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Thorsten Latzel neuer Präses der EKiR
„Ich merke die Größe der Verantwortung“

Thorsten Latzel wurde in Biedenkopf geboren und ist in Bad Laasphe aufgewachsen. Dort hat er auch das Schlossgymnasium besucht. Am kommenden Samstag tritt er sein neues Amt als Präses der Evangelischen Landeskirche im Rheinland an.
  • Thorsten Latzel wurde in Biedenkopf geboren und ist in Bad Laasphe aufgewachsen. Dort hat er auch das Schlossgymnasium besucht. Am kommenden Samstag tritt er sein neues Amt als Präses der Evangelischen Landeskirche im Rheinland an.
  • Foto: Foto: ekir.de/ Dominik Asbach
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ako Wittgenstein. Thorsten Latzel ist im Januar zum Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und damit zum Nachfolger von Manfred Rekowski gewählt worden. Der 50-jährige Theologe, Pfarrer und Blogger, der derzeit noch mit seiner Familie in Darmstadt wohnt, stammt ursprünglich aus Wittgenstein. Zuletzt leitete er als Direktor die Evangelische Akademie in Frankfurt. Die offizielle Amtseinführung findet am Samstag, 20. März, statt und wird live im Fernsehen übertragen. Im SZ-Interview spricht der verheiratete Familienvater über seinen Bezug zur heimischen Region, warum es ihn nach Hessen zog und welche Pläne er in seinem neuen Amt hat.
Herr Latzel, Sie wurden in Biedenkopf geboren, haben in Bad Laasphe gewohnt und das Schlossgymnasium besucht. Welchen Bezug haben Sie heute zur Region?

ako Wittgenstein. Thorsten Latzel ist im Januar zum Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und damit zum Nachfolger von Manfred Rekowski gewählt worden. Der 50-jährige Theologe, Pfarrer und Blogger, der derzeit noch mit seiner Familie in Darmstadt wohnt, stammt ursprünglich aus Wittgenstein. Zuletzt leitete er als Direktor die Evangelische Akademie in Frankfurt. Die offizielle Amtseinführung findet am Samstag, 20. März, statt und wird live im Fernsehen übertragen. Im SZ-Interview spricht der verheiratete Familienvater über seinen Bezug zur heimischen Region, warum es ihn nach Hessen zog und welche Pläne er in seinem neuen Amt hat.
Herr Latzel, Sie wurden in Biedenkopf geboren, haben in Bad Laasphe gewohnt und das Schlossgymnasium besucht. Welchen Bezug haben Sie heute zur Region?
Wittgenstein ist eine Heimat, in der ich groß geworden bin, die ich sehr schön finde, wo ich meine Kindheit und Jugend zugebracht habe. Hier habe ich meine erste, wesentliche kirchliche Prägung erfahren dürfen. Ich war in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit tätig und konnte dort sehr viel lernen und mitnehmen. Eine tolle und intensive Gemeinschaftserfahrung, zugleich mit einem weltoffenen, freien Glauben.
Wann waren Sie das letzte Mal hier?
Das war vor ungefähr zwei Wochen. Meine Eltern wohnen in Bad Berleburg, und meine Schwester ist dort Pfarrerin. Ich habe noch viele Freunde in Wittgenstein. Das Gebiet liegt mir sehr am Herzen.
Sie haben ihre Schwester, Claudia Latzel-Binder, bereits angesprochen. Haben Sie noch viel Kontakt?
Ja, sicher, wir haben erst gestern Abend telefoniert. Wir haben einen sehr guten, familiären Austausch und ich schätze auch die Arbeit meiner Schwester sehr. Die macht eine tolle Gemeindearbeit.
Ihre ersten Stationen nach dem Studium in Marburg waren im Kirchenkreis
Hanau-Land als Vikar in Rodenbach und dann als Pfarrer in Erlensee – beides im Main-Kinzig-Kreis. War eine Stelle in der Heimat keine Option für Sie?

Ich habe zum Vikariat die Landeskirche gewechselt, weil meine Frau Studienrätin in Hessen gewesen ist. Das war damals eine Zeit, in der es einen Überhang an Pfarrerinnen und Pfarrern in der Westfälischen Landeskirche gab. Die Liebe hat mich nach Hessen getrieben.
Sie werden nun der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Die Rheinische Landeskirche ist eine faszinierende Kirche. Die zweitgrößte Landeskirche der EKD (Anm. d. Red. Evangelische Kirche in Deutschland), mit 2,4 Millionen Mitgliedern in vier unterschiedlichen Bundesländern. In der Tradition der Barmer Theologischen Erklärung sehr politisch, wach und engagiert. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit vielen Menschen auf allen kirchlichen Ebenen zur Zukunftsfähigkeit unserer Kirche beizutragen.
Mit welchen Vorstellungen wollen Sie die Evangelische Kirche im Rheinland leiten?
Drei Themen werden mir für die kommende Zeit besonders wichtig sein. Erstens Mitgliederorientierung: Wir als Kirche wollen für alle Menschen da sein, sie stärken, ihnen Mut machen, damit sie ihren evangelischen Glauben leben können. Der zweite Punkt ist: Was kommt nach Corona? Das ist eine Frage, die viele Menschen umtreibt. Das dritte Thema ist ein geistliches Thema. Die große Frage: Was gibt uns Hoffnung? Gerade mit Blick auf vielfältige andere Krisen jenseits von Corona. Sei es die Klimakrise oder zunehmende Konflikte weltweit. Und für uns als Christinnen und Christen ist Gott Grund unserer Hoffnung.
Wieso genau diese drei Themen?
Das sind Themen, die ich in vielen Gesprächen immer wieder von Menschen höre. Wobei sich das Hoffnungsthema nicht nur an Christen richtet und nicht nur an die Gemeinden, sondern wirklich insgesamt an unsere Gesellschaft.
Gibt es schon konkrete Pläne, die Sie in Ihrem neuen Amt umsetzen wollen?
Zunächst einmal werde ich viele Menschen besuchen, mit anderen sprechen, die guten Kontakte der Evangelischen Kirche im Rheinland zu unseren ökumenischen Partnern, zur Politik, zur Kultur und zur Gesellschaft pflegen. Zudem gibt es viele Projekte. Die Synode hat sich jetzt nochmal dafür stark gemacht, dass wir Partizipation weiter stärken wollen, also die Teilhabemöglichkeit von Menschen an Entscheidungsprozessen in der Kirche. Daran werden wir weiter arbeiten.
Wie wollen Sie die Menschen denn heute noch für die Kirche begeistern?
Die Relevanz der Kirchen liegt begründet in ihrer Botschaft. Wir haben eine Botschaft der Hoffnung, die wir an andere Menschen weitergeben können. Und das wollen wir auch weiter tun. Gerade in einer Zeit, die sehr anspruchsvoll ist, die Menschen aufgrund von Beschleunigungsprozessen zum Teil als belastend erfahren. Wir bieten als Kirche Räume, in denen man zu sich selbst finden kann. Räume, um über die Orientierung des eigenen Lebens nachdenken zu können. Wir werden weiter auf Menschen zugehen. Sei es bei Besuchen zu Hause, sei es in der schulischen Arbeit, in der Diakonie. Da sind wir sehr breit aufgestellt. Und das werden wir auch in Zukunft sein. Auch wenn wir an Stellen sparen müssen, werden wir trotzdem weiter Kirche für andere sein.
Was heißt an „Stellen sparen“?
Uns geht es ja so wie auch anderen Institutionen. Dass Corona nicht spurlos an uns vorübergeht, aber auch, dass wir weniger kirchliche Mittel haben als in früheren Jahren. Und das bedeutet, dass wir sparen werden, indem wir noch stärker zusammenarbeiten auf allen kirchlichen Ebenen. Wir werden uns in Zukunft nicht alles leisten können, was wir früher gemacht haben.
Wie wichtig werden digitale Formate in Zukunft für die Evangelische Kirche sein?
Es gab während der Corona-Zeit eine richtige Kreativitätsexplosion in der Evangelischen Kirche. Viele Gottesdienste haben online stattgefunden. Es gab Gesprächsmöglichkeiten, Vorträge vielfältigster Art. Und wir werden auch nach Corona nicht in frühere Formen zurückkommen, sondern wir werden diese Vielfalt der digitalen Kommunikation weitergehen. Uns ist es wichtig als Evangelische Kirche, auf allen Kommunikationswegen Menschen zu erreichen, und dafür spielen Digitalisierung und Soziale Medien eine wichtige Rolle. Hier ist auch die Evangelische Kirche im Rheinland schon seit vielen Jahren sehr stark engagiert.
Welche Herausforderungen ergeben sich persönlich für Sie, in Zeiten der Corona-Krise das Amt zu wechseln?
Mir geht es wie vielen anderen Menschen auch, dass ich natürlich diese Einschränkungen erlebe. Ganz konkret heißt das, dass etwa bei meiner Einführungsfeier nur 60 bis 70 Menschen dabei sein können. Ein Gottesdienst, wo wir sonst in den Jahren über 1000 Teilnehmende hatten. Das ist schade, das ist ein echter Verlust. Es ist uns aber auch wichtig, dass wir einander schützen. Und ich bin sehr froh, dass auch die Gottesdienste, die wir in der Corona-Zeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland gehabt haben, nie zu einem Hotspot geworden sind, nie zu einer Infektionsgefahr.
Ihre Amtseinführung wird live im Fernsehen übertragen. Sind Sie schon etwas aufgeregt?
Ja, aber freudig. Ich freue mich sehr auf die Einführung. Ich fühle mich beschenkt, dass ich dieses Amt ausüben darf und merke zugleich aber auch die Größe der Verantwortung, die damit verbunden ist. Und beides prägt einen an dieser Stelle. Die Vorfreude ist aber prägender. Man merkt, dass es etwas richtig Besonderes ist. Und das lässt mich auch achtungsvoll davor sein. Nicht nervös, aber achtungsvoll.

Zur Person:

Thorsten Latzel wurde im Jahr 1970 im hessischen Biedenkopf geboren und ist in Bad Laasphe aufgewachsen. In der Lahnstadt besuchte er auch das Gymnasium Schloss Wittgenstein. Von 1990 bis 1997 studierte er Evangelische Theologie an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt war er als Direktor der Evangelischen Akademie in Frankfurt tätig. Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland wählte den Theologen und Pfarrer am 14. Januar 2021 zum Präses. Er tritt die Nachfolge von Manfred Rekowski an, der in den Ruhestand geht. Der 50-Jährige ist damit der Erste in diesem Amt, der nicht unmittelbar vorher Pfarrer der EKiR war. Das Amt des leitenden Geistlichen der zweitgrößten deutschen Landeskirche mit 2,4 Millionen Mitgliedern wird er die kommenden acht Jahre lang bekleiden. Die offizielle Amtseinführung findet am Samstag, 20. März, statt und wird live im Fernsehen übertragen. Thorsten Latzel wohnt in Darmstadt, ist verheiratet und hat drei Kinder – Josephine, Charlotte und Julius.

Autor:

Alexander Kollek

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