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Absturz zwischen Wittgenstein und dem Hochsauerland
Förster findet Flieger-Wrackteile von 1942

Solch eine britische Hampden stürzte damals ab.
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howe Kühhude. Das war schon ein besonderes Gefühl, das der Heimatforscher Peter Schneider aus Schameder hatte, als ihn jetzt der Telefonanruf erreichte. Aus dem benachbarten Sauerland erfuhr er, dass sage und schreibe 78 Jahre nach einem Flugzeugabsturz auf dem Rothaarkamm vor wenigen Wochen Wrackteile zum Vorschein kamen: Metallteile des britischen Hampden-Bombers vom Typ AT 218, der in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1942 auf einer Freifläche bei den Waldungen zwischen Kühhude und Schanze abgestürzt war. Peter Schneider hatte 2009 darüber berichtet.
In dem Buch „Bad Berleburg, eine Kleinstadt am Rande des Krieges“ von Heinz Strickhausen hatte der Autor vor elf Jahren einen entsprechenden Hinweis auf den Absturz der Maschine der Royal Air Force entdeckt.

howe Kühhude. Das war schon ein besonderes Gefühl, das der Heimatforscher Peter Schneider aus Schameder hatte, als ihn jetzt der Telefonanruf erreichte. Aus dem benachbarten Sauerland erfuhr er, dass sage und schreibe 78 Jahre nach einem Flugzeugabsturz auf dem Rothaarkamm vor wenigen Wochen Wrackteile zum Vorschein kamen: Metallteile des britischen Hampden-Bombers vom Typ AT 218, der in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1942 auf einer Freifläche bei den Waldungen zwischen Kühhude und Schanze abgestürzt war. Peter Schneider hatte 2009 darüber berichtet.
In dem Buch „Bad Berleburg, eine Kleinstadt am Rande des Krieges“ von Heinz Strickhausen hatte der Autor vor elf Jahren einen entsprechenden Hinweis auf den Absturz der Maschine der Royal Air Force entdeckt. „Und daraufhin habe ich recherchiert und mich auf die Suche gemacht“, erinnert sich Peter Schneider im SZ-Gespräch. Herausgekommen ist der Artikel „In God’s own time we’ll meet again“ in den Blättern des Wittgensteiner Heimatvereins (2009). Peter Schneider wählte als Überschrift seiner Arbeit ganz bewusst diese Inschrift des Grabsteins eines der drei Todesopfer, die zunächst in Berleburg beigesetzt und später auf dem Commonwealth-Soldatenfriedhof in Hannover-Ahlem begraben wurden.

Für Peter Schneider ein interessantes Gefühl

Dass nun, nach so langer Zeit, drei recht große Teile dieser Maschine gefunden wurden, lassen die Erinnerungen an das Ereignis noch einmal wach werden. „Das ist ein interessantes Gefühl“, so Peter Schneider. Zuerst nochmal zur Gegenwart: Durch einen Zufall entdeckte der Schmallenberger Franz Krämer, Auszubildender zum Forstwirt beim Landesbetrieb Wald und Holz, im Mai dieses Jahres bei der Aufarbeitung einer Windwurffläche zwischen Kyrillpfad und Heidenstock ein in der Sonne blitzendes, rund 1,5 Quadratmeter großes Metallteil.

Franz Krämer, Auszubildender zum Forstwirt, fand bei der Aufarbeitung einer Windwurffläche zwischen Kyrillpfad und Heidenstock drei Trümmerteile der 1942 abgestürzten Hampden.
  • Franz Krämer, Auszubildender zum Forstwirt, fand bei der Aufarbeitung einer Windwurffläche zwischen Kyrillpfad und Heidenstock drei Trümmerteile der 1942 abgestürzten Hampden.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

In Folge des Orkans Sabine waren im Februar Bäume in dem rund 80-jährigen Fichtenbestand umgestürzt. Am Stammfuß einer Fichte fanden sich mehrere
Metallteile. Franz Krämer nahm Kontakt mit dem International Bomber Command Centre in Großbritannien auf und erhielt jetzt die spannende Bestätigung: Bei den Wrackteilen handelt es sich um Überreste der 1942 abgestürzten „Hampden“ der Royal Air Force. Anhand einer eingeprägten Nummer können die drei Bauteile eindeutig der 1942 abgestürzten Maschine zugeordnet werden. Damit bestätigen sich die Recherchen von Peter Schneider. Die weitere Verwendung der Teile muss noch geklärt werden. Jedenfalls möchte sie Franz Krämer der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Für Peter Schneider liegt auf der Hand, dass hier in dem Waldstück womöglich noch mehr zu finden ist. „Da liegen bestimmt noch Teile herum.“ Spannend ist auch, dass von 1942 ein seltenes Foto der Freifläche mit den umherliegenden Wrackteilen der abgestürzten „Hampden“ existiert. Der Schmallenberger Günter Falke hat es vor fast 80 Jahren heimlich aus der Hüfte „geschossen“. Die Fläche muss also damals aufgeforstet worden sein, acht Jahrzehnte später fiel der dortige Wald, der die Metallteile so lange geschützt hatte, einem Orkan zum Opfer.

Britischer Luftangriff auf Essen im April 1942

Auslöser des Absturz-Ereignisses in der besagten Nacht im April 1942 war ein britischer Luftangriff auf die Ruhrgebietsstadt Essen. Beteiligt waren 254 Flugzeuge, darunter 167 Wellington- und 43 Hampden-Bomber. Den Angriff starteten die Briten vom belgischen Charleroi aus, drehten zunächst auf einen nordöstlichen Kurs und schwenkten über dem Sauerland nach Nordwesten.
Deutsche Flak-Batterien schossen aus allen Rohren, sodass der Bomberstrom auseinandergetrieben wurde. Eine der Maschinen kam vom Kurs ab. Sie stürzte auf das freie Feld am Heidenstock, sozusagen zwischen Schanze und Kühhude. Drei Männer der vierköpfigen Besatzung starben: der 20-jährige Pilot Sergeant Henry Charles Weeks, ein Australier, der in Newcastle lebte, dann der 22-jährige Navigator-Pilot Officer David Huntly Johnson, aus Bulawayo im heutigen Simbabwe sowie der 20-jährige Neuseeländer Maurice Young Kennedy, dessen Name und Herkunft damals zunächst gar nicht bekannt war. Der vierte im Bunde war Sergeant Sidney Rickhard aus Plymouth in England. Er überlebte als einziger. Damals lag er auf dem Trümmerfeld, rappelte sich auf, orientierte sich an einer oberirdischen Telefonleitung und schleppte sich schwer verletzt bis an die Tür des Forsthauses in Schanze. Dort klopfte er und stellte sich.
Wie Peter Schneider in seiner umfangreichen Arbeit schildert, wurde Sergeant Rickhard zunächst im „Dulag Luft“, dem Durchgangslager der Luftwaffe in Oberursel, vernommen und als Kriegsgefangener dem Lager Kopernikus Thorn überstellt. Später kehrte Sidney Rickhard nach England zurück. Seine drei Kameraden wurden zunächst „von der Totenhalle des Berleburger Krankenhauses aus mit militärischen Ehren beigesetzt“, wie Peter Schneider berichtet. Im Berleburger Kirchenbuch sind die toten Soldaten eingetragen.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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