Besonderes Spiel zum Hauptrunden-Start: So geht es für das DHB-Team weiter
Für Deutschlands Handballer geht es am Mittwoch mit der Bahn nach Köln. Ankunft: 14.09 Uhr. In der Domstadt erwartet sie auf dem Hauptbahnhof zwar ein „echt kölscher Empfang“ mit Funkenmariechen und Karnevalsmusik, doch Knorr & Co. kommen mit leeren Händen. Nach dem 30:33 (15:17) gegen Olympiasieger Frankreich ist das DHB-Team mit 0:2-Punkten in die EM-Hauptrunde eingezogen. Erster Gegner in der Lanxess-Arena ist Island am Donnerstag (20.30 Uhr/ZDF und Dyn). Anschließend gilt es am Samstag gegen Österreich (20.30 Uhr/ARD und Dyn), das überraschend Spanien nach Hause geschickt hat. Die weiteren Gegner sind Ungarn (Montag/20.30 Uhr/ZDF und Dyn) und Kroatien (Mittwoch/20.30 Uhr/ARD und Dyn).
Die Ausgangslage
Frankreich und Ungarn (je 2:0-Punkte) führen die Hauptrunde an. Österreich und Kroatien haben 1:1-Zähler. Deutschland und Island sind ohne Punkte in der Hauptrunde. Die ersten Zwei der Sechsergruppe lösen das Ticket fürs Halbfinale. „Wir haben jetzt vier Endspiele. Das ist so. Eine Niederlage, das ist das Aus. Aber der Weg ist immer noch da“, sagt Bundestrainer Alfred Gislason. Die Spieler freuen sich auf Köln: „Wir freuen uns auf den Faktor Köln. Die Stimmung da ist phänomenal, das sollte uns beflügeln“, sagt Rune Dahmke. Lukas Mertens ergänzt: „20.000 verrückte Fans in Köln - das trägt uns. Mit einer Leistung wie gegen Frankreich gewinnen wir gegen andere Gegner.“
Island
Für Gislason, den Isländer, wird das erste Hauptrundenspiel ein sehr emotionales, „weil meint Vater da sein wird, meine Brüder und Onkel. Ich bin sehr gespannt, ob sie in deutschen Trikots oder isländischen in die Halle kommen. Und auf welcher Seite sie diesmal sind. Und das werde ich sehr persönlich nehmen“, sagte er lachend. 1997 nach Deutschland als Trainer zurückgekommen, ist er geblieben. Er hat einen Bauernhof bei Magdeburg, mit seiner neuen Partnerin seit November auch eine Wohnung in Berlin, aber in seiner Brust schlagen zwei Herzen. „Das ist ein sehr persönliches und besonderes Spiel für mich. Ich bin ziemlich deutsch geworden, das sagen meine Freunde. Ich bin ungewöhnlich pünktlich für einen Isländer“, sagt er, um zu ergänzen: „Ich bin zwar Isländer, aber ich arbeite mit dieser Mannschaft. Und ich liebe diese Mannschaft.“ Er werde zwar beide Nationalhymnen mitsingen, aber alles dafür tun, seinen Beitrag zu leisten, um dieses Spiel zu gewinnen. „Das kann ich garantieren.“
Über seine Landsleute hat sich Gislason gewundert: „Sie sind nicht so richtig ins Turnier gekommen, haben bisher nicht gezeigt, was in ihnen steckt.“ Denn angeführt von Aron Palmarson („Er ist der Leitwolf“) galten die „Isis“ vor dem EM-Start als Geheimfavorit. Vor allem aufgrund ihres überragenden Rückraums mit Gisli Kristjansson und Omar Ingi Magnusson vom Champions-League-Sieger SC Magdeburg. Insgesamt neun Spieler aus der Bundesliga gehören zum Kader. „Da kommt ordentlich Wucht auf uns zu“, sagt Teamkollege Mertens.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtÖsterreich
Felix Austria. Dem 38-jährigen Janko Bozovic, in Kuwait engagiert, gelang gegen Spanien neun Sekunden vor dem Abpfiff der Treffer zum 33:33. Spaniens letzter Versuch scheiterte. Die Sensation war perfekt. Österreich hat den Vizeuropameister aus dem Turnier geworfen. Zum fünften Mal hat Österreich bei einer EM-Endrunde die erste Turnierphase überstanden, aber noch nie in so einer starken Gruppe. War das 31:24 über Rumänien noch ein Pflichtsieg, rangieren das 28:28 gegen Kroatien sowie der Spanien-Coup in der Handball-Historie ganz oben.
Sportdirektor Patrick Fölser sagte: „Was die Jungs wieder geliefert haben, ist für mich noch gar nicht greifbar, eine unfassbare Mannschaftsleistung. Dass Spanien hier nicht weiterkommt, ist wahrscheinlich die größte Sensation im Männerhandball seit vielen Jahren.“ Bester Werfer und Leitwolf im Team ist der Rückraumlinke Nikola Bilyk vom THW Kiel (18 Tore). Mit Spielmacher Lukas Hutecek (TBV Lemgo) verdient ein zweiter Spieler in der Bundesliga sein Geld.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtUngarn
Die Magyaren sind mit einer Demonstration der Macht, einem 33:25-Sieg im Gruppenendspiel gegen Island in die Hauptrunde eingezogen. Vor zwei Jahren bei der Heim-EM vor mehr als 20.000 Fans in der Vorrunde krachend gescheitert, zählen sie jetzt zu den Überraschungen. Und das mit einem Mix aus Erfahrung und frischen Kräften. Prunkstück ist das Gespann am Kreis: Bence Bahidi (Szeged) und Melsungens Abwehrchef Adrian Sipos. Stark bisher: Stuttgarts Spielmacher Egon Hanusz und Junioren-Nationalspieler Kristof Palasics im Tor (26 Paraden in drei Spielen).
Kroatien
Die Kroaten stehen nach dem überraschenden Remis gegen Österreich mit „nur“ einem Zähler in der Hauptrunde. Denn zum EM-Einstand zerlegte das Team um den Kieler Domagoj Duvnjak Spanien mit 39:29. Seit 2020, seit dem EM-Silber von Stockholm, haben die Kroaten kein Halbfinale erreicht. Jetzt soll der große Wurf gelingen – mit erfahrenen Spielern wie Duvnjak, dem Rückraumrechten Luka Stepanic (Pick Szeged) und Spielmacher Igor Karacic (Industria Kielce). „Wir sind unseren Fans ein gutes Turnier schuldig“, sagt Trainer Goran Perkovac. Sein Team wurde in Mannheim von Tausenden Anhängern unterstützt.
Zweite Hauptrundengruppe
In Hamburg wird die Hauptrunde an diesem Mittwoch angepfiffen. Qualifiziert sind da Slowenien, Schweden und Dänemark (je 2:0-Punkte) sowie Norwegen, Niederlande und Portugal (je 0:2-Punkte). Die Kracher-Partie: Zum Start treffen die Gruppensieger Slowenien und Schweden aufeinander. Zudem treffen Dänemark und die Niederlande sowie Norwegen und Portugal aufeinander.
Tickets
Für die vier Hauptrundenspieltage in Köln (Deutschland, Frankreich, Island, Österreich, Ungarn, Kroatien) und Hamburg (Slowenien, Norwegen, Schweden, Niederlande, Dänemark, Portugal) sowie die Finalrunde in Köln gibt es noch Karten. In Köln sind am 18. und 22. noch je 2.200 Tickets erhältlich, am 24. Januar noch gut 2500. Für den 20. Januar gibt es nur einige Karten im Premium- bzw. VIP-Bereich (ab 430 Euro).