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Alle brennen auf Normalität
Jugendwehren seit Monaten im Lockdown

Die Jugendfeuerwehren können aktuell keinen Übungsdienst versehen, genauso wie die aktiven Feuerwehrleute. Seit Monaten werden die Jungen und Mädchen regelrecht „bespaßt“, damit sie der Feuerwehr möglichst treu bleiben.
  • Die Jugendfeuerwehren können aktuell keinen Übungsdienst versehen, genauso wie die aktiven Feuerwehrleute. Seit Monaten werden die Jungen und Mädchen regelrecht „bespaßt“, damit sie der Feuerwehr möglichst treu bleiben.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

howe Wittgenstein. „Die Situation ist haarsträubend für uns“, sagt einer von vielen Herzblut-Feuerwehrleuten. Klaus Langenberg, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Bad Berleburg, befindet sich da genauso in der Zwickmühle wie alle anderen Kameraden auch. Problem: Würde man der Feuerwehr zurzeit erlauben, Übungsdienste durchzuführen, vielleicht auch in Kleinstgruppen, bräuchte es nur einen einzigen Mann, der sich das Virus holen würde. Dann wäre die gesamte Einheit lahmgelegt und die Feuerwehr schlicht und einfach nicht mehr einsatzbereit.

howe Wittgenstein. „Die Situation ist haarsträubend für uns“, sagt einer von vielen Herzblut-Feuerwehrleuten. Klaus Langenberg, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Bad Berleburg, befindet sich da genauso in der Zwickmühle wie alle anderen Kameraden auch. Problem: Würde man der Feuerwehr zurzeit erlauben, Übungsdienste durchzuführen, vielleicht auch in Kleinstgruppen, bräuchte es nur einen einzigen Mann, der sich das Virus holen würde. Dann wäre die gesamte Einheit lahmgelegt und die Feuerwehr schlicht und einfach nicht mehr einsatzbereit. Andererseits: Bleibt alles so, wie es aktuell ist und die Feuerwehr befindet sich eben wegen dieser Ansteckungsgefahr seit Monaten im Lockdown, findet auch keine Ausbildung statt, sind Kameradschaft und Zusammenhalt auf Null gefahren und gehen gerade junge Leute der Feuerwehr verloren. „Der eine oder andere geht, da müssen wir uns nichts vormachen“, befürchtet Klaus Langenberg. „Es wird Jugendliche geben, die weggehen.“

Kritische Infrastruktur

Besonders deutlich beschreibt Bad Laasphes Feuerwehr-Chef Dirk Höbener, zugleich stellv. Kreisbrandmeister, die Situation: „Irgendwann müssten wir mal wieder zurück in ein normales Dienstgeschehen. Aber wir hängen in den Inzidenz-Zahlen.“ Die Feuerwehr sei eben „kritische Infrastruktur“, weil sie es sich nicht leisten könne, infiziert zu werden. „Aber das Gefüge bröckelt“, sagt Dirk Höbener einen Satz, der sehr zum Nachdenken anregt. „Während wir seit März im Lockdown waren, waren Aktivitäten in den Sportvereinen zum Teil noch möglich“, erinnert sich Erndtebrücks Leiter der Feuerwehr, Karl Friedrich Müller. „Wir hatten im Sommer schon viele Feuerwehrleute verloren. Viele sind zum Fußball oder woanders hingegangen. Einer wollte lieber angeln. Das geht an die Psyche.“ Dirk Höbener beschreibt die Sache so: „Die Feuerwehr lebt davon, sich regelmäßig zu treffen. Da kann man nicht einfach mal ein Jahr aussetzen.“ Das Miteinander gehe verloren, das Zwischenmenschliche und der Team-Gedanke. „Das tut weh. Das nagt“, so Dirk Höbener. Und die Kinder und Jugendlichen, die seien schnell abgelenkt. Erst war die Feuerwehr der Renner, dann was anderes oder eben nichts mehr. Kein Bock. „Das Problem ist uns bewusst. Wir haben aber im Moment keine Lösung“, klagt Dirk Höbener. Wobei das ja kein spezifisches Leid der Siegen-Wittgensteiner Feuerwehren ist. „Im Märkischen Kreis ist das genauso wie in Düsseldorf.“

Übungen nach Impfung?

Er habe ja die Hoffnung, dass aufgrund der bevorstehenden Impfungen dann wieder Übungen der Feuerwehr stattfinden könnten. Derweil versuchen die Jugendfeuerwehrwarte alles, um die Feuerwehr „am Leben zu halten“, wie es Dirk Höbener formuliert. In Bad Laasphe werden seit dem ersten Lockdown regelmäßig Informationen und Motivationspakete gestreut. Im Sommer gab es Stockbrotteig zum Selbermachen in der Packung, einen Mund-Nasen-Schutz mit Stadtwappen, sogar einen Einkaufsgutschein für den örtlichen Einzelhandel, Aufgaben und Bastelanleitungen. Kürzlich freuten sich die Kinder über einen Holzbausatz, in Kürze soll ein Knoten- und Stiche-Paket mit Überraschung eintreffen. „Wir wollen die Kinder bespaßen, nach dem Motto ,Hallo, wir sind noch da’.“ Mehr könne man im Moment nicht tun. „Ich bin froh, dass wir so eine Jugend- und Kinderfeuerwehrtruppe haben“, sagt Dirk Höbener. Auch in Erndtebrück hat die Feuerwehr ihren Nachwuchs „das ganze Jahr über mit Geschenken motiviert“, erzählt Karl Friedrich Müller. „An die Jugendlichen wurden Rucksäcke ausgegeben, hier hat sich Bürgermeister Henning Gronau stark engagiert.“ Ziel sei, die jungen Leute „bei der Stange zu halten“. Karl Friedrich Müller: „Wir haben schon im Sommer Aktive verloren.“ Auch in der Jugendfeuerwehr sei durch die Pandemie das Interesse hier und da weniger geworden. Während sich die Feuerwehr sozusagen komplett im Lockdown befunden habe, seien Sportvereine weiter aktiv gewesen.

Kinder bei Laune halten

In Bad Berleburg hat man übrigens auf die Motivationspakete für die Jugendfeuerwehr verzichtet. „Wir haben digital was für die Kids gemacht“, verrät Klaus Langenberg: eine Zeitung erstellt, Spielanregungen gegeben oder die Bad Berleburger Wehr war mit einem Quiz in der Pipeline. „Es geht darum, die Kinder bei Laune zu halten.“ Schade sei es für diejenigen, die eigentlich von der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr überstellt würden. „Es wird sicher auch welche geben, die weggehen.“ Eine große Hoffnung haben die Wehrführungen ja. Dirk Höbener bringt das als stellvertretender Kreisbrandmeister so auf den Punkt: Feuerwehr ist interessant für Jugendliche, da geschieht was. Ich denke, wenn es wieder losgeht, wird es wieder werden.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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