Schauspieler mit zwei Karrieren

Viel mehr als der kleine Bruder: Elmar Wepper ist gestorben

Die Schauspieler und Brüder Elmar Wepper (links) und Fritz Wepper erhalten bei der Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises im Prinzregententheater die Trophäe, den Blauen Panther. Elmar Wepper ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Das kann auch nicht jeder von sich sagen: Als 63-Jähriger begann Elmar Wepper gewissermaßen eine zweite Karriere. Im Beinahe-Rentenalter entdeckte Doris Dörrie den bekennenden Bayern 2008 in ihrem Trauerdrama „Kirschblüten – Hanami“ fürs Kino neu. Plötzlich wurde er erst bei der Berlinale und später dann als bester Darsteller bei der Gala des Deutschen Filmpreises ausgiebig gefeiert.

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Wepper nahm die Begeisterung damals möglichst gelassen, so wie er sich wohl überhaupt mit zunehmendem Alter selten aus der Ruhe bringen ließ. „Also ich habe nicht die Agenturen angerufen und gesagt: Findet mal ein schönes Drehbuch für mich“, hat Wepper im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gesagt. Beeindrucken ließ er sich aber doch: „Als ich ‚Kirschblüten‘ auf der riesigen Leinwand im Berlinale-Palast gesehen habe, da war ich fasziniert. Das kriegt man im Fernsehen nicht hin.“

Butoh am Fuji-Berg

Wepper verkörperte einen in Routine erstarrten Ehemann (von Ehefrau Trudi, gespielt von Hannelore Elsner) und bald schon Witwer, der trotz seiner Trauer zurück ins Leben finden muss. Erst trägt sein Rudi Strickjacke und isst abends Weißwurst, am Ende tanzt er Butoh am Fuße des Fuji-Berges in Japan, hat sein Gesicht weiß geschminkt und trägt Frauenkleider.

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Eine schön-traurige Befreiungsaktion war das – für die Kinofigur Rudi, aber – irgendwie auch für den Schauspieler ­Elmar Wepper. Er sei ein „vollkommen furchtloser und hingebungsvoller Schauspieler mit großem Herz und riesigem Können“ gewesen, lobte ihn seine Regisseurin Dörrie.

Gut gelauntes Trio: Die Schauspielerin Hannelore Elsner (von links) als Trudi, die Regisseurin Doris Dörrie und der Schauspieler Elmar Wepper als Rudi bei den Dreharbeiten für den Film „Kirschblüten – Hanami“.

Bis dahin kannte das Publikum Wepper vorzugsweise aus dem Fernsehen. Der 1944 in Augsburg geborene Wepper begann als Assistent von TV-Kommissar Erik Ode, spielte mit Uschi Glas in populären Serien wie „Unsere schönsten Jahre“ oder auch „Zwei Münchner in Hamburg“, mit seinem Bruder Fritz in „Zwei Brüder“. Fernsehfilme hießen beispielsweise „Das Hintertürl zum Paradies“ oder „Hopfensommer“.

Jetzt ist Wepper an plötzlichem Herzversagen gestorben. Er wurde 79 Jahre alt.

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Christoph Waltz: Elmar Wepper war sogar in schlechten TV-Produktionen gut

Selbstverständlich wäre es ungerecht, Weppers Fernsehauftritte geringzuschätzen. Das weiß niemand besser als der zweifache Oscarpreisträger Christoph Waltz, der ja ebenso als Seriendarsteller begann. Wepper sei sogar in schlechten TV-Produktionen gut gewesen, was ja viel schwerer sei als in guten Filmen, hat Waltz dem RND gesagt. „Das hat aber keiner wahrgenommen.“

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Zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Fritz wuchs Elmar in München auf. Der Vater war im Zweiten Weltkrieg als Soldat verschollen. „Als Kinder sind wir ins Aki-Kino am Bahnhof, um in den Wochenschauen nach ihm zu suchen“, erinnerte sich Wepper gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Dort wurde regelmäßig über Kriegsgefangene berichtet. „Gefunden haben wir ihn nie.“

Bereits im Alter von 14 versuchte sich Wepper auf der Bühne des Theaters „Kleine Freiheit“, studierte dann aber lieber erst mal Theaterwissenschaften und Germanistik. Und dann halfen ihm familiäre Bande ins Fernsehen. Sein älterer, schon damals bekannter Schauspieler-Bruder Fritz („Die Brücke“) wechselte 1974 zur Krimiserie „Derrick“ und damit zu Horst Tappert. Die Stelle als Kriminalhauptmeister an der Seite von Erik Ode in „Der Kommissar“ wurde frei. Wie selbstverständlich übernahm Elmar.

Im Fernsehen so gut wie im Kino

Konkurrenz zwischen den beiden Brüdern? Nicht die Spur. Elmar war der Bodenständige, Nachdenkliche, ein Bayer, der später im Kino in „Dreiviertelmond“ (2011) sogar ohne Murren einen Franken spielte. Das will für einen waschechten Bayern schon etwas heißen. Über die Rolle als kleiner Bruder im Schatten von Fritz war er längst hinausgewachsen.

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Gefragt war Wepper ebenso als Synchronsprecher: Vor allem Mel Gibson lieh er seine Stimme – von „Mad Max“ (1979) bis zu „Der Biber“ (2011) Tatsächlich hatte er in diesem Metier aber viel früher begonnen. „Das war in der Fernsehserie ‚Fury‘ in den Fünfzigern. Ich habe den kleinen Joe gesprochen, der im Vorspann immer seinen treuen Rappen fragt: ‚Na Fury, wie wär‘s mit einem kleinen Ausritt? Hast du Lust?‘“, hat er dem RND erzählt.

Doris Dörrie besetzte Elmar Wepper noch einmal 2019 als Rudi in ihrer Fortsetzung „Kirschblüten & Dämonen“. Es sollte Weppers letzter Film sein. Aber da wusste die Welt schon längst, wie gut er war – im Kino und im Fernsehen.