Hätte, hätte, welche Kette?

Nagelsmann und das Abwehrproblem: Viele Kandidaten, wenig Lösungen

Jullian Nagelsmann ist auf der Sucher nach der besten Abwehrformation.

Der Mini-Anflug von EM-Euphorie ist nach dem ernüchternden 2:3 der Nationalmannschaft gegen die Türkei erstmal verflogen. Beim kleinen Nachbarn Österreich will Julian Nagelsmann am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) nun dafür sorgen, dass es zumindest mit positiver Stimmung in die über viermonatige Winterpause geht. „Ich habe nicht die Erwartungshaltung an die Fans, dass sie bei uns Euphorie wecken müssen. Der Weg ist genau andersrum“, sagte der Bundestrainer auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Doch damit das gelingt, muss er vor allem eine Frage beantworten: Hätte, hätte, welche Kette?

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Die Defensive bleibt nach wie vor die größte Baustelle. 16 Gegentore in sieben Heim-Länderspielen sind eindeutig zu viel – und schlechtester Wer seit 2005. Selbst gegen eine bessere türkische B-Elf kassierten die „Nagelsmänner“ drei Stück. Dass der DFB-Coach noch keine Lösung gefunden hat, zeigt, dass er in seinen drei Spielen schon sechs verschiedene Außenverteidiger testete. Eine Versetzung von Joshua Kimmich auf die rechte Abwehrseite schließt er trotzdem aus – zumindest bislang.

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Dort scheint Benjamin Henrichs derzeit erste Wahl, der bei RB Leipzig eine starke Saison spielt. Gegen die Türken leitete er mit einem herrlichen Steilpass den Führungstreffer ein, sah allerdings bei den ersten beiden Gegentoren nicht gut aus. Alternativen?

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Marius Wolf hat seinen Stammplatz beim BVB ebenso verloren wie Lukas Klostermann in Leipzig. Beide sind zumindest Ergänzungsspieler, im Gegenteil zu Thilo Kehrer, der unter Nagelsmanns Vorgänger Hansi Flick anfangs immer ran durfte. Bei West Ham spielt er derzeit kaum eine Rolle. Daher ist es wahrscheinlich, dass der Bundestrainer mit Henrichs und Jonathan Tah als EM-Plan B liebäugelt.

Rüdiger gesetzt aber nicht in Form

Im Abwehrzentrum ist Antonio Rüdiger zwar gesetzt, doch auch der Star von Real Madrid ist längst nicht über jeden Zweifel erhaben, steckt in der Formkrise. An ihm wird mit Blick auf die EM dennoch kein Weg vorbeiführen – aber wer verteidigt neben ihm? In Wien dürfte Mats Hummels eine Chance bekommen, den Nagelsmann aufgrund seiner Erfahrung, Kommunikation und Spieleröffnung extrem schätzt. Geht es nach Form, müsste eigentlich Tah in der Innenverteidigung gesetzt sein, doch dem robusten Leverkusener fehlt mitunter etwas die Lobby, intern wie extern. Der DFB-Coach ist stattdessen „Fan“ von Niklas Süle, der ebenfalls auch auf rechts spielen kann und seinen EM-Platz sicher haben dürfte.

Bestätigt Robin Koch seinen tollen Saisonstart mit Eintracht Frankfurt, wird er definitiv noch mal ins Rennen um ein EM-Ticket einsteigen. Derzeit laboriert er an einer Wadenverletzung, wäre sonst wohl jetzt schon ein Kandidat gewesen. Malick Thiaw (AC Mailand) stand sogar im Aufgebot, wird in diesen Tagen aber Vater und sagte ab. Sollte Dortmunds Nico Schlotterbeck noch mal angreifen wollen, müsste er sich überlegen, ob es schlau ist, sich während des Länderspiels am Samstag bei einem MMA-Fight zu zeigen (übrigens mit Teamkollege Wolf) – solche Aktionen mag der DFB-Coach nämlich gar nicht. Die WM-Fahrer Matthias Ginter (SC Freiburg) und Armel Bella-Kotchap (von Southampton an die PSV Eindhoven ausgeliehen) sind unter Nagelsmann - Stand jetzt – komplett abgemeldet.

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Havertz als Linksverteidiger nicht nur Spielerei

Das gilt auf der linken Abwehrseite für Ginters Teamkollegen Christian Günter, der in Katar ebenfalls dabei war, mit einem komplizierten Armbruch aber lange ausfällt. Der werdende Papa Robin Gosens kämpft wohl gegen David Raum um einen Platz im EM-Kader – die Optimallösung sind beide nicht. Daher funktionierte Nagelsmann gerade Kai Havertz zum Linksverteidiger um, sieht darin für den Arsenal-Profi „eine riesige Chance, einer der prägenden Spieler der EM zu werden.“

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In Anbetracht der deutschen Defensiv-Problematik dürfte es Nagelsmann zumindest freuen, dass man bei der Heim-EM den Topteams Frankreich, Spanien, Portugal und Belgien in der Vorrunde aus dem Weg gehen kann. Bis dahin hat er seine Ketten-Frage hoffentlich zufriedenstellend beantwortet.