Nagelsmann, Tedesco und Co.

Die Trainer der 24 EM-Teilnehmer im Kurzporträt

Bei der EM als Trainer im Einsatz: Julian Nagelsmann (links) und Domenico Tedesco.

Einige Nationen – darunter auch die deutsche Nationalmannschaft – setzen bei der Europameisterschaft auf verhältnismäßig junge Trainer. Bundestrainer Julian Nagelsmann und Belgiens Coach Domenico Tedesco sind beide noch nicht mal 40 Jahre alt. Andere vertrauen jedoch lieber auf geballte Erfahrung an der Seitenlinie – so auch Italien mit Luciano Spaletti oder Spanien mit Luis de la Fuente. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), zu dem auch der Sportbuzzer gehört, gibt einen Überblick über die Coaches der 24 EM-Teilnehmer – und zeigt, wie ihre Karriere bislang verlief.

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Deutschland: Julian Nagelsmann (36 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Von den 24 EM-Trainern ist Julian Nagelsmann der jüngste. Doch obwohl der Bundestrainer erst 36 Jahre alt ist, hat er in seiner Karriere schon einiges erlebt. Bereits im Februar 2016 übernahm er die TSG Hoffenheim als Cheftrainer und entpuppte sich in seiner Amtszeit bis Juni 2019 als eines der größten Trainertalente dieser Zeit. Es folgte der Wechsel zu RB Leipzig, ehe es Nagelsmann im Juli 2021 zum FC Bayern weiterzog. In München wurde er allerdings im März 2023 entlassen und heuerte ein halbes Jahr später schließlich als neuer Bundestrainer an. Seinen Vertrag beim DFB hat er noch vor der Heim-EM bis 2026 verlängert.

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Schottland: Steve Clark (60 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Als Spieler war der schottische Nationalcoach Steve Clarke vor allem beim FC Chelsea aktiv. Mehr als 400 Spiele absolvierte er für die Londoner und wurde 1994 zum Chelsea-Spieler des Jahres gewählt. In der schottischen Nationalmannschaft kam Clarke als Spieler nur sechsmal zum Einsatz. Nach seiner aktiven Zeit war Clarke zunächst lange als Assistenztrainer im Einsatz – unter anderem bei José Mourinho beim FC Chelsea. Seinen ersten Cheftrainerposten übernahm er 2012 beim englischen Erstligisten West Bromwich Albion. Seit 2019 ist Clarke Coach des schottischen Verbandes und führte die Auswahl auch schon zur EM 2021.

Schweiz: Murat Yakin (49 – Vertrag bis 14. Juli 2024)

Zweimal war der Schweizer Coach, der auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, als Spieler in Deutschland aktiv. Doch seine Engagements beim VfB Stuttgart (1997/1998) sowie dem 1.FC Kaiserslautern (2000/2001) waren beide nicht von langer Dauer. Als Coach der „Nati“ hält Yakin nun schon deutlich länger durch, seitdem er im August 2021 das Amt übernahm. Bevor er ins höchste Traineramt bei den Eidgenossen berufen wurde, hatte er sich schon als Coach verschiedener Klubs in der Schweiz sowie von Spartak Moskau einen Namen gemacht. Yakin, dessen jüngerer Bruder Hakan ebenfalls Profi war, trug selbst in 49 Partien den Dress der Schweizer.

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Ungarn: Marco Rossi (59 – Vertrag bis 31. Dezember 2025)

Die einzige Auslandsstation in seiner aktiven Zeit hatte Ungarns Nationaltrainer in der Saison 1996/1997. Da kickte der italienische Mittelfeldspieler 15-mal für den damaligen deutschen Zweitligisten Eintracht Frankfurt. Sonst stand er nur für italienische Klubs auf dem Rasen. Den zweiten Teil seiner Fußballkarriere startete Rossi ebenfalls in seinem Heimatland Italien, ehe es ihn 2012 nach Ungarn verschlug, wo er gleich zweimal (2012 bis 2014, 2015 bis 2017) Honved Budapest trainierte und zum Abschluss dort Meister wurde. Nach einem Intermezzo beim slowakischen Klub DAC Dunajská Streda ist der heute 59-Jährige nun seit sechs Jahren Nationalcoach Ungarns.

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Spanien: Luis de la Fuente (62 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Nach dem peinlichen Aus gegen Marokko bei der WM in Katar trat Luis Enrique zurück. Sein Nachfolger ist weniger populär, aber anerkannt und erfahren. Luis de la Fuente hat von der U18 bis zur U21 alle Nachwuchsteams betreut und zwei EM-Titel geholt. Zudem führte er die Olympiaauswahl 2021 in Tokio zur Silbermedaille. Sein am 1. Januar 2023 geschlossener Vertrag (bis 2024) wurde nach geglückter Qualifikation bis 2026 verlängert.

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Kroatien: Zlatko Dalic (57 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Als Spieler kickte er in der ersten jugoslawische Liga, spielte unter anderem bei Hajduk Split und Velez Mostar. In die Nationalmannschaft schaffte er es erst als Trainer. Im Oktober 2017 wurde Zlatko Dalic überraschend berufen, mit der Referenz dreier Titel in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Skeptiker verstummten, als er Kroatien 2018 ins WM-Finale führte, 2022 kam ein dritter Platz hinzu. Er steht bis 2026 unter Vertrag.

Italien: Luciano Spalletti (65 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Als Europameister-Trainer Roberto Mancini kurz vor Ende der EM-Qualifikation absprang, holte der italienische Verband Luciano Spalletti. Er hatte sensationell den SSC Neapel zur Meisterschaft geführt – mit großem Vorsprung und spektakulärem Fußball. Dafür wurde er zum dritten Mal zu Italiens Trainer des Jahres gewählt. Dass er sich dann eine Auszeit nahm, war Italiens Glück. So konnte er im September die Lücke schließen, die Mancini gerissen hatte.

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Albanien: Sylvinho (50 – Vertrag bis 31. Juli 2024)

Ein Brasilianer ist für den Höhenflug Albaniens verantwortlich. Als Spieler kickte Sylvio Mendes Campos Junior, kurz Sylvinho, unter anderem für den FC Barcelona. Mit den Katalanen gewann er zweimal die Champions League. Nach Co-Trainer-Stationen bei Brasiliens Nationalteam und Inter Mailand sammelte er als Chefcoach Erfahrungen in Lyon. Seit Januar 2023 ist er Auswahltrainer Albaniens und lässt bevorzugt im 4-2-3-1-System spielen.

Dänemark: Kasper Hjulmand (52 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Mit 26 musste Kasper Hjulmand seine Profikarriere aufgrund einer Sportinvalidität beenden. Mittlerweile kann er auf eine rund 20-jährige Berufserfahrung zurückschauen – meist in Dänemark. Der einzige Ausflug in die Fremde war 2014/2015 zum FSV Mainz 05. 2020 übernahm Hjulmand die Nationalmannschaft. Sein Kredit nach dem Einzug ins EM-Halbfinale 2021 war groß genug, um ihm das Vorrundenaus bei der WM in Katar zu verzeihen.

Slowenien: Matjaž Kek (62 – Vertrag bis 31. Dezember 2025)

Für Matjaž Kek ist es die zweite Amtszeit. Schon von 2007 bis 2011 leitete er die Auswahl und führte Slowenien zur Weltmeisterschaft nach Südafrika, wo man 2010 den dritten Platz in der Vorrunde belegte und ausschied. Nach Stationen bei Al-Ittihad in Saudi-Arabien und dem kroatischen Verein NK Rijeka (Erfolge: einmal Meister, zweimal Pokalsieger) kehrte er 2018 zum Verband zurück und sorgte dafür, dass sein Land zum zweiten Mal an einer EM-Endrunde teilnimmt.

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England: Gareth Southgate (53 – Vertrag bis 31. Dezember 2024)

Der Mann, der wegen seines verschossenen Elfmeters bei der EM 1996 gegen Deutschland zum Sündenbock gemacht wurde, hat viel für seine Rehabilitation getan. Unter Southgate, seit 2016 im Amt, kam England bei allen Turnieren ins Halbfinale. Bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 wurde es der vierte Platz, bei der EM 2021 Rang zwei. Als Vereinstrainer sammelte der 57-malige Nationalspieler nur beim FC Middlesbrough Erfahrung.

Serbien: Dragan Stojkovic (59 – Vertrag bis 2026)

Seine Spieler glauben ihm jedes Wort. Dragan Stojkovic hat als Spieler an je zwei Welt- und Europameisterschaften teilgenommen und gewann 1993 mit Olympique Marseille die Champions League. Er war schon vor 20 Jahren Präsident des jugoslawischen Fußballverbandes sowie später von Roter Stern Belgrad. Für die Hauptstädter schnürte er früher selbst die Schuhe. Seit März 2021 coacht er die Nationalmannschaft Serbiens.

Niederlande: Ronald Koeman (61 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Sein Vorgänger Louis van Gaal hat die Wahl von Ronald Koeman zum Trainer der Niederländer als „eine vernünftige Entscheidung“ bezeichnet. Koeman hatte vorher bereits neun Vereine in seiner Heimat, Portugal, Spanien und England gecoacht und war schon von 2018 bis 2020 Bondscoach. Er brachte die Niederlande zur EM, sprang aber davor ab und nahm ein Angebot des FC Barcelona an. Seit Herbst 2022 ist der Europameister von 1988 wieder im Amt.

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Polen: Michal Probierz (51 – Vertragslaufzeit unbekannt)

Seit September 2023 ist Michal Probierz Coach der Polen. Er trainierte vorher die U21 des Landes. Ungeschlagen schaffte er die Qualifikation für die EM. Der Verband bezeichnete ihn als „bestmögliche Wahl“. Als Vereinstrainer hat er bereits zwölf Stationen aufzuweisen, zweimal wurde Probierz polnischer Pokalsieger. Als Spieler hat er auch eine Deutschland-Vergangenheit: 29 Bundesligaspiele für Bayer Uerdingen und Wattenscheid 09.

Frankreich: Didier Deschamps (55 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Er ist der dienstälteste Coach der EM: Didier Deschamps ist im Juli zwölf Jahre im Amt. Schon ob seiner Spielervita genießt er in Frankreich hohes Ansehen. 1998 war er Kapitän der Weltmeister-Elf. Danach sammelte Deschamps als Trainer von AS Monaco, Juventus Turin und Olympique Marseille Erfolge. Als Nationalcoach wurde er 2018 Weltmeister und schloss zu Mario Zagalo und Franz Beckenbauer auf: die einzigen, die als Spieler und Trainer Weltmeister wurden.

Österreich: Ralf Rangnick (65 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Österreichs Coach Ralf Rangnick führte Hannover 96 in die Bundesliga, schaffte mit der TSG Hoffenheim den Durchmarsch aus der Regionalliga ins Oberhaus und gewann mit Schalke 04 den DFB-Pokal. Bei RB Leipzig war er Trainer und Sportdirektor, begleitete den Verein von der 3. Liga bis in die Champions League. Nach seinem Intermezzo bei Manchester United ist er seit 2022 Österreichs Nationaltrainer, laut Vertrag bis zum 31. Juli 2026.

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Ukraine: Sergij Rebrov (50 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Fußballfans kennen seinen Namen, Rebrov gehörte zu den ersten Exportschlagern des ukrainischen Fußballs. Vor 24 Jahren zahlte Tottenham 18 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler von Dynamo Kiew. Für sein Land bestritt er 75 Länderspiele. Als Trainer wurde er sechsmal Meister in drei Ländern, seit Juni 2023 coacht er die Nationalmannschaft mit beachtlichem Erfolg. Kurios: seit Januar ist er auch Vize-Präsident seines Verbands.

Slowakei: Francesco Calzona (55 – Vertrag bis 31. Dezember 2025)

Im Trainerstab der Slowaken wird Italienisch gesprochen. Vier der sechs Mitglieder sind Italiener, darunter der Chef. Calzona braucht die Unterstützung, denn es ist sein erster Cheftrainerjob überhaupt. Er arbeitete bei sechs Klubs in Italien in zweiter Reihe, zuletzt beim SSC Neapel als Techniktrainer. Dort beeindruckte er Nationalspieler Stanislav Lobotka so stark, dass der seinem auf Trainersuche befindlichen Verband einen Tipp gab.

Belgien: Domenico Tedesco (38 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Unter Europas Nationaltrainern ist nur Julian Nagelsmann jünger als der Deutsch-Italiener Domenico Tedesco. Der Jahrgangsbeste im Trainerkurs 2016 (1,0) coachte bereits Juniorenteams von Hoffenheim und dem VfB Stuttgart, danach die Profis von Erzgebirge Aue, Schalke 04 und RB Leipzig. Dazwischen lag ein Intermezzo bei Spartak Moskau. Er gilt als „Laptop-Trainer“, der viel über Taktik redet. Seit dem 8. Februar 2023 steht er in Belgien an der Linie.

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Rumänien: Eduard Iordanescu (45 – Vertrag bis 30. Juni 2024)

Wie der Vater, so der Sohn: Edward Iordanescu spielte für Steaua Bukarest, trainierte seinen Heimatklub auch und wurde wie Anghel Iordanescu schließlich Nationaltrainer Rumäniens. Nur selbst wurde er nicht Nationalspieler, das hat ihm sein Vater voraus. Nach zehn Stationen bei Vereinen leitet der Sohn, dessen größter Erfolg die Meisterschaft 2021 mit Cluj war, seit Januar 2022 die rumänische Auswahl. Sein Vertrag endet mit der EM.

Portugal: Roberto Martinez (50 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Ein Spanier trainiert die Selecao – das ist bemerkenswert. Für Martinez kein Problem, seit 2001 geht er fremd. Zunächst verbrachte er sechs Jahre als Spieler auf der britischen Insel. 2007 schlug er bei Swansea City die Trainerlaufbahn ein und gewann mit Wigan Athletic 2013 sensationell den FA-Cup. Nach drei Jahren FC Everton übernahm er 2016 Belgien und führte das Land auf Platz eins der Weltrangliste. Nach der Katar-WM trat er zurück, seit Januar 2023 coacht er Portugal.

Tschechien: Ivan Hasek (60 – Vertrag bis 30. November 2025)

Falls die Tschechen bei dieser EM vors Sportgericht müssen, einen Juristen hätten sie dabei: Trainer Ivan Hasek hat Jura studiert, aber zum Glück auch Fußballkompetenz. 1990 war er als Spieler bei der WM am Ball, seit 1999 trainierte er Vereine wie Sparta Prag oder AS St. Etienne und Ländermannschaften: Nach Gabun und Libanon soll sein zweites Engagement in seiner Heimat (nach drei Monaten in 2009), das im Januar begann, sein längstes als Nationaltrainer werden.

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Georgien: Willy Sagnol (47 – Vertrag bis nach der EM)

Er gehörte zu den beliebtesten Frankreich-Importen der Bundesliga und gewann mit den Bayern 2001 die Champions League. Neun Jahre kickte Sagnol in München, 2017 saß er sogar für ein Spiel auf der Bayern-Bank. Zuvor hatte er sich schon als Trainer von Girondins Bordeaux und Frankreichs U-Nationalteams bewährt. Im Februar 2021 übernahm er Georgien und führte es erstmals zu einer EM. Der Höhepunkt soll auch der Endpunkt sein, Sagnol hört nach der EM auf.

Türkei: Vincenzo Montella (49 – Vertrag bis 31. Juli 2026)

Mit Montella, der erst im Oktober 2023 die Mannschaft übernahm und sie ungeschlagen zur EM führte, hat die Türkei bereits den vierten italienischen Auswahltrainer. Er hat eine große Vergangenheit in der Serie A mit 141 Toren für die Roma und Sampdoria Genua, die auch zu den fünf Serie A-Klubs zählten, die er coachte. Über den FC Sevilla und AC Florenz kam er 2021 zu Adana Demirspor. Zum EM-Auftakt gegen Georgien feiert er seinen 50. Geburtstag.