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Ein Spaziergangsforscher erzählt
Bewegung an der frischen Luft ist in

Der Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar erkennt in Zeiten von Corona bei vielen Menschen eine neue Wertschätzung für das Spazierengehen.
  • Der Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar erkennt in Zeiten von Corona bei vielen Menschen eine neue Wertschätzung für das Spazierengehen.
  • Foto: Thomas Eichler
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

ako Wittgenstein.  Das Spazierengehen ist wohl die einfachste Form, um die eigene Stadt oder die eigene Umgebung zu erkunden. Laut Definition dient der Gang im Freien zudem der Erholung und dem Vergnügen. Doch das Spazieren durch Ortschaften und Landschaften im heutigen Sinne gibt es noch gar nicht so lange. Erst im 18. und 19. Jahrhundert etablierte sich das Zufußgehen in breiten Kreisen der Bevölkerung. In Zeiten der Pandemie, in der Menschen vor allem während des Lockdowns nur wenige Freizeitmöglichkeiten ausüben konnten, erlebt das Spazierengehen eine wahre Renaissance.

ako Wittgenstein.  Das Spazierengehen ist wohl die einfachste Form, um die eigene Stadt oder die eigene Umgebung zu erkunden. Laut Definition dient der Gang im Freien zudem der Erholung und dem Vergnügen. Doch das Spazieren durch Ortschaften und Landschaften im heutigen Sinne gibt es noch gar nicht so lange. Erst im 18. und 19. Jahrhundert etablierte sich das Zufußgehen in breiten Kreisen der Bevölkerung. In Zeiten der Pandemie, in der Menschen vor allem während des Lockdowns nur wenige Freizeitmöglichkeiten ausüben konnten, erlebt das Spazierengehen eine wahre Renaissance. Die Siegener Zeitung sprach deshalb mit dem Leipziger Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar über die Auswirkungen von Corona auf unser Spazierverhalten, welche Besonderheiten die heimische Region für Spaziergänger und Wanderer bietet und wie viele Schritte man täglich gehen sollte.
Herr Weisshaar, im Jahr der Pandemie haben zahlreiche Menschen das Spazierengehen für sich entdeckt. Einige sprechen sogar von einem neuen Trend. Welchen Einfluss hat Corona auf unser Verhältnis zum Spaziergang?
Während des Shutdowns konnte man allerorten deutlich mehr spazierende Menschen beobachten. Viele haben dabei wiederentdeckt, welche Freude und Erholung ein Spaziergang bereiten kann. Hier und da warnten die Stadtverwaltungen sogar, in den Stadtparks und auf den Gehwegen würde es zu eng werden. In Gera (Thüringen, Anm. d. Red.) wurde sogar der Stadtpark geschlossen. Das fand ich schon sehr bemerkenswert – erstmals wurde wirklich der breiten Gesellschaft bewusst und deutlich, von welch grundlegender Bedeutung große Grünanlagen und gut dimensionierte Gehwege sind.
Wodurch zeichnet sich denn ein guter Spaziergang aus?

Man kann nichts falsch machen

Eigentlich das Einzige, was man bei einem Spaziergang falsch machen kann, ist, gar nicht loszugehen. Ich würde empfehlen, die Neugierde auf die ganze Stadt oder die ganze Umgebung des Ortes auszudehnen. Und man kann sich leiten lassen von Impulsen, Begegnungen und Zufällen, die sich unterwegs einstellen. Wenn man somit schließlich ganz woanders ankommt als zunächst vorgenommen – dann war es ziemlich sicher ein sehr geglückter Spaziergang. Nicht selten kommt man so auch auf neue Gedanken oder Einfälle.
Macht es einen Unterschied, ob ich alleine spazieren gehe, zu zweit oder in einer größeren Gruppe?
Alleine kann man frei seiner Neugierde und seinen momentanen Impulsen folgen, in seinem ganz eigenen Tempo. Zu zweit oder in einer Gruppe lässt häufig die Aufmerksamkeit für die Umgebung sogleich etwas nach. Das Gespräch untereinander zieht dann häufig die Konzentration auf sich. Andererseits sehen vier Augen mehr als zwei. So kann man die Unterhaltung auf die Wahrnehmung der durchschrittenen Welt lenken und wird dann vielleicht mehr erfahren und bemerken als alleine.
Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist der waldreichste Kreis Deutschlands. Sie selbst waren im Rahmen Ihrer LandPartie „NaturSpaß“ auch schon hier. Was macht die Region für Spaziergänger so attraktiv?
Weite Wälder findet man ja in mehreren Regionen Deutschlands. Mit der Akademie LandPartie entdeckten wir als das wirklich Besondere entlang des Rothaarsteigs die tagelange Abwesenheit von Verkehr und Motorengeräuschen.
Während einer fünftägigen Wanderung lediglich so ungefähr zehnmal eine Landstraße zu queren – ich hätte zuvor nicht geglaubt, dass so etwas in Deutschland möglich ist. Das scheint mir in unserer Zeit vielleicht sogar die größte Qualität, die eine Landschaft auszeichnen kann – die Abwesenheit von Motoren.
Was hat Ihnen hier am besten gefallen?
In gewissem Sinn war der Kyrill-Pfad in Schanze ein sehr besonderes Schlüsselerlebnis. Dort wurde eine Waldfläche nach dem verheerenden Sturm im Januar 2007 nicht „aufgeräumt“, sondern die umgestürzten Bäume blieben liegen und man überließ die Natur sich selbst. Und schon heute kann man nun dort ein sehr abwechslungsreiches Waldbild erleben und die von selbst nachwachsenden Bäume scheinen sehr vital. Das kann einem hoffnungsvoll stimmen – zumal wir täglich an dürregeschädigten Waldabschnitten entlang kamen.
Viele Menschen hören bei einem Spaziergang auch Musik oder führen ein Telefongespräch. Ist das sinnvoll?

Mit allen Sinnen unterwegs

Kann man schon machen – nur eben nicht immer. Das Schöne beim Spaziergang ist ja, dass wir mit allen Sinnen in der Welt unterwegs sind – insbesondere auch mit unseren Ohren. Wichtig am Spaziergang scheint mir zudem, dass währenddessen auch einfach einmal Nichts ist, dass man einmal am Tag Stille und Leere erfährt – und aushält.
Was raten Sie den Menschen, die sich für das Spazierengehen noch nicht begeistern konnten?
Die Krankenkassen und die Weltgesundheitsorganisation empfehlen, täglich Acht- oder Zehntausend Schritte zu gehen. Da inzwischen fast jedes Smartphone die täglichen Schritte zählen kann, ist es sehr einfach, dies einmal bewusst in den Blick zu nehmen. So kann man sich also für einen gewissen Zeitraum vornehmen, für zwei oder drei Monate, täglich Zehntausend Schritte zu absolvieren.
Wie oft gehen Sie spazieren?
Für Recherchen und Vorbereitungen von geführten Spaziergangsveranstaltungen gehe ich nicht selten über mehrere Stunden an einem Tag.

Autor:

Alexander Kollek

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