SZ

Verein "Ebertseifen" legt Nachtschicht ein
Volkszählung unter Spannern und Schwärmern

Rolf Twardella aus Dreis-Tiefenbach hat auf dem Hof Ebertseifen ein Lichtzelt aufgebaut, um die Nachtfalter anzulocken und zu bestimmen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
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  • Rolf Twardella aus Dreis-Tiefenbach hat auf dem Hof Ebertseifen ein Lichtzelt aufgebaut, um die Nachtfalter anzulocken und zu bestimmen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
  • Foto: igreen
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Katzwinkel. Wenn nachts schon alle Katzen grau sind, gilt das für Insekten allemal – und das macht eine Volkszählung im Reich der Nachtfalter zu einer komplizierten Angelegenheit. Denn wenn ein unscheinbar brauner, kaum zwei Zentimeter großer Schmetterling im fahlen Mondlicht über eine Wiese flattert, dann stößt auch ein noch so guter Entomologe an seine Grenzen. Also muss getrickst werden, und genau das ist jetzt auf dem Hof Ebertseifen geschehen.
Über 1000 Falter registriertDort, in der Keimzelle der gleichnamigen Naturschutz-Initiative, hat eine Bestandsaufnahme der Nachtfalter ein eindrucksvolles Ergebnis geliefert. Nach vier Stunden hatten die Ehrenamtler über 1000 Individuen registriert – und darunter sogar eine Art, die in der Region als ausgestorben gilt.

damo Katzwinkel. Wenn nachts schon alle Katzen grau sind, gilt das für Insekten allemal – und das macht eine Volkszählung im Reich der Nachtfalter zu einer komplizierten Angelegenheit. Denn wenn ein unscheinbar brauner, kaum zwei Zentimeter großer Schmetterling im fahlen Mondlicht über eine Wiese flattert, dann stößt auch ein noch so guter Entomologe an seine Grenzen. Also muss getrickst werden, und genau das ist jetzt auf dem Hof Ebertseifen geschehen.

Über 1000 Falter registriert

Dort, in der Keimzelle der gleichnamigen Naturschutz-Initiative, hat eine Bestandsaufnahme der Nachtfalter ein eindrucksvolles Ergebnis geliefert. Nach vier Stunden hatten die Ehrenamtler über 1000 Individuen registriert – und darunter sogar eine Art, die in der Region als ausgestorben gilt.
„Lichtfang“ nennen Insektenforscher die Methode, mit der die schier unsichtbaren Nachtfalter gezählt werden können. „Dazu braucht man einen Metallzylinder, der mit Gaze behängt wird. Im Inneren werden verschiedene Lampen platziert, und rundum legt man weiße Betttücher auf den Boden“, erklärt Viktor Fieber, der sich schon seit Jahrzehnten mit Schmetterlingen befasst. Dass die Nachtfalter wie magisch von der Lichtquelle angezogen werden, dürfte jedem bekannt sein, der schonmal nachts an einer Straßenlaterne vorbeigegangen ist.

Massenweise Nachtfalter

Beim Lichtfang landen die Tiere auf dem durchscheinenden Stoff – und können dort bestimmt und gezählt werden. Dieses Prinzip ist auch in Ebertseifen angewendet worden. Rolf Twardella aus Dreis-Tiefenbach, einer von Viktor Fiebers langjährigen Freunden und erklärter Nachtfalter-Spezialist, hat das Lichtzelt in einer lauen Sommernacht am Rande einer Wiese aufgebaut. Und dann ging’s Schlag auf Schlag.
Der erste Besucher hätte um diese Zeit eigentlich schlafen sollen: „Zuerst kam ein Grünwidderchen – und das ist ein Tagfalter“, erzählt Peter Merzhäuser, Vorsitzender des Vereins „Ebertseifen“, schmunzelnd. Aber danach kamen die, die kommen sollten: Nachtfalter, und zwar massenweise.
„Über den ersten Kleinen Weinschwärmer haben wir uns noch gefreut“, berichtet Viktor Fieber: „Diese Art habe ich in meinem ganzen Leben vielleicht fünfmal zuvor gesehen.“ Nach der Nacht auf dem Hof Ebertseifen darf Fieber seine persönliche Statistik korrigieren: „Nach anderthalb Stunden saßen 50 Kleine Weinschwärmer da.“

Motten nicht mitgezählt

Und nicht nur die: Etliche Rote-Liste-Arten gaben sich ein Stelldichein – darunter auch zwei Heidelbeer-Kleinspanner. „Diese Art gilt regional als ausgestorben“, berichtet Fieber im Gespräch mit der SZ. „Der kann wahrscheinlich nicht lesen und wusste daher nicht, dass er ausgestorben ist“, kommentiert Merzhäuser die seltene Begegnung mit einem Augenzwinkern.
Ohnehin herrscht beim Gespräch mit der SZ eine gute Stimmung – denn das Ergebnis des Lichtfangs hat das Ebertseifen-Team rundum begeistert. „Ich war schon einige Male beim Lichtfang dabei – aber so etwas wie hier habe ich noch nie erlebt“, bilanziert Fieber. Über 1000 Nachtfalter wurden erfasst, 99 Arten notiert: „Und wir haben noch nicht einmal Motten mitgezählt, sondern nur die Großschmetterlinge, also Eulen, Spanner, Spinner und Schwärmer.“
Fieber erklärt sich das tolle Ergebnis mit mehreren Faktoren: „Es war warm und windstill – das sind optimale Bedingungen. Aber entscheidend ist das Biotop.“

Unterschiedliche Lebensräume

Dazu muss man wissen: Rund um den Hof Ebertseifen ist in den vergangenen Jahren ein Mosaik aus unterschiedlichsten Lebensräumen entstanden, und die Wiesen sind durchdrungen von Wildstauden. „Das hat vielleicht zehn Jahre gedauert, aus Silagewiesen mit ganz wenigen Arten abwechslungsreiche Wiesen zu machen“, sagt Merzhäuser: Gedüngt wird nicht, gemäht erst spät – und immer bleiben einzelne Bereiche der Wiesen bis zum nächsten Frühjahr stehen. „Solche Wiesen kannst du mit der Lupe suchen“, sagt Fieber.
Das zu ändern, wäre gar nicht so schwer, meint Merzhäuser: Landwirte müssten entsprechend entschädigt und Privatleute sensibilisiert werden. Denn auch die Summe von vielen kleinen Staudenwiesen würde Insekten schon helfen. „Da reichen 20 Quadratmeter im eigenen Garten.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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