Erwartungen übertroffen
Wittgenstein: Welle der Hilfsbereitschaft für Hochwasser-Opfer

Auch in der Festhalle Banfe herrschte Hochbetrieb. Hier können Bürger auch am kommenden Mittwoch noch einmal Kartons abgeben.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

schn Banfe/Erndtebrück/Puderbach/Raumland. Das Tiefdruckgebiet „Bernd“ hat in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verheerende Schäden hinterlassen. Wittgenstein ist davon, geschützt auf der Südseite des Rothaarkamms, verschont geblieben. Gehen die Wittgensteiner also einfach zur Tagesordnung über? Ganz und gar nicht. Die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß, viele der ehrenamtlichen Helfer wurden am Wochenende von der Masse der Hilfsangebote geradezu überrollt. Los ging es in fast allen Fällen mit einfachen Social-Media-Nachrichten, die binnen Stunden Dutzende Male geteilt wurden. In den einschlägigen Gruppen fanden Spendensammler und -willige schnell zusammen – in einem Ausmaß, mit dem wohl nur wenige gerechnet hatten.

Mehrere Sammelstellen für Hochwasser-Opfer in Wittgenstein

An mehreren Orten in Wittgenstein wurden spontan Sammelstellen eingerichtet, deren Kapazitäten schnell kaum noch ausreichten, Kleidung, Spielzeug, Windeln und Güter des täglichen Bedarfs aufzunehmen. Am Samstag öffnete die Festhalle in Banfe nach einem Aufruf von Martin Vahland, der eigentlich ein Entrümpelungsunternehmen betreibt. Bekannt ist er dafür, immer wieder Dinge aus Haushaltsauflösungen zu spenden und so wieder in gute Hände zu geben. „Zum Glück können wir die Festhalle nutzen“, sagte sein Sohn Marvin am Samstag. Die Sammelaktion war eigentlich bis 14 Uhr angesetzt, doch zu diesem Zeitpunkt fuhren immer noch Autos, vollgepackt mit Hilfsgütern, in Banfe vor. „Wir haben hier Autos mit MR, WW und AK am Kennzeichen gehabt. Ich weiß gar nicht, wo die alle hergekommen sind. Die Reichweite ist schon enorm“, so ein verblüffter Marvin Vahland.

Hilfsgüter sollen bald in die Katastrophengebiete geliefert werden

Derweil beteiligte sich Ingrid Weiß an der Sortierung der Spenden. Sie habe da schon einige Erfahrung durch Spendenaktionen für Osteuropa, berichtete Ingrid Weiß. An diesem Samstag habe sie einfach spontan geholfen. Was sie besonders freute, war die Tatsache, dass keiner der Helfer aufgefordert werden musste. Wer zufällig gerade vor Ort war, der half bei schweren Dingen.

Flutkatastrophe: Lkw mit Spenden aus Siegen unterwegs

Wer sich in der Festhalle umschaute, der entdeckte nicht nur Kleider und Spielzeug, sondern auch Küchenmöbel, Kinderzimmer, Kinderwagen und Esszimmergarnituren. In den nächsten Tagen sollen die Spenden genauer sortiert und für den Abtransport vorbereitet werden. Am kommenden Mittwoch, 21. Juli, wird es noch einen weiteren Abgabetermin für Sachspenden in der Zeit von 16 bis 20 Uhr geben. Schon für Freitag, 23. Juli, ist der Abtransport in Richtung Krisengebiete angesetzt.
Etwas länger mit dem Abtransport könnte es in Erndtebrück dauern. Hier hatte Andre Keil spontan auf dem Rückweg aus dem Urlaub einen Facebook-Aufruf gestartet, der zu einem Selbstläufer wurde. „Seither stand mein Telefon nicht mehr still“, sagte Andre Keil am Sonntagmorgen. Da türmten sich vor dem ehemaligen Soldatenheim in der Edergemeinde Berge mit Spenden. Neben jeder Menge Kleidung auch Baby- und Kleinkindartikel. „Wir waren gestern im dm und haben Windeln gekauft, die wir hier her gebracht haben“, sagte eine Spenderin.

TuS Erndtebrück stellt Lagerflächen zur Verfügung

Auf die Frage, ob er mit einer solchen Resonanz gerechnet habe, antwortete Andre Keil nur mit großen Augen: „Ich dachte, ich stelle mich hier mit einem Anhänger hin, mache den voll und fahre da runter.“ Mit Lkw-Ladungen habe er nicht gerechnet. Auch in Erndtebrück standen die Helferinnen und Helfer spontan auf der Matte. Stephanie Becker nannte es „Helfersyndrom“ und packte gleich wieder mit an. Eigentlich sollten die Erndtebrücker Spenden direkt nach Puderbach weitergeleitet werden.
Dort hat man schon viel Erfahrung mit Spendenaktionen.

Doch in der Bad Laaspher Ortschaft geht nichts mehr, alle Lager sind voll. Kurzfristig stellten Schützenverein und TuS Erndtebrück Lagerflächen in der Edergemeinde zur Verfügung. Mehre Firmen boten ihre Lieferwagen an, um die Spenden zu transportieren. „Mit diesen Mengen haben wir einfach nicht gerechnet“, so Andre Keil. Ebenfalls vorzeitig musste die Kirchengemeinde in Raumland ihre Annahmestelle schließen, auch hier war schlicht kein Platz mehr. Die Nachrichten, wo noch Spenden angenommen wurden, verbreiteten sich am Wochenende über Facebook, die Menschen informierten sich gegenseitig und gaben Tipps. Geldspenden können weiterhin über die Kirchen oder die bekannten Spendenorganisationen getätigt werden.

Auch in der Festhalle Banfe herrschte Hochbetrieb. Hier können Bürger auch am kommenden Mittwoch noch einmal Kartons abgeben.
Andre Keil initiierte die Spendenaktion in Erndtebrück – vor dem ehemaligen Soldatenheim türmten sich die Hilfsgüter.
Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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