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Frau brennen die Sicherungen durch
Vom Hauberg ins Amtsgericht Betzdorf

Erst hat es gewirkt wie eine Szene aus einem Imagefilm fürs AK-Land – und dann ist die Geschichte vor Gericht zu Ende gegangen.
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  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Wissen/Betzdorf. Es könnte eine Szene aus einem Imagefilm fürs AK-Land sein: In der strahlenden Frühlingssonne machen drei junge Männer Holz. Zwei Traktoren, ein blauer Eicher und ein grüner Deutz, stehen am Waldrand an einer schmalen Straße. Der alte Dieselmotor tuckert vor sich hin, um den Spalter am Laufen zu halten. Das Holz hat ihnen, wie sie erzählen, „der Fürst überlassen“, es muss nur noch in handliche Stücke aufgearbeitet werden.
Hätte ein Kamerateam diese Augenblicke eingefangen, hätte sicher in der nächsten Szene eine angenehme Stimme aus dem Off empfohlen, beim nächsten Wanderurlaub den Westerwaldsteig unter die Füße zu nehmen. Aber die kleine Episode ist keine Fiktion, sondern Realität. Und die spielt bekanntlich nicht immer auf der Blumenwiese oder im Ponyhof.

damo Wissen/Betzdorf. Es könnte eine Szene aus einem Imagefilm fürs AK-Land sein: In der strahlenden Frühlingssonne machen drei junge Männer Holz. Zwei Traktoren, ein blauer Eicher und ein grüner Deutz, stehen am Waldrand an einer schmalen Straße. Der alte Dieselmotor tuckert vor sich hin, um den Spalter am Laufen zu halten. Das Holz hat ihnen, wie sie erzählen, „der Fürst überlassen“, es muss nur noch in handliche Stücke aufgearbeitet werden.
Hätte ein Kamerateam diese Augenblicke eingefangen, hätte sicher in der nächsten Szene eine angenehme Stimme aus dem Off empfohlen, beim nächsten Wanderurlaub den Westerwaldsteig unter die Füße zu nehmen. Aber die kleine Episode ist keine Fiktion, sondern Realität. Und die spielt bekanntlich nicht immer auf der Blumenwiese oder im Ponyhof. Auch diesmal nicht: Die Idylle endet abrupt, und die nächsten Schauplätze sind ein Krankenhaus und zwei Gerichtssäle.

Angeklagte rauscht mit ihrem Auto an den Traktoren vorbei

Was genau sich an diesem Samstagnachmittag im April 2020 an der K66 abspielt, bleibt – zumindest ein Stück weit – im Ungewissen. Aber vieles spricht nach der Beweisaufnahme im Betzdorfer Amtsgericht dafür, dass der 45-jährigen Svenja E. (Name geändert) ein paar Sicherungen durchgebrannt sind.
Denn was die jungen Männer im Zeugenstand berichten, klingt überzeugend. Sie geben weitgehend denselben Hergang zu Protokoll: Svenja E. sei mit ihrem Audi in ziemlich hohem Tempo an den beiden Traktoren vorbeigerauscht. Weil die Straße dort so eng sei, habe sie den jüngsten der drei Männer mit dem Außenspiegel am Arm erwischt. „Ich war völlig überrascht und habe gerufen: ,Hey, was soll denn das?’“, berichtet der 21-Jährige dem Strafrichter.

Angeklagte soll den jungen Mann übel beleidigt haben

Daraufhin habe Svenja E. scharf gebremst: „Sie kam wutentbrannt auf mich zugerannt.“ Dann habe sie ihn angebrüllt und aufs Derbste beleidigt. Die Kraftausdrücke, die der 21-Jährige nach eigener Aussage zu hören bekam, sind schlichtweg nicht zitierfähig. Den beiden 33-jährigen Zwillingen, die gemeinsam mit dem 21-Jährigen das Holz aufgearbeitet haben, kamen sie im Zeugenstand nur widerwillig über die Lippen: „Das ist nicht das Vokabular, das meine Eltern mir und meinem Bruder beigebracht haben“, sagt Matthias B., einer beiden Brüder. Bevor Svenja T. den Schauplatz verlassen habe, soll sie noch eine wüste Drohung ausgestoßen habe: „Ich finde raus, wo du wohnst. Und dann wird es nicht lustig für dich.“

"Da war kein Dialog möglich"

Damit war die Episode vorbei. Zurückgeblieben sind die drei jungen Männer, und zwar nach eigener Aussage völlig perplex. „Ein paar Minuten später sind wir gegangen und haben unseren Eltern davon erzählt“, berichtet der 21-Jährige. Er wusste übrigens schon, wo seine Unfallgegnerin wohnt: „Danach habe ich zusammen mit meiner Mama das Gespräch mit ihr gesucht. Aber da war gar kein Dialog möglich. Sie hat behauptet, ich hätte ihren Außenspiegel kaputtgemacht. Und sie hat angedroht, dass sie zur Polizei geht.“
Dorthin – und ins Krankenhaus, um die Schmerzen am Arm abklären und dokumentieren zu lassen – ist stattdessen der 21-Jährige gegangen. Und so ist der Vorfall vor Gericht gelandet.
Svenja T. hingegen hat an diesem Abend nicht mehr die Polizei kontaktiert – auch wenn sie das nach eigener Darstellung heute bereut. Denn ihre Version klingt ganz anders als die der drei Männer. Sie sei langsam an der Engstelle vorbeigefahren, und dann habe einer der drei Männer gegen ihr Auto geschlagen. Sie sei ausgestiegen und habe klären wollen, was den 21-Jährigen geritten habe. Und ja, dabei habe sie ihn beschimpft. Aber von Unfallflucht oder Bedrohung könne nun wirklich nicht die Rede sein.

Nötigung, Beleidigung und Unfallflucht

Genau davon aber spricht die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift: Svenja T. muss sich wegen Nötigung, Beleidigung und Unfallflucht vor Gericht verantworten.
Allerdings: So richtig überzeugt von der Anklageschrift ist auch der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft nicht. Zwar sieht er keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit der drei Belastungszeugen zu zweifeln. Allerdings steht für ihn nach der Beweisaufnahme nur die Beleidigung außer Frage. Nötigung? „Kann ich nicht erkennen.“ Und ist es wirklich eine Unfallflucht, dass Svenja T. nach dem kurzen Dialog am Schauplatz des Geschehens weitergefahren ist? Schließlich sei der 21-Jährige gar nicht offensichtlich verletzt gewesen: Er selbst habe gesagt, dass ihm der Arm erst ein paar Minuten nach dem Zusammenstoß wehgetan habe. „Ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort setzt immer voraus, dass ein Sach- oder Personenschaden entstanden ist. Und davon musste die Angeklagte ja gar nicht ausgehen.“

500 Euro muss die Angeklagte an die Verkehrswacht zahlen

Das Fazit des Staatsanwalts: „Am Ende bleiben eine Beleidigung und eine fahrlässige Körperverletzung.“ Und so was regelt die Staatsanwaltschaft im Normalfall außerhalb des Gerichtsaals, indem sie eine Geldbuße festsetzt. So auch in diesem Fall: Mit Zustimmung des Richters und der Verteidigung zahlt Svenja T. jetzt 500 Euro an die Verkehrswacht, wenn das erledigt ist, wird das Verfahren eingestellt.
Ob die 45-Jährige darüberhinaus auch noch 1000 Euro Schmerzensgeld an den Angeklagten überweisen muss, steht noch in den Sternen: Zwar hat das Altenkirchener Zivilgericht die 45-Jährige dazu verdonnert, aber da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen: „Wir werden Berufung einlegen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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