SZ

Freiwillige Helfer aus Wittgenstein in den Flutgebieten
„War hier Krieg oder was?“

Schleppen, was die Muskeln hergeben: In den Trümmerfeldern der von der Flut zerstörten Gebäude im Ahrtal packen freiwillige Helfer aus ganz Deutschland tatkräftig mit an.
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ll/akoDotzlar/Erndtebrück. Es ist ruhig geworden um die Opfer der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. Medial rückt das Thema maximal noch in den Fokus, wenn es wahlkampftechnisch wegen schleppender Hilfszahlungen ausgeschlachtet wird. Mit den Wassermassen scheint auch das öffentliche Interesse gewichen zu sein, geblieben sind aber Schlamm, Schutt und in Trümmern liegende Existenzen. Geblieben ist zum Glück aber auch das ehrenamtliche Engagement von vielen freiwilligen Helfern, die aus eigenen Stücken weiterhin vor Ort mit anpacken. So wie am vergangenen Wochenende beispielsweise Rolf Benfer aus Dotzlar und Christa Guardia aus Erndtebrück.

„Eisenbahngleise hängen rum, Brücken sind weggerissen, Weinfelder sind nicht mehr zu erkennen, die Eisenpfähle wie Streichhölzer umgeknickt.

ll/akoDotzlar/Erndtebrück. Es ist ruhig geworden um die Opfer der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. Medial rückt das Thema maximal noch in den Fokus, wenn es wahlkampftechnisch wegen schleppender Hilfszahlungen ausgeschlachtet wird. Mit den Wassermassen scheint auch das öffentliche Interesse gewichen zu sein, geblieben sind aber Schlamm, Schutt und in Trümmern liegende Existenzen. Geblieben ist zum Glück aber auch das ehrenamtliche Engagement von vielen freiwilligen Helfern, die aus eigenen Stücken weiterhin vor Ort mit anpacken. So wie am vergangenen Wochenende beispielsweise Rolf Benfer aus Dotzlar und Christa Guardia aus Erndtebrück.

„Eisenbahngleise hängen rum, Brücken sind weggerissen, Weinfelder sind nicht mehr zu erkennen, die Eisenpfähle wie Streichhölzer umgeknickt. Gänsehaut überzieht das Rückgrat“, schildert Rolf Benfer eindrücklich seine ersten Impressionen von der Lage vor Ort. Vor Ort, das ist in seinem Fall Mayschoss an der Ahr. Gemeinsam mit Sandra Kuffner aus Wingeshausen (gebürtige Dotzlarerin), ihrer Mutter Anita Böhl sowie einer kleinen Gruppe aus Kreuztal-Eichen hat der Dotzlarer am Sonntag vor Ort geholfen. Die Eindrücke der Trümmerfelder um ihn herum bewegen ihn auch Tage später noch. „War hier Krieg oder was?“, drängt sich der ebenso unmittelbare wie unsägliche Vergleich auf.

„Der Krach ist unbeschreiblich"

Ausgerüstet mit Vorschlag- und Bohrhämmern, Kreuzhacken, Schaufeln und Trennschleifern geht es gemeinsam an die Arbeit, um das Erdgeschoss des Hotels Lochmühle komplett zu entkernen. „Der Krach ist unbeschreiblich. Hier brüllt der Bohrhammer, dort im ehemaligen Sanitär- und Saunabereich werden die Fliesen runtergekloppt. Hier ein Kleinbagger, der mit einem großen Meißel den Estrich aufhämmert. Es riecht nach Dieselgestank, aber auch nach den Überresten des Schlamms“, beschreibt Rolf Benfer die Zustände vor Ort. Er selbst packt kräftig mit an – Steine, Schutt und Eisenreste müssen aus dem Gebäude, drei Kubikmeter Dreck aus einer Grube transportiert werden. Echte Knochenarbeit. In der Mittagspause besteht Gelegenheit zum Austausch mit Freiwilligen aus ganz Deutschland. In der Katastrophe stehen die Menschen noch enger zusammen. „Der örtliche Bäcker verschenkt Teilchen, Kaffee und positive Stimmung. Die Polizisten verteilen Mittagessen und Muffins zur Nachspeise“, berichtet Benfer beeindruckt.

Dann heißt es wieder: Schleppen, was die Muskeln hergeben. Das Ziel: Bald Hotelbetrieb für die Handwerker ermöglichen, die man unbedingt für den weiteren Aufbau im Ahrtal benötigt. „Das wird noch Jahre dauern“, fürchtet Rolf Benfer.

Auch Christa Guardia gehörte zu den freiwilligen Helfern, die vor Ort im Einsatz waren: „Es ist für mich normal, zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird“, sagt die Erndtebrückerin. Gemeinsam mit vier weiteren Mitstreitern hatte sie am Sonntag die lange Autofahrt auf sich genommen, um in Dernau (Landkreis Ahrweiler) bei den Aufräumarbeiten mit anzupacken. Vom zentral eingerichteten Sammelpunkt in Grafschaft – wo alle Helfer ihre Ausrüstung erhielten – ging es für die Wittgensteiner mit Bussen weiter ins Einsatzgebiet. „Wir waren in der Grundschule im Keller und haben dort die Schächte freigeschaufelt“, berichtet Christa Guardia.

"Es ist unglaublich, was da passiert ist“

Ein in der SZ erschienener Artikel über eine Helferin aus Feudingen, die von ihren Erfahrungen im Ahrtal berichtete, hatte die Erndtebrückerin bereits vor einigen Wochen dazu angeregt, sich ebenfalls freiwillig im Katastrophengebiet zu engagieren: „Ich habe einen Bericht mit Christa Schmeltzer in der Siegener Zeitung gelesen und mich direkt danach mit ihr in Verbindung gesetzt. Sie hat mir dann Bescheid gesagt, dass wir am Sonntag dahinfahren“, erklärt Christa Guardia, die vor Ort prägende Eindrücke gesammelt hat: „Es ist unglaublich, was da passiert ist.“ Auch wenn an diesem Wochenende wieder unzählige Helfer in den betroffenen Gebieten im Einsatz waren, gebe es laut der Erndtebrückerin noch immer viel zu tun. Christa Guardia will deshalb nochmal ins Ahrtal fahren und vor Ort unterstützen: „Das war nicht das letzte Mal. Wir werden wieder mit mehreren Leuten da hinfahren.“

Schleppen, was die Muskeln hergeben: In den Trümmerfeldern der von der Flut zerstörten Gebäude im Ahrtal packen freiwillige Helfer aus ganz Deutschland tatkräftig mit an.
Viele freiwillige Helfer aus Wittgenstein waren in den Katastrophengebieten im Einsatz.
Autor:

Alexander Kollek

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