Bitte setzt euch an einen Tisch!
Noch bevor die Lokführergewerkschaft GDL einen Streik angekündigt hat, kommt die Deutsche Bahn ihr mit einem weiteren Angebot entgegen. Anrechnen muss man dem Konzern, dass er bereit ist, über neue Wahlmodelle für die Wochenarbeitszeit zu verhandeln. Beide Seiten sollten sich nun an einen Tisch setzen und ernsthafte Gespräche führen – statt sich aus der Ferne anzugiften.
Einen mehrtägigen Streik, für den die GDL-Mitglieder den Weg bereits in einer Urabstimmung freigemacht haben, kann Deutschland derzeit nicht gebrauchen. Insbesondere nicht, wenn dieser mit Bauernprotesten und Autobahnblockaden durch Landwirte zusammenfallen sollte. Dann droht Deutschland stillzustehen.
Claus Weselsky wird sicherlich noch Fallstricke im Bahnangebot finden
Sicherlich wird GDL-Chef Claus Weselsky noch Fallstricke bei dem Angebot der Bahn finden. Die von der Bahn angebotene Laufzeit von 32 Monaten dürfte ihm bitter aufstoßen. Und der Gewerkschaftschef will unbedingt eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für alle Mitglieder erkämpfen und weiß dies bei jeder Gelegenheit zu betonen.
Das hat auch machtpolitische Gründe: Die GDL steht mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Konkurrenz und will bei ihr Mitglieder abwerben. Hinzu kommt, dass Weselsky dieses Jahr in Rente geht und an seinem Vermächtnis feilt.
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Zur vollständigen AnsichtDoch ohne Verhandlungen wird auch Weselsky seine Ziele oder zumindest Teile davon nicht erreichen. Der Bahnkonzern schlägt nun vor, am 10. Januar in Berlin über das erweiterte Angebot zu verhandeln. Darauf sollte Weselsky eingehen, wenn er nicht weiter an Glaubwürdigkeit verlieren will.