Ex-Agent gibt im Block-Prozess zu: „Ich habe einen Fehler gemacht“
Als Christina Blocks damaliger Anwalt Otmary Kury im Mai 2025 erklärt, Blocks Mutter habe wohl den Auftrag zur Entführung der Enkelkinder erteilt, sitzt David Barkay in Israel – und staunt.
Barkay gilt als der Mann, der die Verschleppung der jüngsten Block-Kinder von Dänemark nach Deutschland geplant haben soll. An jenem Maitag, sagt er, habe er einen Entschluss gefasst: Es sei Zeit, nach Deutschland zu kommen und „die Wahrheit zu sagen“.
Nun sitzt David Barkay, der mutmaßliche Ex-Mossad-Agent, vor dem Hamburger Landgericht. Zum sechsten Mal sagt er im Prozess gegen Christina Block und sechs weitere Angeklagte aus, denen die Staatsanwaltschaft vorwirft, den Auftrag erteilt zu haben, die Kinder dem Vater Stephan Hensel zu entziehen. Und zum ersten Mal spricht Barkay darüber, warum er überhaupt aussagt. Vor seinen Gesprächen mit der Hamburger Staatsanwaltschaft wurde er per internationalem Haftbefehl gesucht.
Barkay: Leute sagen „nicht die Wahrheit“
Barkay betont, Christa Block nie persönlich getroffen zu haben. Auch Christina Block distanziert sich inzwischen von der Darstellung ihres früheren Anwalts. Er sei nach Deutschland gekommen, sagt Barkay, um darzulegen, wie es tatsächlich gewesen sei. Erst nach der mutmaßlichen Tat habe er verstanden, dass die Informationen, die er von Christina Block und dem Familienanwalt Andreas C. erhalten habe, „falsch“ gewesen seien. Ihm sei erzählt worden, dass die Kinder illegal in Dänemark lebten und nach Hamburg zurückkehren müssten.
Block-Prozess: Ein Zeuge, viele Versionen
Ein Blitzerfoto, ein Kronzeuge, viele Erinnerungslücken: Im Prozess um die Entführung der Kinder von Christina Block gerät David Barkay unter Druck. Seine Aussagen werden undurchsichtiger – und die Vorsitzende Richterin lässt das nicht durchgehen.
Dass er selbst „vielleicht beschuldigt werden könnte“, habe ihn überrascht. Nach der Silvesternacht sei er optimistisch gewesen, dass sich die Situation rund um die Ermittlungen gegen Christina Block und weitere klären würde. Er habe abgewartet. Erst als das Verfahren begonnen habe, habe er verstanden, dass es auch ihn betreffe.
Es wirkt, als habe Barkay den Fall lange aus der Distanz verfolgt. Er habe gesehen, wie „die Leute reden, aber nicht die Wahrheit sagen“, sagt er, und sich deshalb entschlossen, einen Anwalt zu suchen. Er habe mit der deutschen Polizei gesprochen, weil er erkannt habe, einen Fehler gemacht zu haben.
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Zur vollständigen AnsichtVor Gericht sagt Barkay: „Ich hatte wirklich gehofft, dass Christina und Herr C. die Wahrheit sagen werden – so wie ich das tue.“ Er habe darauf gewartet, dass dies geschehe.
Barkay: Kein schriftlicher Auftrag
Seine Version der Ereignisse hat er in den vergangenen Prozesstagen immer wieder vorgetragen: Ein israelischer Mittelsmann habe ihn kontaktiert, die Familie Block brauche Unterstützung in einem Rechtsstreit um die Kinder. Seine Firma „Cyber Cupula“ sei beauftragt worden, Informationen zu sammeln, um die Familie in den Verfahren zu unterstützen. Erst später, im Zuge einer sich zuspitzenden Eskalation und zunehmenden Drucks, sei die Entscheidung gefallen, die Kinder nach Deutschland zu holen. Einen schriftlichen Auftrag habe es nicht gegeben. Er habe gehofft, seine Firma mithilfe der einflussreichen Familie in Deutschland etablieren zu können.
Die Staatsanwaltschaft widerspricht dieser Darstellung. Nach ihrer Überzeugung sei es Block, Andreas C., Barkay und den weiteren Beteiligten von Beginn an darum gegangen, die Kinder gegen ihren Willen und den des Vaters nach Deutschland zu bringen. Christina Block und Andreas C. weisen das zurück.
Barkay gibt sich als getäuschter Auftragnehmer, der die Tragweite seines Handelns zu spät erkannt habe. Die Staatsanwaltschaft hingegen sieht einen von Anfang an klaren Plan, an dessen Ende die gewaltsame Rückführung der Kinder stand.
Wegen der Berichterstattung, die Barkay auch verfolgt haben will, beantragt Christina Blocks Anwalt eine Einstellung des Verfahrens. Eine objektive Wahrheitsfindung sei nicht mehr möglich, sagte Anwalt Ingo Bott. Bereits am 33. Verfahrenstag hatte er einen ähnlichen Antrag gestellt. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.