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Projekt soll Navi-Fallen beheben
Bessere Lkw-Navigation durch Wittgenstein

Beim Abbiegen in der engen Ortsmitte von Birkefehl haben Lkw-Fahrer, die in die Navi-Falle getappt sind, immer wieder ihre liebe Not. Ärgerlich ist das Ganze für die Anwohner: Die Hausecke wurde schon diverse Male erheblich beschädigt.
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  • Beim Abbiegen in der engen Ortsmitte von Birkefehl haben Lkw-Fahrer, die in die Navi-Falle getappt sind, immer wieder ihre liebe Not. Ärgerlich ist das Ganze für die Anwohner: Die Hausecke wurde schon diverse Male erheblich beschädigt.
  • Foto: Björn Weyand
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bw Bad Berleburg/Bad Laasphe/Erndtebrück. Eigentlich ist die Beschilderung in der Ortsmitte von Schameder eindeutig. Für den Schwerlastverkehr könnte es aus Richtung Erndtebrück kommend dort nur eine Weiterfahrt auf der Bundesstraße 62 geben. In der Vergangenheit missachteten manche Lkw-Fahrer aber die Schilder und bogen auf ihrem Weg zu Unternehmen in Raumland oder Berghausen nach links ab und steuerten ihre Zugmaschinen somit in die enge Ortsdurchfahrt von Birkefehl, wo es immer wieder zu Schäden an der Hausecke an der Abbiegung Richtung Berghausen kam. Andere Lkw-Fahrer wähnten die kürzeste Fahrt ins Industriegebiet Jägersgrund über den Steimel – und endeten so manches Mal festgefahren auf einem Wirtschaftsweg oberhalb von Schameder.

bw Bad Berleburg/Bad Laasphe/Erndtebrück. Eigentlich ist die Beschilderung in der Ortsmitte von Schameder eindeutig. Für den Schwerlastverkehr könnte es aus Richtung Erndtebrück kommend dort nur eine Weiterfahrt auf der Bundesstraße 62 geben. In der Vergangenheit missachteten manche Lkw-Fahrer aber die Schilder und bogen auf ihrem Weg zu Unternehmen in Raumland oder Berghausen nach links ab und steuerten ihre Zugmaschinen somit in die enge Ortsdurchfahrt von Birkefehl, wo es immer wieder zu Schäden an der Hausecke an der Abbiegung Richtung Berghausen kam. Andere Lkw-Fahrer wähnten die kürzeste Fahrt ins Industriegebiet Jägersgrund über den Steimel – und endeten so manches Mal festgefahren auf einem Wirtschaftsweg oberhalb von Schameder. Ein Grund für diese Irrfahrten ist die Nutzung von Navigationsgeräten für Pkw, die ja eigentlich für Lastkraftwagen nicht geeignet sind – aber eben deutlich günstiger.

Zwei Bausteine für bessere Navigation der Lkw

Das Land Nordrhein-Westfalen macht nun mobil gegen diese Probleme und initiierte deshalb ein Projekt für effiziente und stadtverträgliche Lkw-Navigation und für Baustellenkoordination. Schon dieser Titel verdeutlicht, dass das Vorhaben zwei Bausteine hat: Das ist zum einen die Verringerung der Konflikte durch einen fehlgeleiteten Schwerlastverkehr, zum anderen soll durch eine bessere Koordination von Baustellen der Verkehrsfluss verbessert werden, sodass es etwa durch großräumigere Umfahrungen zu weniger Stauereignissen kommt. Das betrifft eben nicht nur Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, sondern auch Kreisstraßen sowie Ortsdurchfahrten. Um die Koordinierung verbessern zu können, brauche das Land aber die Daten von Kreisen und Kommunen, erläutert Hans-Peter Langer von der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK), die das Thema im heimischen Kreis vorantreibt. In Bad Berleburg war das Vorhaben kürzlich im Ausschuss für Planen, Bauen, Wohnen und Umwelt das Thema in einer Mitteilung der Stadtverwaltung.

Ausfallende Umleitungsstrecken sollen vermieden werden

Der Kreis und die Kommunen sollen in diesem Zusammenhang nicht nur frühzeitig über geplante Straßenbaumaßnahmen informieren, sondern neben dem Vorrangroutennetz auch Restriktionen auf Straßen erfassen und bereitstellen: Gewichts-, Höhen-, Längen- oder Breitenbegrenzungen sowie Lkw-Durchfahrtsverbote. Aus Sicht von Hans-Peter Langer ist das Ganze gerade für Wittgenstein ein Thema, zum einen wegen der Navi-Fallen, zum anderen aber auch, weil bei Vollsperrungen vor allem im ländlichen Raum weiträumige Umfahrungen erforderlich seien. Die Baustellen sollen so koordiniert werden, dass der Verkehr reibungsloser funktionieren kann – denn wie oft ist es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass auf parallelen Strecken plötzlich zeitgleich gebaut wurde und damit Umleitungsstrecken ausfielen? So etwas soll zukünftig vermieden werden, wie Hans-Peter Langer betont.

SEVAS als Lösung Ziel des Projekts ist die Optimierung der Lkw-Routen durch Vervollständigung der Navigationsdaten. Im Rheinland gibt es dafür eine Lösung, das System nennt sich SEVAS. In diesem werden Lkw-relevante Daten gesammelt, digitalisiert und dann für alle (Routing-)Dienste kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ein festgelegtes Vorrangnetz soll künftig auch in Siegen-Wittgenstein dafür sorgen, dass Lkw problemlos durch das Kreisgebiet fahren können. Die an dem Projekt teilnehmenden Kommunen, für die das Projekt kostenlos ist, bringen dazu ihre Ortskenntnisse ein und speisen Informationen in eine digitale Plattform. Sämtliche Daten stehen unter anderem den Kartenherstellern für Navigationskarten zur Verfügung, sodass Navigationsgeräte für Lkw eine optimierte Route anbieten können.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst habe bei dem Vorhaben bisher jedoch das Problem, dass er Zugriff auf die Daten für Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen habe, aber eben nicht für Kreisstraßen und kommunale Straßen. „Daher ist er darauf angewiesen, dass er die Informationen bekommt“, sagt Hans-Peter Langer. Im Kreis Olpe laufe das Projekt schon länger, in Siegen-Wittgenstein dagegen noch nicht ganz so rund. Die Industrie- und Handelskammer hat das Ganze der Bürgermeisterkonferenz vorgestellt, dort sei zumindest vereinbart worden, einheitlich vorzugehen, so Hans-Peter Langer. Die Rathäuser werden kostenlose Software-Zugänge erhalten.

Gewerbe soll frühzeitig von Baustellen wissen

Der IHK-Verkehrsexperte weiß, dass es in der Vergangenheit in Sachen Baustellenkoordination durchaus mal haperte, „da muss Druck hinter“, findet er. Warum sich die Industrie- und Handelskammer dafür engagiert, erläutert Hans-Peter Langer im SZ-Gespräch auch: „Wir als IHK haben ein Interesse daran, dass Unternehmen und Einzelhändler frühzeitig eine Information erhalten, wann eine Baustelle vor der Tür startet.“ Für Händler sind solche Straßenbaumaßnahmen, ob mit Vollsperrung oder anderen Einschränkungen, immer gleichbedeutend mit Umsatzeinbrüchen. Je früher sie allerdings über eine Baumaßnahme informiert seien, desto größer sei auch die Chance, mit Aktionen und Werbung gegen diese Einbußen anzukämpfen. Und für das produzierende Gewerbe sei es auch wichtig, frühzeitig von Baustellen zu wissen, sodass sich die Betriebe auf die anstehenden Einschränkungen einstellen könnten. „Die Betriebe und die Händler brauchen ja eine Vorlaufzeit“, erläutert Hans-Peter Langer, wieso frühzeitig informiert werden soll.

Beim Abbiegen in der engen Ortsmitte von Birkefehl haben Lkw-Fahrer, die in die Navi-Falle getappt sind, immer wieder ihre liebe Not. Ärgerlich ist das Ganze für die Anwohner: Die Hausecke wurde schon diverse Male erheblich beschädigt.
Die klare Beschilderung hat die Navi-Falle in Schameder bislang noch nicht behoben.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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