Urlaubsfonds für sozial Schwache

Erholung, Natur und Gruppenerlebnis fördern / »Arche Noah« sucht Unterstützer

fram Elkhausen. Pfarrer Albert Schmidt hatte 1947 die Idee, 425 Kinder aus dem zerbombten Ruhr-Gebiet in das Siegerland zu bringen. Damals noch in Scheunen, Schulen und sogar im Schloss Schönstein bei Wissen untergebracht, sollte Kindern und notleidenden Familien 1953 eine feste Urlaubsbleibe gebaut werden. Die »Arche Noah« Marienberge, drei Kilometer von Hecke, dem Geburtsort des Pfarrers, entfernt, bietet heute noch einen naturnahen, erlebnisreichen Urlaub für all jene, die eigentlich wegen Geldmangel nie wegfahren. Familien, die durch Todesfälle und andere Schicksalsschläge in eine Notlage gekommen sind.

Wer kommen darf, entscheidet sich von Fall zu Fall und in Anlehnung an die Richtlinien der Landesmittel. Die Ferienstätte wird inzwischen von Hans-Georg Rieth geleitet; ihm zur Seite stehen im Vorstand des Trägervereins der Vorsitzende Horst Schneider-Czenkusch, Tobias Simon und Sarah Simon. Von Vorteil ist, dass das Haus in Rheinland-Pfalz steht und hier familienfreundliche Förderung erhält.

So werden die aktuellen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen am Südflügel zur Erfüllung von Brandschutzbedingungen und Erweiterung der Sanitäranlagen von verschiedenen Institutionen bezuschusst. Das Familienministerium von Rheinland-Pfalz und der Bund, der Landschaftsverband Rheinland samt seiner Abteilung Jugendpflege, das Deutsche Hilfswerk »Goldene Eins« und die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW setzen sich für den Erhalt des Hauses ein.

Gäste braucht es jedoch allemal, um die Betriebskosten zu decken. Und die kommen weniger aus Rheinland-Pfalz, das mit 17 Euro pro Person und Urlaubstag bezuschusst, sondern aus NRW, das wie Berlin und das Saarland seine Individualzuschüsse gestrichen hat. Ohne diese Finanzspritze wird der Urlaub für viele Familien allerdings wieder zu teuer. Also setzte sich der Vorstand zusammen, um unbürokratisch einen Familienhilfefonds ins Leben zu rufen, der Erholung, Natur- und Gruppenerlebnis wieder erschwinglich machen soll.

100 Rundbriefe gingen raus, sowohl an zuliefernde Firmen also auch an Stiftungen und politische Institutionen. Bisher konnte bereits ein Betrag von über 1000 Euro zusammengetragen werden. Einer Familie wäre damit schon einmal geholfen – einer von rund 25, die im Durchschnitt pro Sommerfreizeit hier vom Alltag abschalten. Mehr als ein Drittel der Familien sind auf Zuschüsse angewiesen. In Zeiten wirtschaftlicher Knappheit wollen die Initiatoren selbstverständlich darauf achten, dass die Spender nicht ungenannt bleiben. Doch auch nach einer Schirmherrschaft ist man auf der Suche. Die Landesfamilienministerin Malu Dreyer ist bereits abgesprungen. Zum einen, weil Marienberge ein lokales Vorhaben ist, zum anderen, weil das Land bereits fördert. Ein Rundruf in den Medien soll die Problemlage bekannt machen. So wird der WDR voraussichtlich im nächsten Sommer einen Film über das Haus drehen.

Ab 1. Mai sind die Türen wieder geöffnet. Filme von den letzten Freizeiten belegen eindrucksvoll, wie viel Spaß die Besucher gehabt haben. Zunächst trifft sich im Frühjahr das jährlich wechselnde Team der Betreuer, bestehend aus Erziehern, Sozialpädagogen und anderen Hilfskräften. Spiele und Ferienaktionen werden geplant und ausprobiert. Im Sommer geht es dann los: Bogenbau, Erlebnistage im Wald, Wanderungen, Geschicklichkeitsspiele. Im Vordergrund steht dabei die Integration in die Gruppe. Und die, das kann Tobias Simon als Betreuer bestätigen, erfahren selbst solche, die vorher eher randständig und zurückgezogen gelebt haben.

Die Natur, das ist die Devise des Hauses, bietet einmalige Erlebnisse, die keinen Pfennig kosten, zum Beispiel eine Sonnenaufgangswanderung mit Frühstück im taunassen Gras inklusive einmaligen Naturschauspiel. »Diese Erlebnisse sind nicht einfach konsumierbar«, findet Rieth. Kontakt zur »Arche Noah« Marienberge gibt es unter Telefon (02742) 6029, das Sonderkonto »Familienhilfefonds« hat die Nummer 485 268 29, BLZ 573 918 00, Westerwaldbank eG.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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