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Pfarrer Kürten baut Humoristisches und Lokales ein
Wenn das Wohnzimmer zur Krippe wird

Die Kernszene fehlt natürlich noch. Die Engel wachen, bis die Heilige Familie ankommt (diese Figuren stammen von  Kürtens Großmutter).
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  • Die Kernszene fehlt natürlich noch. Die Engel wachen, bis die Heilige Familie ankommt (diese Figuren stammen von Kürtens Großmutter).
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

gum Wissen. Großmutter Helene würde sich freuen, könnte sie sehen, welche Leidenschaft sie ihrem Enkel Martin durch ein Geschenk mitgegeben hat. 1918 kaufte sie sich Krippenfiguren aus Porzellan, die Heilige Familie, Hirten, Ochs und Esel, Diener und Kamel. Die an ihn weitergebenen Figuren bildeten den Anfang einer Begeisterung, die den Wissener Pfarrer Martin Kürten bis heute nicht mehr losgelassen hat.
Wohnzimmer wird zur KrippeSchon als Schuljunge kaufte er sich vom Taschengeld immer wieder Figuren dazu. Jedes Jahr brachte er beispielsweise eine von der Wallfahrt nach Kevelaer mit. So geht das schon seit 50 Jahren. Immer im Advent verwandelt sich sein Wohnzimmer im Pfarrhaus in Wissen in eine Krippe, die den Besucher beim Öffnen der Tür erst einmal sprachlos verharren lässt.

gum Wissen. Großmutter Helene würde sich freuen, könnte sie sehen, welche Leidenschaft sie ihrem Enkel Martin durch ein Geschenk mitgegeben hat. 1918 kaufte sie sich Krippenfiguren aus Porzellan, die Heilige Familie, Hirten, Ochs und Esel, Diener und Kamel. Die an ihn weitergebenen Figuren bildeten den Anfang einer Begeisterung, die den Wissener Pfarrer Martin Kürten bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Wohnzimmer wird zur Krippe

Schon als Schuljunge kaufte er sich vom Taschengeld immer wieder Figuren dazu. Jedes Jahr brachte er beispielsweise eine von der Wallfahrt nach Kevelaer mit. So geht das schon seit 50 Jahren. Immer im Advent verwandelt sich sein Wohnzimmer im Pfarrhaus in Wissen in eine Krippe, die den Besucher beim Öffnen der Tür erst einmal sprachlos verharren lässt.
Mehr als 500 Figuren bevölkern bis zum 2. Februar den Raum. Vor etwa 20 Jahren hat er angefangen, verschiedene Szenen nachzustellen.
Angefangen mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, entdeckt man viele Szenen aus der Bibel, etwa die vorweihnachtlichen Szenen, wie der Besuch des Engels bei Maria, bei Josef, die Volkszählung und die Herbergssuche.

Spezialanfertigungen von Kürten kommen an

Für die jeweiligen Szenen sind besondere Figuren nötig wie zum Beispiel die römischen Soldaten oder auch schwangere Frauen, die er in Italien erworben hat.
Zwei Firmen, eine in Kevelaer, eine in Südtirol, fertigten sogar auf Kürtens Anregung hin passende Figuren und waren davon so eingenommen, dass sie sie in ihr Sortiment aufgenommen haben.
Die Häuser hat der Pfarrer alle selbst gebaut, das erste Haus aus Gips sogar mit farbigen Fenstern, später welche aus Styropor und seit einigen Jahren aus Holz. Mit den Modellen wuchs auch seine Werkstatt. Kürten arbeitet dort gern nachts. „Es gibt ja immer was zu reparieren“, sagt er, „zum Beispiel den abgebrochenen Bogen des Gipshauses“.

Humoristische Highlights eingebaut

Einige Tage ist er allein mit der Elektrik beschäftigt, mindestens eine Lichterkette sei immer kaputt. Zahlreiche Details hat er eingebaut, zum Beispiel das Schwalbennest samt Schwalben, das an der Hauswand klebt. Eines der kleinen und durchaus humoristischen Highlights, die man erst bei genauerem Betrachten wahrnimmt, ist etwa das Wirtshaus „Ad Rus Galli“, auf Deutsch „Der Hahnhof,“ in dem Skatspieler ihrer Passion nachgehen – über eine Fernbedienung regelbar, versteht sich.
Der Wirt zapft Getränke, und im hölzernen Toilettenhäuschen mit geschnitztem Herz in der Tür sitzt sogar jemand. In der Krippe baut ein Krippenbauer eine Krippe. Der Klapperstorch ist auch schon im Anflug, ruht sich auf einem Hausdach aus und der Barbier, der hier den Pinsel schwingt, „das ist der Wissener Friseur Alfes“, so Kürten lachend.

100 Schafe auf der Hirtenwiese

Die wichtige Szene, die Geburt des guten Hirten, fehlt noch. Dafür sind schon rund 100 Schafe auf der Hirtenwiese, wegen des Gleichnisses vom Hirten, der 100 Schafe hat und eines davon verliert, erklärt der Pfarrer. Sehenswert ist auch der Prophetengarten mit den Figuren der einzelnen Propheten und jeweils einer Prophezeiung, die auf Jesus hinweist.
Ein weiterer Hingucker ist der wunderschöne und mit Figuren bestückte Berg, passend zum Alten Testament, den der amerikanische Künstler King Kate gestaltet hat. Das beeindruckende Hintergrundbild der Krippe hat Ludwig Vierbuchen, ein pensionierter Dekorateur, gemalt, der es anschließend auch in 12 Meter Breite für die katholische Kirche in Wissen gestaltete.
Neben Jerusalem und Bethlehem ist auf Wunsch von Pfarrer Kürten auch Wissen mit dem markanten Kucksberg in die Landschaft einbezogen worden. „Damit soll anschaulich gemacht werden, dass Christus zu uns kommt“, so der Pfarrer. Die Figurengruppe mit kämpfenden Böcken und Schafen, die hat er von seinem 2018 verstorbenen Vater geerbt, der sie einst auf der Hochzeitsreise in den Dolomiten kaufte. Die habe ihm als Kind schon gefallen. Er hat in Südtirol diese Figurengruppen ein Jahr vor dem Tod des Vaters nach eigenen Skizzen anfertigen lassen und mit Erstaunen beim Anschauen des neuen Katalogs der Firma gesehen, dass diese sie jetzt in Serie fertigt.

Auch Lokales ist zu finden

Jedes Jahr etwas Neues zu bauen, diesen hohen Anspruch hat der humorvolle Geistliche stets umgesetzt. Und immer sind auch Überlegungen zum Lokalkolorit dabei. Zuletzt hat er die Idee zum Bau eines Bergwerks gehabt. Jetzt ziert ein richtiger Stollen mit Bergarbeitern und einer Lore, gefüllt mit Eisenerz, die Krippe.
Noch immer ist die Krippe nicht fertig, das Christuskind ist ja noch nicht geboren und die Könige sind noch auf dem Weg. Erst einmal schlafen sie im Zelt, vor dem ein winziger Perserteppich liegt.
Im Februar werden die Figuren – nach Szenen geordnet – wieder in Kisten verpackt und sicher in den Regalen verstaut, bis sie Pfarrer Kürten Mitte November wieder zum Leben erweckt. Dann dürfen hoffentlich auch wieder Gruppen die eindrucksvolle Krippe besichtigen, was momentan nur Einzelpersonen möglich ist.

Die Kernszene fehlt natürlich noch. Die Engel wachen, bis die Heilige Familie ankommt (diese Figuren stammen von  Kürtens Großmutter).
Das erste Haus fertigte Pfarrer Martin Kürten aus Gips. Inzwischen ist er auf Holz umgestiegen.
Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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