11 233 ehrenamtliche Stunden
Schwerstarbeit im Impfzentrum

Beatrix Wronker aus Brachbach lässt sich impfen. Rotkreuzler Eberhard Schreiner (Ortsverein Altenkirchen) gibt den Piks.
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rai Wissen. 11 233 ehrenamtliche Stunden: Es ist eine Riesenleistung, die 133 heimischen Rotkreuzler bis Ende Mai im Landesimpfzentrum Wissen geleistet haben – ehrenamtlich. Ortstermin: Vom Eingang mit Anmeldung geht es hoch bis an den Kuppelsaal, wo die Impfstraße weiter im Einbahnsystem geführt wird. Inzwischen sind es täglich 500 bis 600 Menschen, die mit ihrer Dosis im Arm den Saal wieder verlassen. Ruhig und routiniert läuft alles ab. Daran haben die Helfer aus den neun DRK-Bereitschaften zwischen Herdorf und Horhausen sowie der Rettungshundestaffel Hamm ihren Anteil; seit dem das Zentrum aus dem Boden gestampft wurde.

Gerade in der Anfangsphase zahlte sich die Struktur des DRK als Hilfsorganisation im Katastrophenschutz aus.
Stefan Theis
stellv. Kreisbereitschaftsleiter

Schon früh wirkte das DRK mit. „Gerade in der Anfangsphase zahlte sich die Struktur des DRK als Hilfsorganisation im Katastrophenschutz aus“, so Stefan Theis, stellv. Kreisbereitschaftsleiter. Diese sei z.B. auf den kurzfristigen Aufbau einer Infrastruktur sowie den kurzfristigen Einsatz von Helfern ausgelegt. Als das Impfzentrum Mitte Dezember in Betrieb genommen wurde, habe es teils Lieferengpässe bei Material für den Infektionsschutz gegeben: Das konnte aus Beständen der Katastrophenschutzeinheiten schnell herbeigeschafft werden. Beim Gespräch sind Kreisbereitschaftsleiter Udo Schmidt, dessen weiter Stellvertreter Steffen Nilius sowie der stellv. Katastrophenschutzbeauftragte Christoph Ebener dabei.

"Helfermix" im Ehrenamt

Gemeinsam mit Kreisverwaltung und weiteren Behörden habe man überlegt, wie alles zu organisieren ist. Auch wenn Abläufe gleich sind, so musste alles an die räumliche Situation angepasst werden. Außer dem ärztlichen und pharmazeutischen Personal besetzte das DRK zunächst alle Positionen. In den Impfkabinen sind nur diejenigen tätig, die von der Berufsausbildung einen medizinischen Hintergrund haben. Der Helfermix im Ehrenamt machte sich positiv bemerkbar.
Am 6. Januar die ersten Piks: Bei der Einweisung impfte der Mediziner Landrat Dr. Peter Enders gleich DRK-Helfer. Im Gespräch wurde die gute Kommunikation mit der Kreisverwaltung betont, z. B. wenn etwas als verbesserungswürdig erachtet wurde. So die Einrichtung eines Sanitätsraumes mit Notfallausstattung. Manchmal seien es nur Kleinigkeiten, die etwas optimieren, aber zügig umgesetzt werden.Nilius berichtete von einer 104 Jahre alten Dame, die zum Impfen kam – gemeinsam mit ihrer über 81-jährigen Tochter und deren 83-jährigem Ehemann. Die Hochbetagte ist schon nachgeimpft. Das seien schöne Erlebnisse. Beschwert habe sich noch keiner. Alle seien dankbar und verständnisvoll. Manche bringen Süßigkeiten mit: „Hier kommt nichts um.“

Ehrenamt braucht Überzeugung

Besonders herausfordernd war der Mai. Die schleichend erhöhten Impftage forderten nun sieben Tage in der Wochen, teils mit zwei Schichten. „Allein im Mai haben wir knapp 3000 Stunden geleistet.“ Nach einem Achtstundentag sich hier noch zu engagieren, „da muss man davon überzeugt sein“, so der Tenor: „Das ist der Vorteil von Ehrenamt, weil man nur Leute hat, die darauf Lust haben.“
Bei einem Drittel der Stunden erhielten Arbeitgeber einen Verdienstausfälle. Der einzelne Rotkreuzler bekomme jedoch nichts für den ehrenamtlichen Dienst. Schön sei es, wenn die Ortsvereine etwas bekommen. Diesen seien mit der Pandemie z.B. Sanitätsdienste bei Veranstaltungen weggebrochen. Die Kosten für Fahrzeuge und Medizintechnik habe man ja nach wie vor, sagte Ebener.
Im Januar gab es zunächst 250 Impfungen pro Tag, so Schmidt. Es waren viele ältere Menschen. Verglichen mit den heutigen Durchlaufzeiten dauerte es damals etwas länger, z. B. weil die Leute dick angezogen waren oder ein Hörgerät nicht so optimal funktionierte – aber: „Der Impfling bestimmt das Tempo“, so Nilius.

"Nur zusammen funktioniert es"

Herausgestellt wurde das kollegiales Verhältnis zu allen im Zentrum: „Nur zusammen funktioniert es, so muss es laufen.“ In vielen Punkten könne man Parallelen zum Einsatz 2015 auf dem Stegskopf bei der Flüchtlingswelle ziehen, sagte Theis: „Der Einsatz war vom Personalbedarf ähnlich, jedoch überschreitet die Zahl der Helferstunden in Wissen schon jetzt das Ausmaß von 2015 deutlich.“ Auf dem Stegskopf waren es circa 7500 Stunden. Der ehrenamtliche Dienst im Impfzentrum muss auch koordiniert werden: „Wir schicken Personalanfragen an die Ortsvereine, aus den Rückmeldungen wird eingeteilt“, so Ebener. Gut eine Woche plant Theis voraus. Fast 12 000 später konstatiert er: Man habe immer alle Dienste besetzt bekommen, aber es werde immer schwerer. Die viele Stunden, besseres Wetter, Lockerungen und Urlaub führte er an. In den nächsten Wochen werde man das Personal runterfahren. Bei der Kreisverwaltung habe man Verständnis, dass es nichts für langfristig sei.

Beatrix Wronker aus Brachbach lässt sich impfen. Rotkreuzler Eberhard Schreiner (Ortsverein Altenkirchen) gibt den Piks.
Im Kuppelsaal tagen gewöhnlich die Wissener Räte, nun wird dort gegen Corona geimpft (v.l.): Udo Schmidt, Steffen Nilius, Christoph Ebener und Stefan Theis.
Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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