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Gastronomie in Wittgenstein (mit Kommentar)
Erneuerter Corona-Lockdown als Genickbruch

Diana Hundte (Bild) und Stephan Frettlöh vom Westfälischen Hof in Erndtebrück begegnen der Ungewissheit mit Kreativität und Flexibilität. Ein durchaus kräftezehrendes Unterfangen, das bislang aber Erfolg mit sich bringt.
  • Diana Hundte (Bild) und Stephan Frettlöh vom Westfälischen Hof in Erndtebrück begegnen der Ungewissheit mit Kreativität und Flexibilität. Ein durchaus kräftezehrendes Unterfangen, das bislang aber Erfolg mit sich bringt.
  • Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tika Wittgenstein. Aufgeben kommt nicht infrage – die Gastronomen in Wittgenstein wollen kämpfen. Ob der Tatsache, dass sie auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie allerdings durch Präventionsmaßnahmen nur bedingt Einfluss haben, herrscht ein gewisser Zweckoptimismus – begleitet von einer latenten Angst vor einem zweiten Lockdown. Tatsache ist, dass die Fallzahlen steigen, der Kreis Siegen-Wittgenstein weiterhin mindestens am Status eines Risikogebietes kratzt – und damit auch an weiteren Einschränkungen. Die Siegener Zeitung hat mit einigen Restaurant-Inhabern aus dem Altkreis den Stand der Dinge und die Perspektiven eruiert.
Pizzeria Roma in Bad Berleburg ist sich des Risikos bewusst
„Wir machen weiter und schauen, was passiert.

tika Wittgenstein. Aufgeben kommt nicht infrage – die Gastronomen in Wittgenstein wollen kämpfen. Ob der Tatsache, dass sie auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie allerdings durch Präventionsmaßnahmen nur bedingt Einfluss haben, herrscht ein gewisser Zweckoptimismus – begleitet von einer latenten Angst vor einem zweiten Lockdown. Tatsache ist, dass die Fallzahlen steigen, der Kreis Siegen-Wittgenstein weiterhin mindestens am Status eines Risikogebietes kratzt – und damit auch an weiteren Einschränkungen. Die Siegener Zeitung hat mit einigen Restaurant-Inhabern aus dem Altkreis den Stand der Dinge und die Perspektiven eruiert.

Pizzeria Roma in Bad Berleburg ist sich des Risikos bewusst

„Wir machen weiter und schauen, was passiert. Noch merkt man es nicht, dass die Infektionszahlen steigen, aber ich vermute, dass es weniger wird“, erklärte Antonio Andreoli. Der Inhaber der Pizzeria Roma in Bad Berleburg war sich des Risikos der Situation bewusst. Aber: „Wir sind da und machen weiter – solange es geht“, konstatierte Antonio Andreoli, der innerhalb seines Restaurants alle notwendigen Hygienemaßnahmen und Vorkehrungen getroffen hat. Problematisch aber ist, dass in der kalten Jahreszeit jetzt der Außenbetrieb wegfällt – die Terrasse ist witterungsbedingt geschlossen. Die Angst vor einem Rückfall in „alte Zeiten“ ist da. „März und April, als wir nur einen Außer-Haus-Service anbieten konnten, waren schlecht. Da haben wir gerade einmal 20 Prozent der üblichen Einnahmen verbucht“, berichtete der Inhaber. Der Sommer sei „normal gelaufen“. Aber: „Jetzt beginnt die heiße Phase, jetzt beginnt der Winter. Noch ein Lockdown geht nicht – dann wird es kritisch und wir haben ein großes Problem.“

Ratsschänke Bad Laasphe auf der Suche nach Antworten

Ähnlich stellt sich die Situation in der Ratsschänke in Bad Laasphe dar. „Es gibt viele Fragen, aber keine vernünftigen Antworten. Kulis, Speisekarten, Tische – wir reinigen und desinfizieren alles was geht“, berichtete Antonio Paura. Der Mitinhaber des Restaurants hofft, dass ein zweiter Lockdown vermeidbar ist, „sonst werden viele nicht überleben. Viele Betriebe haben erst gar nicht aufgemacht, viele sehen schwarz“, haderte Antonio Paura. Die Ratsschänke will im Fall der Fälle ihren To-go-Service forcieren. „Wir müssen realistisch sein. Ich habe zu meinen Kollegen schon vor Wochen gesagt, dass wir Ostern nicht geöffnet hatten – und Weihnachten nun wohl auch nicht geöffnet haben. Es gibt viele offene Fragen.“

Westfälischer Hof Erndtebrück backt kleine Brötchen

Der Westfälische Hof in Erndtebrück steht vor ähnlichen Problemen. Das Credo des Inhaberpaares Stephan Frettlöh und Diana Hundte ist klar definiert: „Wir haben uns darauf eingestellt, all das, was wir machen, im Kleinen zu planen“, erklärte Diana Hundte. Grundsätzlich zehren sie von den Erfahrungen des Frühjahrs und Sommers: „Wir wissen, wie wie wir nach dem Lockdown wieder angefangen haben – und so rudern wir auch wieder zurück. Fakt ist, dass sich die Personenzahl reduzieren wird. Für uns ändert sich aber erstmal nichts, außer wir müssen wieder schließen.“ Konkret bedeutet dies, dass das Geschäft nicht auf Familienfeiern, sondern auf kleine Gruppen von zwei bis vier Personen ausgerichtet ist – je nachdem, was erlaubt ist. „Wir gehen zudem wieder ein bisschen mehr in Richtung unserer To-go-Aktionen und hoffen, dass wir damit zusätzlich ein bisschen Umsatz generieren können“, erklärte Diana Hundte. Da das Weihnachtsgeschäft wohl „ziemlich kaputt“ ist, bietet der Westfälische Hof etwa „Gans to go“ an. „Weihnachten wird dann eben zuhause gefeiert.“ Geplant ist – im Rahmen dessen, was möglich und erlaubt ist – ein Open-Air-Adventscafé. „Das wird nichts für 200 Personen, sondern alles geschieht im Rahmen. Wir können das Ganze ja kontrollieren, um alle Regeln einzuhalten und Sicherheit zu bieten.“ Aber: „Einen Umsatzverlust gibt es definitiv, darauf stellen wir uns ein. Aber wir bewahren uns Flexibilität“, verriet Diana Hundte. Aus ihrem Herzen machte sie jedoch keine Mördergrube: „Corona ist kräftezehrend.“

Kommentar: Vertrauen ist die Basis Gastronomen müssen in Zeiten der Corona-Pandemie einen Ritt auf der Rasierklinge wagen: Hygienevorschriften, Abstandsregeln und viel Fingerspitzengefühl bei der Registrierung der Gäste auf der einen Seite. Gäste verköstigen, Gewinne generieren und nebenbei noch für eine angenehme Atmosphäre sorgen auf der anderen Seite. Sie müssen nicht weniger als unzählige Interessen unter einen Hut bringen. Der Schlüssel zum Erfolg: Vertrauen. Genau dieses müssen die Gastronomen fast jedes Mal aufs Neue gewinnen. Das bedeutet: Überzeugungsarbeit. Eines von vielen Problemen, über das sich Gastronomen – und nicht nur sie – den Kopf inmitten der Pandemie zerbrechen müssen. Denn über allem steht die Existenzangst. Die Vertrauensbasis, die es braucht, ist aber keine Einbahnstraße. Gastronomen müssen Vertrauen in ihre Gäste haben, darauf setzen, dass sie sich an die Regeln halten. Und die Gastronomen müssen mehr denn je darauf vertrauen können, dass ihre Gäste sich gerade jetzt nicht von ihnen abwenden. Denn es kommt eine Zeit nach Corona – und die Rückkehr zu einer Normalität, die jetzt noch nicht definierbar ist. Um bis dahin zu überleben, braucht es Einnahmen. Fest steht: Der Drang nach Normalität wird nach der Pandemie ungleich größer sein, als er es jetzt bereits für viele Menschen ist – verständlicherweise. Damit es dann aber auch die Möglichkeiten gibt, diesen Drang auszuleben, gilt es, das Angebot des oder sogar der Restaurants des Vertrauens zu unterstützen. Im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten. Vor allem aber: jetzt!

Dies sah auch Friedhelm Bauer so: „Wir können das nur aussitzen und hoffen, dass es keinen zweiten Lockdown gibt“, erklärte der Inhaber des Restaurant „Bauer’s“ in Erndtebrück. Sein Betrieb beachte die Hygienevorschriften detailliert, zudem wolle er das To-go-Geschäft wieder forcieren: „Man kann nur appellieren, dass sich die Menschen an die Vorschriften halten, damit es keinen zweiten Lockdown gibt.“

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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