SZ

Blauröcke können nicht üben
Feuerwehrleute wünschen sich Corona-Impfung

Professionelle Hilfe liefern die freiwilligen Helfer der heimischen Feuerwehr (hier zuletzt beim Brand in Elsoff) – damit jeder Handgriff sitzt, ist Übung notwendig. Ohne Impfung ist das in Corona-Zeiten jedoch nicht möglich.
  • Professionelle Hilfe liefern die freiwilligen Helfer der heimischen Feuerwehr (hier zuletzt beim Brand in Elsoff) – damit jeder Handgriff sitzt, ist Übung notwendig. Ohne Impfung ist das in Corona-Zeiten jedoch nicht möglich.
  • Foto: Martin Völkel (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bw/vc Wittgenstein. Die Reihenfolge der Corona-Schutzimpfungen sorgt immer wieder für Gesprächsbedarf – zuletzt massiv, als die Lehrer und Erzieher nach vorne gezogen wurden, was zu Kritik der Polizeigewerkschaft führte. Bei der Diskussion ging eine andere Gruppe, die auch sehnsüchtig auf Impftermine wartet, aber etwas unter: die Feuerwehrleute. Ursprünglich sollten sie, wie der Erndtebrücker Wehrführer Karl-Friedrich Müller der SZ berichtet, mit den Polizisten zur Prioritätsgruppe zwei gehören. „Wir haben auch schon die Namen der betreffenden Feuerwehrleute notiert“, betont der Gemeindebrandinspektor.

bw/vc Wittgenstein. Die Reihenfolge der Corona-Schutzimpfungen sorgt immer wieder für Gesprächsbedarf – zuletzt massiv, als die Lehrer und Erzieher nach vorne gezogen wurden, was zu Kritik der Polizeigewerkschaft führte. Bei der Diskussion ging eine andere Gruppe, die auch sehnsüchtig auf Impftermine wartet, aber etwas unter: die Feuerwehrleute. Ursprünglich sollten sie, wie der Erndtebrücker Wehrführer Karl-Friedrich Müller der SZ berichtet, mit den Polizisten zur Prioritätsgruppe zwei gehören. „Wir haben auch schon die Namen der betreffenden Feuerwehrleute notiert“, betont der Gemeindebrandinspektor. In erster Linie sollten Kameraden geimpft werden, die bei Einsätzen oft mit Menschen in Kontakt kommen – etwa bei Unfällen mit technischer Hilfeleistung, bei Tragehilfen oder bei Türöffnungen. „Aber es ist nichts passiert, wir haben nichts mehr gehört“, so Karl-Friedrich Müller.

Mitglieder der Feuerwehr zählen bei Corona-Impfung zur Gruppe drei

Das NRW-Gesundheitsministerium erläutert auf Anfrage unserer Zeitung, dass Mitglieder der Feuerwehr auf der dritten Stufe der Priorisierung stehen. „Nach §4 Coronavirus-Impfverordnung haben diese Personen Anspruch auf Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität“, erklärt Marko Martic aus der Pressestelle des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales. „Aufgrund der begrenzten Impfdosen wird derzeit prioritär die erste und mit berufsbezogener Indikation die zweite Impfindikationsgruppe geimpft.“ Das Land hat damit begonnen, auch Menschen, die gemäß Impfverordnung des Bundes zu der Priorisierungsgruppe zwei gehören, sukzessive ein Impfangebot zu unterbreiten. Die Landesregierung passe die Modalitäten fortlaufend an, so Marko Martic weiter. Aktuell hat bekanntlich die Impfung der zweiten Gruppe gerade erst begonnen.

Feuerwehren können seit Monaten nicht üben

„Für uns ist das ein Problem“, sagt der stellv. Kreisbrandmeister Dirk Höbener in aller Deutlichkeit. Mit Ausnahme des vergangenen Sommers, als die Feuerwehr zumindest mal Übungen in kleinen Gruppen hatte durchführen können, sei inzwischen der Aus- und Fortbildungsbetrieb zum Erliegen gekommen. Für gewisse Zeit sei so etwas zwar zu überbrücken, meint der Bad Laaspher Wehrleiter: „Aber Feuerwehr ist Teamarbeit und lebt auch von der ständigen Wiederholung der Handgriffe.“ Heißt: Die Corona-Pandemie hat nichts daran geändert, dass bei Einsätzen wie etwa schweren Unfällen oder Bränden jeder Handgriff sitzen muss. Das gilt für die Kameradinnen und Kameraden, die diesen Dienst im Ehrenamt leisten, ebenso wie für die Berufsfeuerwehren in größeren Städten, die freilich nichts anderes machen. „Wir müssen unser Handwerk beherrschen“, stellt Dirk Höbener klar. In Zeiten, in denen aber die Kontakte minimiert werden müssen, ist an gemeinsame Übungen weiter nicht zu denken. Hinzu kommt die Ungewissheit, dass jede Person, die beispielsweise aus einem Unfallauto befreit werden muss, auch Corona haben könnte – mit entsprechenden Ansteckungsgefahren für Einsatzkräfte.

Impfreihenfolge wirft Fragen auf

Aus Sicht von Dirk Höbener wirft daher die Impfreihenfolge „schon Fragen auf“. In der Truppe sei das Thema frühzeitig diskutiert worden, die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, sei sehr groß: „Wir würden Gewehr bei Fuß stehen.“ Noch weiter geht sein Erndtebrücker Kollege Karl-Friedrich Müller: „Wir würden uns den Impfstoff sogar abholen und mit Oliver Haas haben wir ja einen eigenen Feuerwehrarzt, der diese Impfungen durchführen könnte.“ Feuerwehrleute müssten wieder ihren gewohnten Dienst machen dürfen, findet er: „Seit einem Jahr haben wir jetzt nicht mehr mit Schere und Spreizer üben können und neu dazu gekommene Feuerwehrleute haben noch nie einen Schlauch ausgerollt – wie sollen wir die ausbilden?“ Trotzdem müsse jeder Einsatz ja professionell abgearbeitet werden. Gemeinsame Übungen ohne die Gefahr, dass das Virus bei einer Infektion ganze Einheiten lahmlegen könnte, seien jedoch nur mit Impfungen denkbar. Karl-Friedrich Müller fühlt sich an dieser Stelle daher von der Politik im Stich gelassen.

Es fehlt an Corona-Impfstoff

Klaus Langenberg, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bad Berleburg, sieht diese Problematik ein wenig anders: „Wir würden uns zwar wünschen, dass es möglichst schnell geht. Aber mit Ellenbogen vorzugehen, bringt nichts. Da fallen andere hinten runter. Und bei der Feuerwehr agieren Kameradinnen und Kameraden, die gesund sind und mitten im Leben stehen.“ Wann die Feuerwehr dran sei, könne noch niemand sagen. Es liege nicht an der Impfreihenfolge, „sondern an der Zeitschiene und fehlendem Impfstoff“.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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