Träume sind Schäume: Basilika-Pläne geplatzt

Kardinal hält »Familie« für das wichtigste Thema

goeb Wissen. Das Logistikunternehmen Brucherseifer bot sich für Bürgermeister Michael Wagener als Ort des Austausches mit Kardinal Joachim Meisner geradezu an, weil in den alten Hoesch-Hallen die Keimzelle für den Wissener Wohlstand liegt. Wagener erklärte, dass die Bevölkerung von Stadt und Verbandsgemeinde Wissen stark katholisch geprägt sei und dass Kreuzerhöhung in Wissen sozusagen das Zentrum der Stadt darstelle. In dem Gespräch, an dem auch Bürger und Geistliche teilnahmen, ging es außerdem um den in Köln vorliegenden Antrag des Dekanats, die örtliche Kirche zur Basilika hochstufen zu lassen. Meisner sagte dazu, dass der Kriterienkatalog aus Rom für eine »Basilika minor« strenger geworden sei. Zurzeit lägen auch Anträge aus Neuss und Wuppertal vor. Die Anforderungen seien also gestiegen. Eine Voraussetzung sei inzwischen, dass am Ort ein Priesterkolleg ansässig sein müsse.

Auf die Frage, wie er zur Umwidmung von nicht mehr benötigten Kirchen stehe, erklärte der Kardinal, dass dies ein hochsensibles Thema sei. In Kirchen seien Menschen getraut worden oder hätten die Erstkommunion empfangen, sagte Meisner. Eine Kirche dürfe bei einer Veräußerung nie einem unehrbaren Zweck zugeführt werden, forderte der Geistliche. Ein Abriss – wie in Holland des öfteren praktiziert – stelle für ihn die ultima ratio dar. Kirchen seien mehr als Gebäude. Sie gäben einer Ansammlung von Häusern erst Charakter, einem Gemeinwesen das Gesicht. »Gleichwohl müssen wir feststellen, dass es in den Innenstädten bald keine Menschen mehr gibt.« Dort seien zwar Büros, aber man wohne dort nicht mehr.

Christliche Gemeinschaften aus dem Osten, z.B. Armenier, hätten eine Reihe von Gotteshäusern übernommen. »Klar ist für uns aber, dass keine Kirche Moschee wird.« In den Braunkohlegebieten sei man bei Umsiedlungen mit Fingerspitzengefühl vorgegangen. Müsse man eine Kirche aber doch aufgeben, werde ein regelrechter Ritus der Profanierung durchgeführt. Meisner nannte das einen schmerzlichen Prozess. Er sagte voraus, dass es in Zukunft weniger Kirchen geben werde, »weil die Familien kleiner werden«.

»Es gibt kein wichtigeres Thema als die Familie«, leitete er über. Habe eine Familie vor 40 Jahren noch drei bis vier Kinder gehabt, sei dies auf statistisch 1,4 gefallen. Meisner: »Eine Familie muss in die Lage versetzt werden, auch heute drei oder vier Kinder erziehen zu können.« Der Kardinal sprach in diesem Zusammenhang die wertvolle Beratungstätigkeit von Fachstellen an, z.B. die Ehe- und Familienberatung oder die Schuldnerberatung. Die Beratungsstellen hätten heute Aufgaben, die zum Teil früher von Großfamilien getragen worden seien.

Als töricht bezeichnete der Kardinal die Einstellung von Eltern, die die Mentalität entwickelten, dass der Staat für die Erziehung der Kinder aufkomme. »Wir kämpfen für unsere Horte«, versprach Meisner: »Aber die sind natürlich sehr teuer. Ich weiß nicht, was wir retten können.« Zum Thema Ganztagsschule sagte Meisner, dass er ehrenamtlich Engagierte nur ermutigen könne, sich dort einzubringen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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