90 Prozent Umsatzeinbußen
Waldbesitzer rufen um Hilfe

Viel mehr Fachwissen zum Thema Wald kann man im AK-Land kaum auf einem Foto unterbringen. Nikolaus Graf von Hatzfeldt, Friedrich Freiherr von Hövel, Forstamtsleiter Michael Weber und Forstdirektor Dr. Franz Straubinger (v.l.) sind sich einig: Sie fordern, dass die Leistungen des Waldes für die Gesellschaft finanziell honoriert werden – und zwar schnell.
  • Viel mehr Fachwissen zum Thema Wald kann man im AK-Land kaum auf einem Foto unterbringen. Nikolaus Graf von Hatzfeldt, Friedrich Freiherr von Hövel, Forstamtsleiter Michael Weber und Forstdirektor Dr. Franz Straubinger (v.l.) sind sich einig: Sie fordern, dass die Leistungen des Waldes für die Gesellschaft finanziell honoriert werden – und zwar schnell.
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damo Schönstein. Dass der Hilferuf ausgerechnet aus Schloss Schönstein kommt, mag auf den ersten Blick überraschen – aber den Waldbesitzern steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals. Und das gilt nicht nur für viele Haubergsgenossenschaften, sondern eben auch für die großen Privatwaldbesitzer.

„Wir haben Umsatzeinbußen von 90 Prozent“, sagt Nikolaus Graf von Hatzfeldt. Und Forstdirektor Franz Straubinger leitet daraus einen dringenden Appell der Waldbesitzer ab: „Wir sind in einer Situation, in der wir die Unterstützung der Gesellschaft benötigen.“

Alarmierende Töne

Rechtzeitig zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März haben die Hatzfeldt’sche Verwaltung, die Hövel’sche Rente und das Forstamt zu einem Pressegespräch eingeladen. Und dass in diesem Jahr alarmierende Töne angeschlagen werden, versteht sich von selbst.

Denn da, wo der Wald nicht längst in Trümmern liegt, ächzt er unter der Trockenheit. Längst sind nicht mehr nur die Fichten von der Dürre der vergangenen Sommer betroffen: Auch Buchen und Eichen schwächeln bedenklich. „Wir reden von der schwersten Dürre seit mehr als 2000 Jahren“, zitiert Straubinger eine wissenschaftliche Studie eines englischsprachigen Fachblatts.

Wald im nördlichen Westerwald und Siegerland leidet

Aber man muss kein Wissenschaftler sein um zu erkennen, wie sehr der Wald gerade im nördlichen Westerwald und dem Siegerland leidet. Ein trockener Sommer jagt den nächsten, der Holzmarkt ist kollabiert. Und es fehlen nicht nur die Erträge aus dem Holzverkauf: Die Waldbesitzer müssen mitansehen, wie ihr Tafelsilber vernichtet wird. „Es verschwinden Werte, wir leben von der Substanz“, bilanziert Straubinger. Also fordern die Waldbesitzer Unterstützung: „Die letzten tausend Jahre war der Wald ein Selbstbedienungsladen, den die Gesellschaft ausplündern durfte. Jetzt fordern die Waldbesitzer erstmals die Gesellschaft auf, etwas für den Wald zu tun“, sagt Straubinger.

Denn im Wald entstehen Jahr für Jahr Fixkosten von gut 100 Euro pro Hektar (ohne dass dafür eine einzige Pflanze eingebuddelt wäre), erklärt Forstamtsleiter Michael Weber – Erlöse aber ließen sich seit geraumer Zeit kaum noch generieren. „Die Einnahmen waren immer nur der Holzverkauf“, verdeutlicht Straubinger. Dabei bringt der Wald weitaus mehr Leistungen für die Gesellschaft als die Holzproduktion: Er ist eine gigantische CO2-Senke, er filtert Wasser und Luft, er dient der Erholung, er ist ein Hort der Biodiversität. Erstmals haben Forscher der Universität Greifswald die Leistungen des Waldes in Geld bemessen.

Wald als Klimaschützer

Den größten Wert liefere der Wald als Klimaschützer: Mit 290 Euro pro Hektar sei diese Funktion die wichtigste Ökosystemleistung der Wälder. Den Wert in Sachen Naturschutz, Wasserlieferung, Lärmschutz und Erholung taxieren die Forscher auf 160 Euro pro Hektar. Weil diese Funktionen der gesamten Gesellschaft dienen, verstehen die Waldbesitzer ihre Forderung nach finanzieller Unterstützung keineswegs als eine Bitte um ein Almosen: „Der Wald hat einen hohen Wert für die Gesellschaft. Uns geht es also darum, dass die Leistungen, die wir Tag für Tag erbringen, honoriert werden“, sagt Straubinger.

Und da sei es nicht mit einer Akuthilfe wie dem Zuschuss zu Neupflanzungen getan: „Wir werden den Wald nicht mehr bewirtschaften können, solange wir kaum noch Holz verkaufen können.“ Natürlich versuche man, einen Wald aufzubauen, der durch den Holzverkauf Gewinne einbringe, betonte Weber: „Aber das wird 30, 40 Jahre dauern.“ Aus Sicht der Waldbesitzer liegt nahe, aus welchem Topf das Geld kommen muss: aus den Einnahmen der CO2-Steuer. Denn wenn der Ausstoß besteuert wird, sei es nur konsequent, CO2-Senken zu belohnen. Dieser Gedanke ist nicht ganz neu – aber noch hat er den Weg durch die politischen Gremien nicht genommen. „Obwohl grundsätzliche Einigung besteht, wird das noch dauern“, prophezeit Friedrich Freiherr von Hövel.

Wichtige Funktion als CO2-Speicher

Allerdings: Die Zeit drängt, stellt Nikolaus Graf von Hatzfeldt klar: „Es muss schnell etwas passieren, wenn wir die Leistungen des Waldes weiter wollen.“ Und Fakt sei: Seine wichtige Funktion als CO2-Speicher könne nur ein bewirtschafteter Wald erfüllen: „Wenn wir nichts mehr machen und überall Brombeeren, Farn und Fingerhut wachsen, ist die Speicherfunktion viel geringer.“

Michael Weber bringt noch einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein: „Waldwirtschaft braucht Fläche. Mir nützen auch 150 Euro Zuschuss pro Hektar nichts, wenn ich keine Hektar mehr habe.“ Und der Druck auf die Flächen habe enorm zugenommen: „Jede Woche kommen neue Anträge auf Baugebiete. Da werden Bauplätze im Wald geplant, und wir erfahren es aus der Zeitung.“

Das Fazit könnte kaum eindeutiger sein, als es Franz Straubinger formuliert: „Wir hoffen, bitten und fordern, dass die Gesellschaft uns unterstützt.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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