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Corona-bedingter Schaden enorm (mit Kommentar)
Vereinsleben brennt auf Sparflamme

Bislang sind sportliche Wettkämpfe und der Übungsbetrieb noch möglich – wie lange dies für den Schießsport der Fall ist, bleibt abzuwarten. Bilder wie dieses scheinen allerdings aus einer vollkommen anderen Zeit zu stammen – derartig geringe Abstände sind derzeit unmöglich. Doch für Schützen sind die Konsequenzen weitreichender.
  • Bislang sind sportliche Wettkämpfe und der Übungsbetrieb noch möglich – wie lange dies für den Schießsport der Fall ist, bleibt abzuwarten. Bilder wie dieses scheinen allerdings aus einer vollkommen anderen Zeit zu stammen – derartig geringe Abstände sind derzeit unmöglich. Doch für Schützen sind die Konsequenzen weitreichender.
  • Foto: Timo Karl (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tika Wittgenstein. Der Schaden, den die Corona-Pandemie angerichtet hat, lässt sich noch nicht beziffern – nicht finanziell, nicht ideell. Auch deshalb, weil die zweite Welle gerade erst begonnen hat. Derweil haben Schieß- und Schützenvereine in Wittgenstein bereits vor Monaten eine Vielzahl von Maßnahmen getroffen, um einen möglichen zweiten Lockdown zu verhindern.
Der Laaspher Schützenverein will an dieser Marschroute festhalten. Das bestehende Hygienekonzept wollen die Lahnstädter notfalls verschärfen. „Zuletzt haben wir vorsichtig damit begonnen, dass nach dem Training auch mal zwei Bier getrunken werden dürfen – das stellen wir nun wieder komplett ein“, berichtete Michael Wammich.

tika Wittgenstein. Der Schaden, den die Corona-Pandemie angerichtet hat, lässt sich noch nicht beziffern – nicht finanziell, nicht ideell. Auch deshalb, weil die zweite Welle gerade erst begonnen hat. Derweil haben Schieß- und Schützenvereine in Wittgenstein bereits vor Monaten eine Vielzahl von Maßnahmen getroffen, um einen möglichen zweiten Lockdown zu verhindern.
Der Laaspher Schützenverein will an dieser Marschroute festhalten. Das bestehende Hygienekonzept wollen die Lahnstädter notfalls verschärfen. „Zuletzt haben wir vorsichtig damit begonnen, dass nach dem Training auch mal zwei Bier getrunken werden dürfen – das stellen wir nun wieder komplett ein“, berichtete Michael Wammich. Der Vorsitzende verdeutlichte, dass dies auch für eine Vermietung der Vereinslocation gilt – und für sämtliche geplante Aktivitäten. Alles ist ausgefallen oder fällt aus. Und damit fallen auch die Einnahmen weg. Der finanzielle Schaden für die Schieß- und Schützenvereine ist groß. „Meine ganz persönliche Meinung ist, dass sich dieser Zustand auch auf die kommende Festsaison ausweiten wird. Wir müssen eher auf 2022 hoffen – alles andere wäre unseriös. Traditionsvereine haben generell Probleme, fast jeder Verein ist auf Vermietung angewiesen. Wir hoffen das Beste, aber zwei, drei Jahre werden wir das auch nicht schaffen.“

Schützenverein Feudingen hält nur Trainingsbetrieb aufrecht

Der Schieß- und Schützenverein Feudingen hat seine Aktivitäten ebenfalls auf den Trainingsbetrieb heruntergefahren. „Damit nicht zu viele Mitglieder an den Schießständen stehen, haben wir eine Anmeldung per Whatsapp eingerichtet. Der Thekenbetrieb hat allerdings gar nicht erst geöffnet, weil wir das Schützenhaus stromtechnisch auf den neuesten Stand bringen“, berichtete Wolfgang Dickel. Der Vorsitzende und seine Mitstreiter haben das Schützenheim modernisiert und damit die maue Zeit genutzt. Doch auch den Feudingern brechen Einnahmen weg, derweil die Ausgaben durch die Sanierung hoch sind.

Kommentar: Vereinsleben gehört in Wittgenstein zur DNA Man muss leider kein Schwarzseher sein, um zu erkennen, dass die Corona-Krise nicht nur eine Gefahr für unsere Gesundheit ist, darüber hinaus für die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch für unser gesellschaftliches Leben. Und damit auch für das Vereinsleben, das im Frühjahr bereits komplett am Boden lag und im Sommer ganz zaghaft wieder zu erblühen begann, was bei all den Ein- und Beschränkungen in diesen Tagen im Ehrenamt gar nicht so einfach ist. Viele Vereine mussten sich mit Hygiene- und Abstandskonzepten beschäftigen, haben sich in Verzicht geübt und Versammlungen und Feste abgesagt. Immerhin war Training und etwas geselliges Beisammensein an den allwöchentlichen Stammtischen wieder erlaubt, wenn eben die Schutzkonzepte vorlagen. Und jetzt? Da trifft die Corona-Krise erneut die Vereine, denn der geforderte Verzicht auf Geselligkeit gilt für sie besonders, denn das Zusammensein ist ein wesentlicher Bestandteil von Vereinen. Zum zweiten Mal binnen eines Jahres muss deren Tätigkeit quasi auf Null zurückgefahren werden. Nun könnte man leichtfertig sagen, dass eben dieser Verzicht noch zu den leichteren gehören mag. Aber gerade im ländlichen Raum gehört das Vereinsleben zur DNA der Menschen. Hier, wo es kein so großes Angebot in den Bereichen Kultur und Freizeit außerhalb unserer Vereine gibt, fällt dieser Verzicht schwerer als in der Anonymität großer Städte. Und letztlich besteht bei so manchem Verein die Gefahr, ob er überhaupt einen weiteren Neustart hinbekommt, denn in vielen Vereinen war die Zahl der Aktiven schon vor Corona nicht mehr so hoch. Und leider sind es häufig die Älteren, also die Mitglieder der Risikogruppe, die zu den Aktiven gehören. Wie in der Wirtschaft gilt hier: Wer bereits vor Corona seine Schwierigkeiten hatte, den trifft die Situation noch etwas härter. Es wäre um jeden Verein, dem die Krise womöglich den sprichwörtlichen Todesstoß versetzt, schade, denn es ist doch gerade die Vielfalt, die unser Vereinswesen ausmacht. Daher mein Appell: Jetzt gilt es zu verzichten, aber geben Sie in den Vereinen Gas, wenn der Neustart erfolgt und Corona zur bösen Erinnerung verblasst.

„Wir müssen baulich einiges in die Hände nehmen, nachdem wir uns in den vergangenen Jahren mehr auf den Schießsport konzentriert haben“, wusste Wolfgang Dickel. Das Problem: Fördergelder stehen nicht zur Verfügung – und deshalb bereute Vorsitzende einen folgenreichen Schritt. „Für uns kommt kein Fördertopf infrage. Es war vielleicht verkehrt, aus dem Westfälischen Schützenbund auszutreten – dieser Tatsache müssen wir nun Tribut zollen. Es gab Gründe für den WSB-Austritt, aber wenn man die jetzt gegenhält, war es ein riesiger Fehler“, haderte Wolfgang Dickel. Durch den Austritt aus dem WSB ist der Verein automatisch auch aus dem Landessportbund ausgeschieden – und hat damit keine Möglichkeit mehr, an Fördermittel zu gelangen. „Da hängt – losgelöst von Corona – einiges dran“, erklärte der Vorsitzende, der dann noch einmal auf die Pandemie und ihre Folgen zurückkam: „Wir haben alle die gleichen Probleme und würden gern loslegen – aber wir haben Angst, dass dann alles zusammenbricht.“ Dass der Verein über alternative Einnahmequellen nachdenkt, daraus machte Wolfgang Dickel keinen Hehl. Derzeit bleiben nur die Mitgliedsbeiträge.

Auch der Wettkampf steht auf der Kippe

„Das Schlimme ist, dass alle geplanten Aktivitäten – gerade zum Jahresende – abgesagt werden mussten. Selbst der sportliche Wettkampf steht auf der Kippe“, wusste Thomas Knebel. Der Vorsitzende des Schützenvereins Berghausen hoffte, dass zumindest die Jahreshauptversammlungen nach der Jahreswende „einigermaßen durchführbar sind“. „Wir wollen gute Traditionen bewahren, gerade bei Schützenvereinen ist da Obacht geboten. Denn wenn eine weitere Saison lang alles ausfällt, kann es sein, dass es einen Bruch gibt. Irgendwann können wir Schützenfeste, Gemeinschaft und Frohsinn nicht mehr wahren.“ Der Verein habe 2019 über 40 000 Euro in eine neue Schießsportanlage investiert, auch um Nachwuchs zu generieren – der bleibe nun ebenso fern, wie die Vermietung des Vereinsheims in der Krimmelsdell ausbleibe. Dennoch: „Wir planen 2021 genauso wie sonst auch, wir hoffen auf Normalität und planen mit Normalität. Und dann passen wir unsere Planungen an die behördlichen Auflagen an.“
Das Vereinsleben brennt auf Sparflamme. Der Berleburger Schützenverein hat für Freitag eine Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes anberaumt. „Wir wollen sehen, wie es weitergeht. Derzeit ruht der Schießbetrieb nicht, aber das gesellige Vereinsleben fällt der Pandemie zum Opfer“, brachte es der Vorsitzende des größten Schützenvereins in Wittgenstein, Christian Hainbach, auf den Punkt.

Schießverein Erndtebrück will die Tür auflassen

Für den Schießverein Erndtebrück ist das Credo klar definiert: „Wir wollen die Tür auflassen – sonst kommt irgendwann niemand mehr“, berichtete Günter Schmidt. Der Vorsitzende und seine Mitstreiter versuchen derzeit umzusetzen, „was möglich ist“. Niemand könne voraussagen, was in einem halben Jahr sei, „aber alle Vereine bereiten sich vor“. Die Hoffnung ruhe darauf, die Festsaison begehen zu können. Der Schieß- und Schützenverein Leimstruth hat indes einen freiwilligen Lockdown vollzogen und den Schießbetrieb für zwei Wochen eingestellt. „In dieser Zeit wollen wir uns beraten. Die bevorstehenden Einschränkungen machen dies noch schwieriger, die Unsicherheit wird größer“, wusste Christof Saßmannshausen. Der Vorsitzende, dessen Verein erst im Vorjahr seine neue Schützenhalle in Leimstruth gebaut hatte, bangte um die Zukunft. „Die Vereine leiden – mit Blick auf die Tradition, sportlich und finanziell.“

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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