Kommentar

Impfschäden: Mehr Hilfe ist nötig

Ein Mitarbeiter einer Corona-Impfaktion bereitet Biontech-Dosen vor.

Die Mehrheit der Gesellschaft ist nach der Corona-Pandemie schon lange wieder in der Normalität angekommen. Masken finden viele höchstens noch in Jacken, die einige Monate lang im Schrank verschwunden waren oder, in den Tiefen von Taschen. Dass das öffentliche Leben über Monate stillstand, ist in Vergessenheit geraten. Auch an andere Corona-Folgen und ‑debatten erinnert sich niemand gern zurück. Für die meisten ist die Pandemie also vorbei – für manche wird das allerdings nie der Fall sein.

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So gibt es die, die nach der Infektion weiter an Langzeitbeschwerden leiden, ihrem Beruf nicht mehr nachgehen und sich kaum um die eigenen Kinder kümmern können. Und dann gibt es die, die sich mit der Impfung vor dem Virus schützen wollten, stattdessen allerdings krank geworden sind.

Der Staat muss Verantwortung übernehmen

Festhalten muss man: In Relation zu allen Geimpften leiden nur sehr, sehr wenige Menschen an Impfschäden. Es ist nach wie vor eine gefährliche Mär von Verschwörungsideologen, dass die Impfstoffe zu massenhaften Impfschäden geführt haben. Die Impfung gegen Corona hat viele, vor allem ältere, Menschen vor Infektionen und vor schweren Krankheitsverläufen bewahrt. Es bleibt eine enorme Leistung der Wissenschaft, dass der Impfstoff nicht mal ein Jahr nach Beginn der Pandemie verfügbar war und die Rückkehr zur Normalität einleitete.

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Nichtsdestotrotz muss den Betroffenen mit gleichem Elan geholfen werden, wie sie zuvor zur Impfung animiert worden sind. Dass eine Betroffene in Bamberg versucht, nun Schadens­ersatz vom Impfstoffhersteller Astrazeneca einzufordern, ist menschlich verständlich. Der Beschluss des Oberlandgerichts Bambergs, ein weiteres Gutachten zur Prüfung einzufordern, lässt sich als Teilerfolg für die Klägerin werten.

Unabhängig vom Ausgang des Zivilprozesses sollte aber klar sein, dass in erster Linie der Staat tätig werden muss, wenn es um die Unterstützung der Leidtragenden geht. Was nicht sein darf: Dass Politikerinnen und Politiker ihren Blick jetzt abwenden, weil es nur einen Bruchteil der Geimpften betrifft und weil ihnen das Thema unangenehm ist. Bundes­gesundheitsminister Karl Lauterbach hat zwar ein Unterstützungs­programm angekündigt, doch bisher bleibt es bei der Ankündigung.

Wahrscheinlichkeit von 0,0004 Prozent: Betroffene berichtet von den Folgen ihrer Astrazeneca-Impfung

Kurz bevor Astrazeneca gestoppt wurde, bekommt Carolin B. aus Sachsen den Impfstoff verabreicht. Dann erleidet sie eine lebensgefährliche Hirnvenen­thrombose. Die junge Frau verliert dabei fast ihr Leben – und kann ihrem Schicksal dennoch etwas Gutes abgewinnen.

Es braucht ein Signal, dass die Betroffenen nicht vergessen werden

Dabei ist nun schon seit vielen Monaten ersichtlich, dass Handlungsbedarf besteht. Es braucht ausreichend Beratungsangebote, damit jeder Betroffene weiß, an welche Stellen er sich richten muss. In einer solchen Situation gibt es fast nichts Schlimmeres, als sich schlecht oder gar nicht informiert zu fühlen.

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Dass es bereits einen gesetzlich geregelten Versorgungsanspruch für Impfschäden gibt, ist für einige hilfreich. Allerdings hängen noch immer Tausende Anträge in den Versorgungsämtern in der Bearbeitung fest. Die Bürokratie in Deutschland darf die dringend benötigte Hilfe wie die Bewilligung von Reha-Programmen und die Auszahlung von Schadensersatzrenten nicht ausbremsen. Dass die Beweislast bei den Erkrankten liegt, ist im Ansatz zwar richtig. Für viele ist es aber schwer nachzuweisen, dass die Impfung eben genau für ihren Gesundheitsschaden verantwortlich ist. Hier ist mehr Pragmatismus nötig, damit sich die Betroffenen nicht wie die Schuldigen fühlen.

Zudem braucht es mehr Investitionen in die Erforschung von Langzeitfolgen, die durch die Pandemie entstanden sind: Sei es wegen Impfungen in seltenen Fällen oder weil sich aus der Infektion das Post-Covid-Symptom entwickelt hat.

Unter dem Strich müssen die Ämter, Mediziner und die Politik dafür sorgen, dass sich die Menschen nicht alleingelassen fühlen. Beim Ausbau der Unterstützung geht es auch um ein Signal an die Erkrankten, dass die Öffentlichkeit sie nicht vergessen hat.