbara-Kirche: Viele Namen gehen auf den Bergbau zurück. Auch der Bergbauverein (1998 bis 2013): Der 2001 fertiggestellte Schaustollen war 2018 einsturzgefährdet. Wie berichtet, wurde im März 2019 die Kommune als Schwerpunktgemeinde bei der Landesförderung anerkannt – und als erstes Projekt wurde der Schaustollen angepackt. Er soll an die bergbauliche Geschichte erinnern und eine Begegnungsstätte für Jung und Alt sein – ein „Netzwerk der Generationen“.
Eng war der Zeitplan, erinnerte Becher. Die Sanierung des Fördergerüstes wurde herausgenommen, sodass 118.000 Euro übrigblieben. 77.100 Euro wurden bewilligt, den Rest stemmt die Gemeinde mit Eigenmitteln und -leistungen. Letztere wurden vom Gemeinderat und von Vereinen ehrenamtlich erbracht.

Viel Eigenleistung

Die Eigenleistungen seien mit ein Verdienst, dass man es in dem sehr kurzen und ehrgeizigen Zeitfenster geschafft habe, berichtete Petri. Trotz Lockdown. Der Kostenrahmen wurde minimal überschritten, weil die Grubenbahn auf soliden Betonfundamenten stand. Am Stollenmund ist eine Ebene mit der Bahn entstanden, darüber eine zweite für Begegnungen. Es besteht z. B. die Möglichkeit, dass Schulklassen hier etwas über Bergbau erfahren.
Die Anlage ist in Naturstein gestaltet. Ein Streckenbild aus der Grube Bindweide gibt dem Schaustollen räumliche Tiefe. Die Seilscheibe steht vor der neuen Anlage. Die Beleuchtung setzt dezente Akzente in der Dämmerung. Der Dank galt auch denjenigen, die mit Sachspenden das Projekt unterstützt haben sowie den fleißigen Freiwilligen, die rund 245 Arbeitsstunden ehrenamtlich leisteten. Becher freute sich, dass der Schaustollen vom Landesamt für Geologie wahrgenommen worden ist: Es soll ein Geopunkt werden. „Wir vernetzen uns damit“, sagte Becher.

Über 130 Jahre Erz gefördert

„Der Schaustollen ist ein kleines Mosaik einer Anlage, die über 130 Jahre Erz gefördert hat“, sagte Becher. Zuversichtlich zeigte er sich, dass man das zweite Schwerpunktgemeinde-Projekt in Elkhausen auch hinbekomme.Bevor man an den Schaustollen ging, erzählte Leicher von der Arbeit unter Tage und der Kameradschaft: „Da war einer wie der andere.“ Auch die Halbschichtbank und den Bergmannstrunk Wacholder erwähnte er – und der wurde auch am Schaustollen gepflanzt. Für das Fördergerüst soll nun ein eigener Antrag gestellt werden.

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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