Ulrich Schmalz erinnert sich an erste Kandidatur vor 50 Jahren
Wahlkampf anno dazumal

Ein Bild aus dem Fotoalbum von Ulrich Schmalz: Anfang der 1970er-Jahre war Straßenwahlkampf ein probates Mittel – ganz im Gegensatz zum Jahr 2021.
  • Ein Bild aus dem Fotoalbum von Ulrich Schmalz: Anfang der 1970er-Jahre war Straßenwahlkampf ein probates Mittel – ganz im Gegensatz zum Jahr 2021.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sz Wissen. Am 14. März werden die Rheinland-Pfälzer einmal mehr an die Wahlurnen gebeten. Und das wird – der Corona-Pandemie geschuldet – wahrlich keine Wahl wie jede andere. Darauf lässt schon der Wahlkampf schließen, der statt auf Marktplätzen und Bürgerhäusern diesmal via Internetschalten und in den Sozialen Netzwerken ausgefochten wird.
Vor 50 Jahren stieg Ullrich Schmalz in das große Politikgeschäft ein. Der Wissener sollte für Jahrzehnte eines der prägenden Persönlichkeiten für den AK-Kreis bleiben: von 1971 bis 1990 Mitglied des Mainzer Landtags, im Anschluss acht weitere Jahre Bundestagsabgeordneter.
Der heute 81-Jährige, der nach wie vor mit dem Marienthaler Forum an der politischen Meinungsbildung in der Region beteiligt ist, erinnert sich in einem Schreiben an die Redaktion, wie es sich mit der Politik von einem halben Jahrhundert verhalten hat.

"Junges Land mit Zukunft"

Damals – 1971 – sei Straßenwahlkampf noch möglich gewesen, berichtet der Christdemokrat. Der Wahlslogan der CDU lautete seinerzeit „Rheinland-Pfalz – junges Land mit Zukunft“. Und jung sei es ja auch gewesen, „zusammengestückelt aus preußischen und bayerischen Teilen, die nur schwer zueinanderfinden konnten. Aber am Ende gelang es und auch die Zukunft sah gut aus“. Strukturpolitik sei angesagt gewesen: Die Autobahn Koblenz–Trier–Luxemburg wurde gebaut, zwei neue Universitäten in Trier und Kaiserslautern entstanden. Es gab eine Verwaltungsreform, ein Kindergartengesetz und noch vieles mehr. Schmalz: „Ausweis für Zukunft.“

Nistertalstraße wichtigstes Projekt

Auch die hiesige Region habe partizipiert, mit dem Straßenneubauamt in Betzdorf, geleitet von Manfred Werz, dem späteren Präsidenten der Landesstraßenverwaltung, seien die Verbesserung der Infrastruktur angegangen worden. Das wichtigste Projekt sei die Nistertalstraße gewesen, eine Nord-Süd-Querverbindung vom Koblenzer Dreieck zur Sauerlandlinie bei Freudenberg. Große Teilabschnitte sind gelungen, so etwa die Umgehungen in Wehbach und Niederfischbach. Leider sei aber das wichtigste Vorhaben, die Umgehung Betzdorf, auf der Strecke geblieben. Massive Vorbehalte in Steineroth und Alsdorf hätten hier eine Chance vertan. Später, während der Bundestagszeit von Schmalz, habe es eine kleine Ersatzlösung gegeben: „Ich konnte den Bewilligungsbescheid für die Tunnellösung überbringen.“ Aber auch in Freudenberg sei es nicht zur geplanten Umgehung gekommen, das sei an Koalitionskonflikten mit den Grünen in NRW gescheitert.

Zusage auf dem Bierdeckel

„Für meine Heimatstadt Wissen konnte ich den ersten Teil der Stadtumgehung durchsetzen, Kosten nach meiner Erinnerung: ca. 32 Millionen DM.“ Die finale Entscheidung dazu fiel den Ausführungen von Schmalz nach vor Ort. Am Rande einer Veranstaltung mit dem damaligen Verkehrsminister Heinrich Holkenbrink habe er den Gastwirt gebeten: „Machen Sie die besten Bratkartoffel Ihres Lebens, mein Minister isst für sein Leben gerne Bratkartoffeln!“ So sei es geschehen. „Und ich konnte auf einem Bierdeckel, mit Unterschrift versehen, die Zusage mit nach Hause nehmen“, so Schmalz. Ein Münsteraner halte eben sein Wort – und das sei Holkenbrink mit Leib und Seele gewesen.

Lehrermangel großes Thema

Das Großthema dieser Zeit war der Einschätzung des Christdemokraten nach allerdings der Lehrermangel. Dr. Hannah Renate Laurien, damals Staatssekretärin im Kultusministerium, habe bei einer Veranstaltung vor Ort sarkastisch konstatiert: „Die Pfälzer und Rheinhessen wollen nicht zu den Preußen.“ Aber am Ende seien sie doch gekommen. Die Lehrerschaft sei damals sehr politisiert gewesen, in manchen Landtagen haben sie demnach zeitweise ein Drittel der Abgeordneten gestellt, was Otto Graf Lambsdorff einmal zu folgender Bemerkung veranlasst habe: „Das Parlament ist mal voll und ist mal leerer, aber immer voller Lehrer.“
Aber nichts ist beständiger als der Wandel, analysiert Schmalz. Jetzt bewerbe sich in unserer Region eine auffallend junge Mannschaft für ein Parlamentsmandat. Und auch die wird eines Tages so manche Anekdote über ihr politisches Wirken zu erzählen haben.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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