Tasmanischer Tiger gilt als ausgestorben

Im Museumsschrank: Überreste des letzten bekannten Beutelwolfs entdeckt

Ein Foto zweier Tasmanischer Tiger, aufgenommen im Jahr 1902. (Symboldbild)

Ein Foto zweier Tasmanischer Tiger, aufgenommen im Jahr 1902. (Symboldbild)

Der Tasmanische Tiger, wie der Beutelwolf auch genannt wird, gibt seit Jahrzehnten Rätsel auf. Ist das Tier wirklich ausgestorben? Oder haben einige Exemplare bis heute in der Wildnis überlebt?

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Bisher ist bekannt, dass das letzte bekannte Exemplar 1936 im Zoo in Hobart auf der australischen Insel Tas­manien gestorben ist. Dass die Tiere noch lange danach in der Wildnis überlebt haben, halten Forsche­rinnen und Forscher für unwahrscheinlich. 1982 erklärte die Weltnaturschutzunion die Raubbeutler offiziell für ausgestorben, 1986 folgte auch die Regierung von Tasmanien.

Doch nun konnten zwei australische Forscher dank penibler „Detektivarbeit“ nachweisen, dass dieser letzte bekannte Beutelwolf ein weibliches Tier war und nicht das männliche Tier, das durch historische Bilder und Aufnahmen berühmt wurde. Dieser war anscheinend das vorletzte bekannte Tier.

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Im Schrank in Vergessenheit geraten

Robert Paddle, ein Forscher der Australian Catholic University, und die Museumskuratorin für Wirbeltier­zoologie, Kathryn Medlock, spürten das Skelett des wirklich letzten bekannten Beutelwolfs nun in einem Schrank des Tasmanian Museum and Art Gallery (TMAG) auf. Laut Medlock gerieten die Überreste in Vergessenheit, da versäumt wurde, das Exemplar korrekt zu katalogisieren. Letzteres habe dazu geführt, dass das Fell des Tieres im Rahmen einer Wanderausstellung im ganzen Land vorgezeigt wurde, ohne dass das Museumspersonal wirklich wusste, welchen Schatz es da in Händen hielt.

Ohnehin hätten die Menschen damals geglaubt, dass es noch weitere Beutelwölfe in der Wildnis gebe, wie die Kuratorin dem australischen Sender ABC sagte. Über vermeintliche Sichtungen eines Exemplars wird auch heute immer wieder spekuliert, doch stichhaltige Beweise, dass einige Exemplare überlebt hätten, gibt es nicht wirklich.

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Katalogisierung wurde versäumt

Das Tier, auf dessen Überreste die beiden Forschenden nun gestoßen sind, war einst im Florentine Valley im Süden Tasmaniens gefangen und Mitte Mai 1936 an den Zoo in Hobart verkauft worden. In einer Presse­mitteilung heißt es, dass der Verkauf vom Zoo nicht aufgezeichnet oder veröffentlicht worden sei, weil das Fangen der Tiere schon damals illegal war und der Jäger mit einer Geldstrafe belegt hätte werden können. „Der Beutelwolf lebte nur wenige Monate“, sagte Paddle. Als das Tier gestorben sei, sei sein Körper ins Museum gebracht worden. Doch er auch da nicht katalogisiert wurde, hätten Museumskuratoren und Forschende jahrelang erfolglos nach den Überresten gesucht und schließlich angenommen, der Körper sei weggeworfen worden.

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Das Rätsel konnte schließlich dank eines unveröffentlichten Berichts eines Museumspräparators aus den Jahren 1936/1937 aufgeklärt werden, in dem besagter weiblicher Beutelwolf in der Liste der im Laufe des Jahres bearbeiteten Exemplare erwähnt wurde. Daraufhin wurden alle Beutelwolfhäute und ‑skelette in der Museumssammlung überprüft und das Exemplar entdeckt. Inzwischen hat man die Überreste in speziellen säurefreien Kisten und in Dunkelheit gelagert, um ihrem weiteren Verfall vorzubeugen. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten wollen Medlock und Paddle im Fachmagazin „Australian Zoologist“ veröffentlichen.

Kann der Beutelwolf wiedergeboren werden?

Im August wurde bekannt, dass Forschende der Universität von Melbourne gemeinsam mit der texanischen Firma Colossal Biosciences versuchen, das Tier wieder zum Leben zu erwecken. Bei dem Prozess sollen Stammzellen von einer lebenden Beuteltierart mit ähnlicher DNA – der Schmalfußbeutelmaus – entnommen werden. Das Team hofft, den Beutelwolf dann mithilfe von Stammzellen und Gen-Editing-Technologie rekonstruieren zu können. Das neue Projekt ist dank einer Spende von mehreren Millionen Dollar möglich.

Andere Forschende reagierten jedoch mit Skepsis auf die Ankündigung aus Melbourne und bezeichneten eine „Wiedergeburt“ der Tiere als „Science-Fiction“. Ausgestorbene Tiere wieder zum Leben zu erwecken sei „eine märchenhafte Wissenschaft“, sagte Jeremy Austin vom Australian Centre for Ancient DNA der australischen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“ damals. Tatsächlich ist es der Wissenschaft bisher nicht gelungen, ausgestorbene Tiere „zurückzuholen“. Ähnliche Versuche, das Wollmammut wiederzubeleben, haben bisher beispielsweise nicht gefruchtet. Auch im Fall des Tasmanischen Tigers hat man in den vergangenen 20 Jahren bereits erfolglos experimentiert: So versuchte das Australian Museum, die Tiere zu klonen. Das Projekt wurde 2005 eingestellt.

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