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Unternehmen in Wittgenstein
Harter Corona-Lockdown führt zu mehr Kurzarbeit

Auf dem Arbeitsmarkt hat die sogenannte Kurzarbeit in Betrieben wohl eine Entlassungswelle verhindert. Aufgrund des harten Lockdowns müssen jedoch erneut vermehrt heimische Unternehmen auf das Instrument zurückgreifen.
  • Auf dem Arbeitsmarkt hat die sogenannte Kurzarbeit in Betrieben wohl eine Entlassungswelle verhindert. Aufgrund des harten Lockdowns müssen jedoch erneut vermehrt heimische Unternehmen auf das Instrument zurückgreifen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ako Wittgenstein.  Dass die Zahl der Arbeitslosen in Siegen-Wittgenstein zum Beginn des neuen Jahres weniger gestiegen ist als erwartet, ist in Zeiten, in denen die Pandemie weitreichende Folgen für die Wirtschaft hat, eine vergleichsweise gute Neuigkeit. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass viele Unternehmen weiterhin verstärkt das Instrument der Kurzarbeit nutzen (die SZ berichtete). Die verkürzte Arbeitszeit, die bei einer entsprechenden Kürzung des Lohnes von Betrieben wegen Auftragsmangel oder ähnlichem angeordnet werden kann, verhindert dabei, dass Mitarbeiter entlassen werden müssen. Allerdings hat der harte Lockdown dazu geführt, dass gegenwärtig wieder mehr Betriebe auf das Instrument zurückgreifen müssen.

ako Wittgenstein.  Dass die Zahl der Arbeitslosen in Siegen-Wittgenstein zum Beginn des neuen Jahres weniger gestiegen ist als erwartet, ist in Zeiten, in denen die Pandemie weitreichende Folgen für die Wirtschaft hat, eine vergleichsweise gute Neuigkeit. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass viele Unternehmen weiterhin verstärkt das Instrument der Kurzarbeit nutzen (die SZ berichtete). Die verkürzte Arbeitszeit, die bei einer entsprechenden Kürzung des Lohnes von Betrieben wegen Auftragsmangel oder ähnlichem angeordnet werden kann, verhindert dabei, dass Mitarbeiter entlassen werden müssen. Allerdings hat der harte Lockdown dazu geführt, dass gegenwärtig wieder mehr Betriebe auf das Instrument zurückgreifen müssen.

Zahl der Kurzarbeiter steigt

„Die Zahl der Kurzarbeiter ist seit März letzten Jahres gestiegen. Die höchsten Werte wurden im April erreicht – diese lagen teilweise auch über den Werten der damaligen Finanzkrise. Nachdem sich in den Sommermonaten die Lage auf dem Arbeitsmarkt etwas entspannt hat, konnten einige Unternehmen die Kurzarbeit beenden. Aufgrund des erneuten Lockdowns sind viele Betriebe erneut gezwungen, Kurzarbeit zu nutzen. Das sehen wir an steigenden Zahlen der Anzeigen seit November 2020“, erklärte Nina Appel, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Siegen, auf Anfrage der SZ.
Diese Tendenzen lassen sich auch auf den Altkreis übertragen, wie eine aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Denn während in Wittgenstein im vergangenen Oktober lediglich drei Anzeigen mit potenziell 14 betroffenen Personen gestellt wurden, ist die Zahl der Anzeigen bereits im November deutlich angestiegen – 26 Betriebe mit 172 potenziell betroffenen Personen.
Im Dezember haben zwar mehr Betriebe Kurzarbeit angezeigt (31), allerdings ist die Zahl der potenziell betroffenen Personen leicht gesunken (166). Die aktuellsten Hochrechnungen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit liegen für Juli 2020 vor. In diesem Monat haben im Altkreis 156 Betriebe mit 2724 betroffenen Arbeitnehmern Kurzarbeit umgesetzt.
Die SZ gibt einen Überblick über die aktuellsten Zahlen in den drei Wittgensteiner Kommunen:

Zwölf Betriebe aus Bad Berleburg machen Kurzarbeit

Bad Berleburg: Zwölf Betriebe aus dem Raum Bad Berleburg haben im vergangenen Dezember Kurzarbeit angezeigt, 51 Mitarbeiter wären davon betroffen. Zum Vergleich: Im November waren es noch 14 Betriebe mit insgesamt 82 betroffenen Mitarbeitern. Die Zahl der tatsächlich realisierten Kurzarbeit in der Odebornstadt beläuft sich auf 72 Betriebe und 1500 Arbeitnehmer (Stand: Juli 2020).
Bad Laasphe: In der Lahnstadt haben zwölf Betriebe im vergangenen Dezember Kurzarbeit angezeigt, betroffen wären 58 Personen. Im November waren es acht Betriebe und 53 betroffene Mitarbeiter. Im Monat Juli 2020 haben in der Lahnstadt 50 Betriebe mit insgesamt 630 Arbeitnehmern tatsächlich Kurzarbeitergeld bezogen.
Erndtebrück: Sieben Betriebe aus der Edergemeinde haben im vergangenen Dezember Kurzarbeit angezeigt, betroffen wären 57 Personen. Einen Monat zuvor hatten vier Betriebe mit 37 betroffenen Mitarbeitern Kurzarbeit angezeigt. 34 Betriebe der Gemeinde Erndtebrück haben im Juli 2020 tatsächlich Kurzarbeit umgesetzt. Die Anzahl der betroffenen Beschäftigten lag in diesem Monat bei 594.

Die meisten Kurzarbeiter kommen aus dem verarbeitenden Gewerbe

Die aktuelle Auswertung zur angezeigten und realisierten Kurzarbeit (Stand Januar) zeigt auch, welche Wirtschaftsbranchen seit Beginn der Corona-Pandemie am häufigsten auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgegriffen haben. Allerdings liegen hierbei nur Zahlen auf Kreisebene – und nicht auf Gemeindeebene – vor. So ist die Anzahl der Betriebe, die tatsächlich im Juli 2020 Kurzarbeit genutzt haben, im „Verarbeitenden Gewerbe“ und im Bereich „Allgemeiner Handel und Instandhaltung Kfz“ auffällig hoch.
Betrachtet man jedoch die Zahlen der betroffenen Arbeitnehmer, stellt sich heraus, dass der größte Teil im verarbeitenden Gewerbe tätig ist: 8417 von den insgesamt 13.940 von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmern werden dieser Branche zugeordnet. „Das ist aber natürlich auch den Strukturen in unserer Region geschuldet“, so Nina Appel. Dem gegenüber ist zum Beispiel die Zahl der betroffenen Personen im Baugewerbe (187) oder auch aus dem Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (128) im Kreisgebiet sehr gering. Ein Blick auf die insgesamt 272 Anzeigen im Kreis Siegen-Wittgenstein von Dezember 2020 – im November waren es 222 Anzeigen – verrät ein ähnliches Bild. Die meisten Betriebe, die Kurzarbeit angezeigt haben, sind den Branchen verarbeitendes Gewerbe (39) – hier wären 1049 Personen betroffen – und „Allgemeiner Handel und Instandhaltung Kfz“ (79) – hier wären 1795 Arbeitnehmer betroffen – zuzuordnen. Zu nennen sind aber auch die 31 Anzeigen aus dem Gastgewerbe mit 132 betroffenen Mitarbeitern.

Kurzarbeit: Neue Regelungen betreffen Umgang mit Urlaub Bei dem Kurzarbeitergeld handelt es sich um ein zweistufiges Instrument, das den Betrieben erlaubt, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte zu halten: „Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an und gehen mit der Auszahlung des Lohnersatzes in Vorleistung. Die Betriebe können innerhalb von drei Monaten die erforderliche Abrechnungsliste einreichen. Erst dann liegen endgültige Daten vor, wie viele Personen kurzgearbeitet haben und in welchem Umfang“, erklärte Nina Appel auf Anfrage der SZ. Laut der Pressesprecherin der Agentur für Arbeit kann Kurzarbeitergeld grundsätzlich bis zu zwölf Monate bezogen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Bezugsdauer jedoch mit folgenden Voraussetzungen verlängert. Für 2021 gilt: Hat das Unternehmen bis 31. Dezember 2020 Kurzarbeit eingeführt und bei der Arbeitsagentur angezeigt, kann Kurzarbeitergeld bis zu 24 Monate bezogen werden. Bis Ende 2020 gilt: Hat ein Unternehmen bis 31. Dezember 2019 Kurzarbeit eingeführt und bei der Arbeitsagentur angezeigt, kann Kurzarbeitergeld bis zu 21 Monate bezogen werden. „Bei Unterbrechungen der Kurzarbeit von drei Monaten oder länger muss Kurzarbeit wieder neu angezeigt werden“, betonte Nina Appel. Die Bundesagentur für Arbeit hat bis zum 31. Dezember 2020 aufgrund der Pandemie nicht verlangt, dass Arbeitnehmer ihren Erholungsurlaub aus dem laufenden Jahr einsetzen, um Kurzarbeit zu vermeiden. Seit dem 1. Januar muss Erholungsurlaub zur Vermeidung der Kurzarbeit eingebracht werden, aber nur wenn die Urlaubswünsche der Arbeitnehmer dem nicht entgegenstehen. Besteht eine Urlaubsplanung für 2021, zum Beispiel durch eine Urlaubsliste, einen Urlaubsplan oder Betriebsferien, muss dieser nicht vorher zur Vermeidung von Kurzarbeit eingebracht werden. Der Urlaub wird dann zu den geplanten Zeiten genommen. Resturlaub aus 2019 muss eingesetzt werden, bevor er verfällt. Gibt es keine Urlaubsplanung, muss gegen Ende des Urlaubsjahres 2021 der Antritt von Urlaubsansprüchen zur Vermeidung von Kurzarbeit festgelegt werden. Das gilt aber nur, wenn der Urlaub nicht in das Urlaubsjahr 2022 übertragen werden kann.
Autor:

Alexander Kollek

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