Experte reagiert auf Bayern-Trainer

Hamann über Tuchel-Auftritt: „Das ist auch eine Form des Anstandes“

Dietmar Hamann gehört zu den regelmäßigen Kritikern von Bayern-Trainer Thomas Tuchel.

Mit Verwunderung hat Dietmar Hamann auf den Auftritt von Thomas Tuchel am Samstag im Rahmen des Bundesliga-Topspiels gegen Borussia Dortmund reagiert. Nachdem der Trainer des FC Bayern mit bissiger Ironie und sichtlich wütend die in den vergangenen Wochen immer wieder geäußerte Kritik von Hamann und dessen Expertenkollegen Lothar Matthäus gekontert sowie das Sky-Interview im Anschluss an das 4:0 seines Teams abgebrochen hatte, bezog Hamann am Sonntag bei Sky90 ausführlich Stellung zu den Vorgängen.

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„Dass er sich gewehrt hat, verstehe ich. Er muss ja sich, die Spieler und den Verein schützen. Das ist seine Pflicht“, sagte der Ex-Nationalspieler, der am Samstag bei Tuchels Auftritt im Gegensatz zu Matthäus nicht persönlich anwesend war, und verdeutlichte, was ihm am Verhalten des Bayern-Coaches missfallen hat: „Die Art und Weise hat mich etwas überrascht und gewundert. Das ist auch eine Form des Anstandes. Der Lothar war ein sehr verdienter Spieler. Er hat 150 Länderspiele. Das muss man also auf einer gewissen Ebene machen.“

Hamann wiederholte während seiner Ausführungen auch die Kritik, die Tuchel offenbar so auf die Palme gebracht hatte. Dabei betonte er, dass die Bayern vor dem Auftritt in Dortmund seiner Meinung nach, in keinem Spiel über die volle Distanz überzeugt hätten. Zudem erinnerte er an die vergangenen Saison und das frühe Aus der Münchner in DFB-Pokal und Champions League. Auch in der laufenden Saison sei es bis zum Samstagabend nicht entscheidend vorangegangen.

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„Dann spielen sie mal gut und ich habe mir gedacht: Sei doch froh, dass du mal so ein Spiel gehabt hast. Was will er denn?“, meinte Hamann mit Blick auf den Samstagabend: „Deshalb habe ich überhaupt nicht verstanden, dass er nicht die Mannschaft lobt.“ Auf die Frage, wie ein Auftritt Tuchels in einer Mannschaft ankomme, entgegnete der einstige Bayern-Profi: „In der Mannschaft hört man gerne, wenn ein Trainer sich wehrt - gegen wen auch immer. Kritik am Trainer ist ja irgendwo auch Kritik an der Mannschaft. Jetzt ist natürlich die Frage, wie das Verhältnis von ihm zur Mannschaft ist. Vielleicht sagen einige Spieler, dass er zu recht oder Gott sei Dank kritisiert wird. Das weiß ich nicht.“

Die große Frage wird sein, wie der Verein darüber denkt.

Dietmar Hamann über das Auftreten von Bayern-Trainer Thomas Tuchel

Hamann, der die FCB-Leistung gegen den BVB mehrfach lobte und sich dabei sogar zu einem „Wow“ hinreißen ließ, weiter: „Die große Frage wird sein, wie der Verein darüber denkt. Das gestern hatte schon irgendwo ein Stück weit eine Unberechenbarkeit. Ich glaube, dass das ein Verein nicht gerne sieht. Man will - egal, was passiert - ein Gefühl dafür haben, wie der Trainer reagieren wird.“

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Von der aktuellen Situation unabhängige, persönliche Differenzen mit Tuchel wies Hamann zurück uns hob hervor, dass es ihm „immer um die Sache“ ginge. „Ich habe ihn 30 oder 35 Jahre nicht gesehen. Da ist nichts. Ich habe in der Jugend in Auswahlmannschaften mit ihm zusammengespielt. Ich schätze ihn sehr. Er hat einen sehr guten Humor“, sagte der TV-Experte. Eine Aussprache strebe er dennoch nicht an: „Nähe ist in dem Geschäft ungut und nicht förderlich. Wenn es mal zu Stande kommt, hätte ich überhaupt kein Problem, mit ihm einen Kaffee zu trinken. Aber wenn nicht, dann ist es auch gut.“