Vom Mittelzentrum zum Mittelpunkt

Verbesserung des Handelsstandortes angestrebt/ Beratungsunternehmen analysierten

fram Wissen. Über soviel Sorge der Bürger um ihre »liebenswerte Stadt«, wie Bürgermeister Michael Wagener den Mittelpunkt des Abends nannte, konnte er sich nur freuen. Ein ums andere Mal war das katholische Gemeindezentrum bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Kölner Wirtschaftsberatungsgesellschaften BBE und Komet hatten in einer seit November laufenden Analyse Zahlen, Meinungen und Lageinformationen zu den Handels- und Dienstleistungsknoten in der Stadt gesammelt. Träger der Offensive auf leerstehende Ladengebäude und verwahrloste Geschäftsstraßen ist der Stadtrat, der jedoch, so betonte Wagener, nur in enger Zusammenarbeit mit den ansässigen Dienstleistern und Geschäftsleuten die Situation verbessern könne. Wissen soll wieder vom heißdiskutierten zum attraktiven Mittelpunkt für den regionalen Handel werden.

Dienstleister und Geschäfte

Gregor Peter von der BBE-Beratungs-Gesellschaft (Betriebswirtschaftliche Beratung des Einzelhandels) und Siegfried Honert von der Komet, eine Tochtergesellschaft für Stadtmarketing und -entwicklung, wollten Ist-Zustand, Tendenzen und mögliche Verbesserungsansätze auf den Punkt bringen. Auffällig war, dass von den 120 an Dienstleister und Geschäfte geschickten Fragebögen lediglich 56 zurückgekommen waren. Desinteresse, Resignation? Müßig, darüber nachzudenken, da, wie Honert erklärte, die Ergebnisse Gültigkeit hätten und sich auch einige Nachzügler während der Auswertung in den allgemeinen Trend fügten.

Konjunkturelle Lage

Peter erläuterte zunächst den großflächigen Zusammenhang. Mit einer minimalen Umsatzsteigerung von 5 Prozent im letzten Jahr stagniert der Einzelhandel. Als Gründe wurden sinkende Netto-Einkommen, die Verlagerung privater Ausgaben etwa auf die Altersvorsorge, die konjunkturelle Lage und die Konkurrenz des Internet-Handels angeführt. Zudem expandierten die Verkaufsflächen im Durchschnitt um über 20 Prozent - umgerechnet heißt das, dass pro Einwohner 1,3 Quadratmeter Verkaufsfläche bestehen. Dieser großflächige Handel macht den kleineren Geschäften Druck. Vor 20 Jahren, so Honert, sei ein Schuhhaus noch mit 150 bis 200 Quadratmeter Fläche ausgekommen - heute fange dagegen niemand mehr unter 400 Quadratmetern an. Rationalisierung und Konkurrenz drücken das Geschäft.

In Konkurrenz

Im Fall Wissen kommt die besondere Lage hinzu. Als Mittelzentrum, erklärte Peter, das schwerpunktmäßig Waren des täglichen Bedarfs und mittelfristiger Verwendung wie Bekleidung und Schuhe anbiete, stehe es mit anderen Städten wie den Mittelzentren Betzdorf und auch dem Oberzentrum Siegen in Konkurrenz. Zudem seien Köln und Bonn nicht weit.

Gesamte Kaufkraft gleich 100

Als Folge ist Wissen lediglich Zentrum für die eigene Verbandsgemeinde und umgebende Ortschaften. Zu sehen ist das an der Bindungsquote: Bei einem Wert von 100 wäre die gesamte Kaufkraft der Region in der Stadt gebunden, bei einer Zahl darüber gibt es sogar Käuferschichten von außerhalb. Wissen weist jedoch eine Quote von 76 Prozent auf. 90 oder gar 100 Prozent, so die Meinung der Experten, seien nicht zu erreichen, eine Steigerung wäre jedoch wünschenswert. Vorbei sind eben die Zeiten, als noch 2000 Beschäftigte aus der Montan-Union nach einem harten Arbeitstag einen Teil ihrer Gehälter im Stadtzentrum ließen. Vom Wegfall der Union werde man sich nie ganz erholen, so Bürgermeister Wagener.

Meist kleine Grundstücke

Das Handelszentrum heißt Rathausstraße. Und hierauf solle man nach Ansicht der Experten die Bemühungen konzentrieren. In der Tat plant der Stadtrat ja, den Bereich fußgängerfreundlicher zu gestalten. Weniger frequentierte Abschnitte wie Mittel- und Marktstraße mit meist kleinen Grundstücken und engen Ortsverhältnissen schneiden in der Analyse mit eher bescheidenen Zukunftschancen ab. Honert und Peter schlagen hier sogar vor, die zahlreichen leerstehenden Geschäfte zu Wohnraum umzugestalten.

Hiobs-Botschaft

Honert stellte die Ergebnisse der Händler- und Dienstleisterbefragung vor. Zwei Drittel, ergab sich daraus, haben ihr Geschäftsgebäude gepachtet. Die Mehrzahl der Pachtverträge läuft danach nur bis 2006. Dann, so Honerts Hiobs-Botschaft, werde sich die Handels-Landschaft in Wissen grundsätzlich ändern. Da die meisten Betriebe schon seit 1960 vor Ort seien, vermutet er ein Altersproblem. Zudem sei die Frage der Nachfolge in den meisten Fällen noch nicht geklärt. Unklar sei daher, ob wirklich noch investiert werde. Zudem erkenne man aus den Ergebnissen eine eher abwartende Haltung. Man schaue erst, was der Nachbar macht, bevor man selbst Geld in die Schaufensterdekoration stecke.

Ein tristes Bild am Abend

Heinz-Walter Alfes, Friseur und Besitzer zweier Friseursalons, widersprach. Gerade, um ein Geschäft weitergeben zu können, müsse es modernisiert werden. Petra Nickel, selbstständige Friseurin und Kosmetikerin, bestätigte das momentan eher triste Bild des abendlichen Wissens. Wenn man nach 18 Uhr durch die Straßen gehe, seien die Lichter aus. Und sie sei ein Typ, der vor allem aufgrund eines ansprechenden Schaufensters ein Geschäft betrete. Licht im Schaufenster als Augenschmaus und längere Öffnungszeiten, das sind wohl die nächsten Eckpunkte, die der Kosmetik-Plan für das Wissener Handelszentrum vorsieht. Wie es weitergehen soll, dass erarbeiten am kommenden Montag um 18.30 Uhr dreißig »Auserwählte« in einer von Honert und Peter geleiteten Werkstatt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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