Weggefährte zu Gislasons Abschied: Wird sich nicht „in den Ruhestand schleichen“
Die Heim-Weltmeisterschaft 2027 ist das große Leuchtturmprojekt in dieser, vom Deutschen Handball-Bund (DHB) zum Jahrzehnt des Handballs ausgerufenen Dekade. Nach dem Aufgalopp bei vergangenen und anstehenden Turnieren, soll Anfang 2027 mindestens die Finalteilnahme herausspringen. So sieht es die vom DHB formulierte Mission „Sportlicher Erfolg“ vor, festgehalten in den Strategiepapieren zum Jahrzehnt des Handballs. Bundestrainer Alfred Gislason hat nun in einem Interview mit dem Portal handball-world angekündigt, dass er nach dem so wichtigen Großereignis, das in mehr als zwei Jahren in sechs Städten hierzulande ausgetragen werden soll, „mit ziemlicher Sicherheit als Bundestrainer Deutschlands aufhören“ werde. Gislason, der mit der Nationalmannschaft im Sommer bei den olympischen Spielen in Paris Silber gewann, wäre dann 67 Jahre alt. Sein im vergangenen März verlängerter Vertrag läuft 2027 sowieso aus. Der Isländer wäre dann sieben Jahre im Amt, der DHB könnte frühzeitig nach einem Nachfolger suchen.
Gislason hat mit seiner Ankündigung den Fokus indes frühzeitig noch mehr auf die übernächste Weltmeisterschaft (13. oder 14. bis 31. Januar 2027) und sein dann persönliches Bundestrainer-Finale gelegt. Zuvor hat er noch die WM 2025 in Dänemark, Norwegen und Kroatien sowie die EM 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen mit seiner DHB-Auswahl zu bestreiten. Für diese stehen in dieser Woche die ersten Qualifikationsspiele an: gegen die Schweiz am Donnerstag in Mannheim und gegen die Türkei am Sonntag in Ankara.
Gislason-Weggefährte: „Er wird bis dahin Vollgas geben“
Angst, dass Gislason aufgrund seiner frühzeitigen Ankündigung den Fokus auf die auch strategisch für die Zukunft des Handballs hierzulande als so wichtig angesehenen Höhepunkte verlieren könnte, müssten die Fans nicht haben, glaubt der frühere Bundesliga-Manager Thorsten Storm. „Er wird bis dahin Vollgas geben. Er ist Vollprofi. Entsprechend muss niemand befürchten, dass er sich in seiner restlichen Amtszeit nach und nach bereits in den Ruhestand schleicht“, sagte der 60-Jährige gegenüber dem Sportbuzzer, das zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gehört, über seinen früheren Weggefährten, mit dem er beim THW Kiel zusammenarbeitete. Auch, dass Gislason mit der langen Vorlaufzeit zu einer Lame Duck, also einem Bundestrainer ohne Macht, werden könnte, befürchtet Storm nicht. „Alfred lässt sich von niemandem reinreden. Das kenne ich aus unserer gemeinsamen Zeit nur zu gut. Dafür hat er viel zu klare Vorstellungen von seiner Arbeit. Hat er aber eine Frage, scheut er sich nicht, jemanden deswegen anzusprechen und sich die Antwort zu besorgen“, sagte Storm.
Für Storm, der auch bei den Handball-Großklubs SG Flensburg-Handewitt und Rhein-Neckar Löwen arbeitete, ist klar, dass Gislason vor allem private Gründe zu der frühzeitigen Ankündigung verleitet haben. „Er ist ein Mensch, der nicht nur Handball im Kopf hat. Hier geht es wohl eher um rechtzeitige Planungssicherheit auf allen Seiten und mehr Zeit für die Familie", sagte er.
Und ganz verzichten müssen die Handball-Fans auch nach der WM 2027 wohl nicht auf Gislason, der 1983 erstmals als Spieler nach Deutschland wechselte (zu TUSEM Essen). „Ich bleibe an der Seitenlinie. Die Arbeit mit jungen Leuten hält auch mich jung und gibt mir unglaublich viel“, sagte er handball-world. Bei einem Bundesligisten sehe er sich jedoch eher nicht mehr. Gislason: „Ich war 22 Jahre in der Bundesliga unterwegs, einen Großteil davon inklusive Champions League. Dass ich durch diese enorme Belastung so gut durchgekommen bin, ist erstaunlich. Ob ich das noch einmal machen muss, weiß ich nicht.“